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Deutscher Musikmarkt 2018 annähernd stabil

Brancheneinnahmen knapp auf Vorjahresniveau: Die Umsätze im Geschäft mit Recorded Music lagen 2018 um 0,4 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das zeigt die Bilanz des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI). Die digitale Zeitenwende hat 2018 nun endgültig auch Deutschland erreicht: 56,7 Prozent des Umsatzes wurden durch digitale Erlösmodelle erwirtschaftet.

07.03.2019 09:25 • von Norbert Schiegl
Die Umsatzanteile aus dem Musikverkauf 2018 (Bild: Daten: Bundesverband Musikindustrie, GfK Entertainment; Grafik: MusikWoche)

Die Brancheneinnahmen im deutschen Musikmarkt bewegten sich 2018 knapp auf Vorjahresniveau. Die Umsätze mit Recorded Music lagen insgesamt um 0,4 Prozent unter dem Wert von 2017. Das zeigen die Zahlen, die der Bundesverband Musikindustrie am 7. März 2019 vorlegte. Demnach beliefen sich die Einnahmen der Musikunternehmen aus dem Verkauf von CDs, Schallplatten, DVDs und Downloads sowie aus der Vermarktung von Musik über Streamingdienste im vergangenen Jahr auf 1,582 Milliarden Euro: nach Endverbraucherpreisen und inklusive Mehrwertsteuer. 2017 lag dieser Wert noch bei 1,588 Milliarden Euro, 2016 noch bei 1,593 Milliarden Euro.

Beim BVMI sieht man den Musikmarkt 2018 damit "knapp auf Vorjahresniveau" und spricht davon, dass "Deutschlands Musikindustrie in digitaler Umbruchphase stabil auf Kurs" ist.

Während andere Musikmärkte 2018 weiter ein zum Teil dynamisches Wachstum aufwiesen, verbuchte die deutsche Musikindustrie nun zum zweiten Mal in Folge leicht rückläufige Umsatzzahlen. Wobei ein Minus von 0,3 Prozent 2017 und 0,4 Prozent 2018 angesichts der digitalen Transformation, in der sich die Branche weiterhin befindet, noch zu verschmerzen ist.

"Nach zuvor vier Wachstumsjahren befindet sich der Branchenumsatz mittlerweile im zweiten Jahr auf einem Plateau, was keine schlechte Nachricht ist", erklärt Florian Drücke, der Vorstandsvorsitzende des BVMI. "Vielmehr hält die deutsche Musikindustrie in der aktuellen Transformationsphase weiterhin Kurs, und das, obwohl wir bei der CD, die bei uns noch immer in erheblichem Maß zu den Brancheneinkünften beiträgt und entsprechend hohe Relevanz für die Gesamtbilanz hat, einen Rückgang von 20 Prozent sehen. Dass der Markt stabil ist, liegt an den andauernden erheblichen Zuwächsen beim Audiostreaming: Ein Plus von 33,5 Prozent auf bereits sehr hohem Niveau zeigt die große Akzeptanz bei den Fans. Ein sehr gutes Vorzeichen für die kommenden Jahre, weil das auch ein Indikator für die zunehmende Zahlungsbereitschaft der Nutzerinnen und Nutzer ist; der Löwenanteil der Umsätze im Audiostreaming-Bereich wird schließlich durch die Premiumabos generiert."

Die CD blieb trotz Einbußen in Höhe von 19,9 Prozent nach dem Streaming immer noch klar der zweitstärkste Umsatzbringer mit einem Marktanteil von 36,4 Prozent. Mit deutlichem Abstand folgen Downloads, die 7,8 Prozent der Einnahmen beisteuerten und die Vinyl-LP, die ihren Höhenflug der letzten zehn Jahre 2018 nicht fortsetzen konnte, ein Minus von 5,2 Prozent verkraften musste und damit auf einen Gesamtmarktanteil von 4,4 Prozent kam.

Ende 2017 stellte die CD hierzulande mit einem Umsatzanteil von gut 45 Prozent noch das umsatzstärkste Format, zum Halbjahr 2018 aber stiegen Streamingdienste auch im deutschen Musikmarkt erstmals zum größten Umsatzbringer der Plattenfirmen auf - und zogen dabei rasant an der CD vorbei.

Auffällig in der Jahresbilanz für 2018 ist der geringe Umsatzanteil des Videostreamings im Vergleich zum Audiostreaming: "Eine Botschaft an all jene", erläutert Florian Drücke, "die noch immer der Meinung sind, User-Upload-Plattformen sollten keine höheren Lizenzen zahlen müssen: Laut aktuellen Studien konsumieren die Fans Musik zu etwa gleichen Zeitanteilen über Audio- und Videostreaming-Angebote. Das schlägt sich jedoch mitnichten im Umsatz nieder. Während Audiostreaming inzwischen für bald 50 Prozent der Brancheneinnahmen steht, fließen durch die über Videodienste gestreamte Musik gerade einmal 2,4 Prozent an die Kreativen und ihre Partner zurück, was in der aktuellen Diskussion über die Urheberrechtsreform oft vergessen wird."