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Musikautoren setzen kreatives Zeichen im Konfettiregen

Die elfte Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises lieferte erneut den Beweis, wie ein Award samt Gala über Genregrenzen hinweg ein hohes Maß an Respekt und Verständnis zwischen Kreativen und ihren Partner vermitteln kann. Passend dazu war der Andrang auf die Verleihung so groß wie nie zuvor. Angesichts der anhaltenden Diskussion ums Urheberrecht kamen aber auch politische Botschaften nicht zu kurz.

15.03.2019 11:32 • von
Abschlussbild im Konfettiregen: die Preisträger, Nominees und Laudatoren beim Deutschen Musikautorenpreis 2019 in Berlin. (Bild: Sebastian Linder/GEMA)

Die elfte Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises lieferte am Abend des 14. März 2019 im Ritz Carlton in Berlin erneut den Beweis, wie ein Award samt Gala über Genregrenzen hinweg ein hohes Maß an Respekt und Verständnis zwischen Kreativen und ihren Partner vermitteln und transportieren kann. Passend dazu war der Andrang auf die Verleihung so groß wie nie zuvor.

So berichtete denn der GEMA-Vorstandsvorsitzende Harald Heker in seiner Eröffnungsrede, dass man erstmals mehr als 400 Gäste im Saal begrüßen könne und bei der anschließenden Aftershow Party auf 800 komme - "das hat fast Hauptversammlungs-Format". Die Plätze im Saal seien dabei in diesem Jahr erneut sehr begehrt und so schnell wie nie zuvor verplant gewesen.

Da es beim Musikautorenpreis nicht um Verkaufszahlen oder Klicks gehe, sondern vielmehr eine Fachjury die Awards nach qualitativen Kriterien vergebe, freue es ihn ganz besonders, dass sich dieser Preis längst etabliert und so gut entwickelt habe, sagte Heker und versprach, im Laufe des Abends die ganze Bandbreite der Musik auf die Bühne zu bringen. Passend dazu stellten die Initiatoren der GEMA den Musikautorenpreis unter den Hashtag #wirfeierndiemusik.

Angesichts der anhaltenden Diskussion um die Urheberrechtsrichtlinie kamen auch politische Botschaften nicht zu kurz, ohne jedoch die Verleihung der Awards zur bloßen Rahmenveranstaltung zu degradieren.

Fast 20 Jahre habe man über die derzeitige Reform des Urheberrechts diskutiert, erinnerte Heker, und verband den Verweis auf eine laufenden Kampagne der Gegner dieser Reform vor der in wenigen Tagen anstehenden Abstimmung im Europaparlament mit dem Appell an die Befürworter: "Wir müssen weiter Aufklärungsarbeit leisten."

Man müsse vermitteln können, dass das eigentliche Ziel des umstrittenen Artikels 13 nicht die Sperrung von Inhalten sei, sondern deren Lizenzierung samt einer fairen Vergütung der Urheber. "Ich hoffe, dass von diesem Abend ein Signal ausgeht, dass die Urheber diese Reform unterstützen", so Heker weiter.

Als Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA schlug Ralf Weigand anschließend einen Bogen vom Einsatz von Produktionssoftware und künstlicher Intelligenz zur aktuellen Debatte: "Was da draußen stattfindet, ist künstliche Dummheit", postulierte Weigand, der zudem von "einem Krieg ums Urheberrecht" sprach und feststellte, dass die Urheber mit ihrer Position in der öffentlichen Wahrnehmung nur wenig Freunde hätten.

Moderatorin Nina "Fiva" Sonnenberg holte anschließend Bürger Lars Dietrich als Laudator für die erste Preiskategorie auf die Bühne, der den Deutschen Musikautorenpreis in der Sparte "Text Kinderlied" an Suli Puschban überreichte und sie als "eine Ausnahmeerscheinung" in Sachen Kinderlied lobte. Schließlich zeige Suli Puschban stets Haltung und sei eine der wenigen, die unseren Kindern zum Beispiel von der Bürgerrechtlerin Rosa Parks erzähle.

"Musik mit Heißluftballons - darauf muss man erstmal kommen", sagt Nina Sonnenberg nach der Verleihung des Awards in der Kategorie "Komposition Ensemble mit Elektronik" an Michael Maierhof, während der Preisträger nach einer Säge fragte, um die Trophäe anschließend an der Bar mit den ebenfalls nominierten Künstlern Oxana Omelchuk und Iris ter Schiphorst zu teilen.

In der Sparte "Komposition HipHop" wurde es erstmals lauter im Saal, Nominee Christian "Crada" Kalla Crada erhielt den Award schon beinahe per Akklamation, doch noch mehr Applaus gab es für Lennard "Jumpa" Oestmann. Crada zeigte sich dann sichtlich gerührt von seinem Gewinn und der Lobrede von Sabrina Setlur, die den Sieger nicht nur als Producer, sondern auch als Reducer bezeichnete, "denn weniger geht oft mehr ins Ohr".

