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Bernd Dopp: »Hamburg hat eine langjährige und große Musiktradition«

05.03.2019 12:26 • von Jonas Kiß
Fördert mit Warner Music auf verschiedenen Ebenen den Schulterschluss der Digital- und Musikwirtschaft: Bernd Dopp (Bild: Katja Ruge)

Bernd Dopp zählt zu den prägenden Persönlichkeiten der Musikwirtschaft - in Hamburg, und weit darüber hinaus. Im Gespräch mit MusikWoche beleuchtet der Chairman & CEO von Warner Music Central Europa die Beziehung zwischen dem Musikmajor und der Hansestadt und analysiert, was Hamburg noch fürs Musikbiz und die Allgemeinheit tun könnte.

Können Sie sich Warner Music ohne Hamburg vorstellen?

Man kann sich das in der Tat nur schwer vorstellen. Schließlich hat Warner Music beziehungsweise damals WEA Records seit 1971 in Hamburg seinen deutschen Stammsitz und eine glanzvolle Historie.

Und umgekehrt, Hamburg ohne Warner Music?

Für den Musikstandort Hamburg ist es vielleicht noch schwerer vorstellbar, wenn es keine Major Company mehr in der Stadt gäbe. Für die Authentizität eines Musikstandortes ist es sicher von Vorteil, dass ein Major-Label hier ansässig ist.

Warum?

Wir fördern auf verschiedenen Ebenen den Schulterschluss der Digital- und Musikwirtschaft und engagieren uns seit vielen Jahren erfolgreich auf Bundesebene für Hamburg. So haben wir gemeinsam mit der leider verstorbenen Kultursenatorin Barbara Kisseler den Jazz Echo nach Hamburg holen können. Wir sorgen für zahlreiche Highlights in der Stadt. Von den Red Hot Chili Peppers auf dem Dach des Hamburger Saturn-Gebäudes über Bruno Mars live hier bei Warner Music bis zu Ed Sheeran auf dem Reeperbahn Festival bei der Warner Music Night. Mit Warner Music tragen wir einen erheblichen Teil dazu bei, Musik nicht nur aus der Speicherstadt heraus zu vermarkten, sondern auch zu exportieren, wie zum Beispiel DJ-Superstar Robin Schulz. Das Reeperbahn Festival unterstützen wir seit dem ersten Tag. Großartige Newcomer unseres Hauses aus Deutschland und der ganzen Welt haben hier - neben vielen anderen Künstlern - ihre ersten Schritte in den deutschen Markt gemacht. Globale Stars wie Janelle Monàe, Muse, Biffy Clyro oder Liam Gallagher und local heroes wie die Beatsteaks traten schon bei der Warner Music Night auf. Innerhalb der Warner Music Group haben wir uns mit der globalen Warner A&R-Konferenz 2012 im Rahmen des Reeperbahn Festivals stark für die internationale Wahrnehmung des Musikstandorts Hamburg engagiert. Nicht zuletzt fördern wir durch unsere Präsenz in der Stadt zahlreiche Jobs bei unseren Partnern von zum Beispiel Grafik, Design, Fotografie, Produktion oder Soundtechnik bis hin zu Eventagenturen.

Was zeichnet den Standort Ihrer Meinung nach ganz allgemein aus?

Hamburg hat eine langjährige und große Musiktradition, ein lebendiges musikalisches Ökosystem und Netzwerk mit Szenevierteln wie den Kiez und der Schanze, mit Leuchttürmen wie dem MS Dockville sowie dem Reeperbahn und Elbjazz-Festival. Nicht zuletzt ist ja auch die Elbphilharmonie ein Magnet für Musikfans aus der ganzen Welt. Leider fehlt uns immer noch ein Musik-Venue mit einer Kapazität von rund 4000 Fans und einer hervorragenden Akustik in zentraler Lage.

Hand aufs Herz, gab es mal Versuche anderer Musikstädte, Warner Music schöne Augen zu machen?

Klar.

Welche Bedeutung hat Ihrer Meinung nach Musik als Wirtschaftsfaktor für den Standort Hamburg?

In dieser Hinsicht wird meines Erachtens das Potential Hamburgs bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Über den Erfolg der Elbphilharmonie darf nicht vergessen werden, dass neue und innovative Impulse der Popkultur schon immer aus Subkulturen, Nischen, Clubs und heutzutage natürlich auch aus dem Netz kommen.

Und was macht ihn gerade für ein Unternehmen wie Warner Music interessant?

Natürlich haben wir in Hamburg eine Alleinstellung als Major und können hier sicher auch wertvoll zum Profil der Stadt als Musikstandort beitragen. Künstler aus ganz Deutschland wie auch internationale Stars lieben ihre Besuche bei uns in Hamburg. Allerdings haben wir kürzlich nicht nur in Hamburg in Personal investiert, sondern auch in unserer Berliner Dependance neue Arbeitsplätze geschaffen, insbesondere auch um unseren Partnern ein optimales Set-up für das stärker werdende Streaminggeschäft zu bieten.

Elphi, Barclaycard Arena, Docks, oder doch beim Musikdialog im Rathaus, wo trifft man Sie persönlich am ehesten?

Oft bei den Livekonzerten von Künstlern nicht »nur« von Warner Music in Venues vom Mojo Club oder Molotow über die Barclaycard Arena bis hin zur Elbharmonie.

In ziemlich genau einem Jahr steht in Hamburg die nächste Bürgerschaftswahl an: Was schreiben Sie der Politik bis dahin auf die To-Do- Liste?

Ganz generell, aber auch gerade für die Musikwirtschaft, ist meines Erachtens die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum essentiell.

Zur Person

Nach dem Abitur war Bernd Dopp von 1979 bis 1984 im Musikfachhandel als Chefdisponent tätig. 1984 verließ er den Einzelhandel, wechselte zur damaligen wea records und begann dort seine Karriere als Product Manager. 1987 stieg er zum Marketing-Director US Labels auf - drei Jahre später wurde ihm die Verantwortung für den gesamten Repertoire-Bereich und aller Labels in gleicher Position übertragen. 1991 stieg er zum Hauptabteilungsleiter Marketing auf und ein Jahr später zum stellvertretenden Geschäftsführer wea records. Unter seiner Ägide wurden internationale Künstler wie Madonna, Prince, Phil Collins oder Guns N' Roses auch in Deutschland zu absoluten Top-Stars. 1997 wurde der damalige wea-Geschäftsführer Gerd Gebhardt zum President Warner Music Central Europe befördert, und Bernd Dopp übernahm als Managing Director die Leitung der Firma. Zum 1. Juli 2001 wurde Bernd Dopp zum President Warner Music Germany berufen und Anfang Mai 2004 zum Chairman & CEO Warner Music GSA. Inzwischen leitet Dopp als Chairman & CEO von Hamburg aus die Geschicke von Warner Music Central Europe.