Der Musikautorenpreis in der Kategorie "Komposition Chormusik" ging an Arvo Pärt. Da der eigentlich längst Lebenswerk-taugliche Künstler allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht aus seiner Heimat Estland anreisen konnte, überreichte Estlands Botschafter Mart Laanemäe die Trophäe in Vertretung an Musikverlegerin Astrid Koblanck von der Universal Edition, die einen Brief des Komponisten verlas, der 30 Jahre lang in Berlin lebte und wirkte.

Laudator Vince Bahrdt überreichte die Auszeichnung in der Kategorie "Komposition Jazz/Crossover" an Martin Tingvall, den er einst bei der Suche nach einem Keyboarder für eine Tour der Formation Orange Blue kennenlernte. "1000 Dank", sagte Tingvall ans Plenum, aber auch an seine Partner bei DolceRita und Skip Records gerichtet sowie an Bahrdt, der ihm den Schritt vom Jazzkeller mit 20 Zuhörern auf die Bühne mit Orange Blue vor 20.000 Fans ermöglicht habe. Tingvall, der solo und mit einem Trio erfolgreich ist, aber zum Beispiel auch mit Udo Lindenberg arbeitet, setzte anschließend einen ersten musikalischen Akzent, als er an dem auf der Bühne bereit stehenden Flügel seinen neuen Song, "The Rocket" spielte.

Eine der wohl persönlichsten Lobreden des Abends lieferte dann Lary für die Künstlerin Namika, die mitsamt ihrem Team um Simon Triebel, Simon Müller-Lerch (Sera Finale) und Alpha Diallo (Black M) sowie das Beatgees-Produzententeam mit Hannes Büscher, David Vogt, Philip Böllhoff und Sipho Sililo den Preis für das erfolgreichste Werk erhielt; der einzige Musikautorenpreis, der nicht von einer Jury vergeben wird.

In der Sparte "Komposition Audiovisuelle Medien" setzte sich anschließend Ralf Wienrich unter anderem gegen den bereits Grammy-nominierten Volker "Hauschka" Bertelmann durch. ZDF-Redakteur Pit Rampelt lobte Wienrich unter anderem dafür, mit seinen "unaufdringlich glänzenden" Tönen immer "die Seele des Films zu treffen", Wienrich revanchierte sich, indem er Rampelt dafür dankte, Druck nicht einfach weiterzugeben, sondern vielmehr seinen Partnern im Kreativen den Rücken freizuhalten.

Maxim erhielt dann den Musikautorenpreis im Bereich "Text Pop/Rock". Laudatorin Stefanie Kloß (Silbermond) nannte seine Texte "einen absoluten Gewinn für die deutsche Musikszene".

Schon zuvor stand fest, dass Wolfgang Rihm, der als einer der produktivsten und am häufigsten gespielten Komponisten der Gegenwart gilt, die Auszeichnung für sein Lebenswerk erhalten würde. Aus gesundheitlichen Gründen kam der Künstler allerdings nicht persönlich nach Berlin, gewährte aber in einem längeren Filmbeitrag aus einer Heimat Karlsruhe Einblicke in sein Denken und sein Wirken. Unter anderem meinte Rihm, dass zum Komponieren durchaus zwei Seiten gehören würden: "Wenn niemand zuhört, dann war auch nichts." Als Künstlerischer Leiter des Musikfests Berlin lobte Winrich Hopp den Preisträger passend dazu nicht nur für sein künstlerisches Schaffen, sondern auch dafür "unglaublich gut" zuhören zu können.

Ebenfalls bereits zuvor fix waren mit Mark Barden (Sparte E) und Elif Demirezer (Sparte U) die Sieger der Nachwuchspreise. Andreas Bourani, der eine ebenfalls sehr persönliche Laudatio auf Elif hielt, zitierte dabei unter anderem aus einer SMS-Konversation vom Vorabend der Verleihung, in der die Künstlerin scherzte, ob man den dotierten Preis anschließend im Casino nicht verdoppeln wolle - "lass uns feiern und die 10.000 auf rot setzen".

Die sichtlich berührte Sängerin bedankte sich im Gegenzug bei allen, die an sie geglaubt hätten - "denn jeder braucht Menschen, die an einen glauben" - und spielte nur in Klavierbegleitung den laut eigener Aussage gerade noch am Nachmittag zuvor bei der GEMA angemeldeten und zusammen mit Fayzen geschriebenen Song "Zeit vergeht".

Anschließend stellten sich Preisträger, Nominees und Laudatoren für ein stimmungsvolles Abschlussbild gemeinsam auf die Bühne und in einen goldenen Konfettiregen.

Unterm Strich lieferte die elfte Verleihung des Deutschen Musikautorenpreises erneut einen Beleg dafür, dass sich die Kreativschaffenden und ihre Partner im Musikgeschäft einen Award samt Verleihungsgala durchaus verdient haben.