Unternehmen

Ein starker Standort voller Leuchttürme

Die Akteure der Hamburger Musikwirtschaft sehen ihre Stadt mit großem Selbstbewusstsein. Das belegen die Antworten auf eine MusikWoche-Umfrage: Was macht Hamburg für Unternehmen aus dem Musikbiz so interessant, und welche Bedeutung hat Musik als Wirtschaftsfaktor für den Standort?

12.03.2019 10:10 • von Jonas Kiß
Optisches Feuerwerk und wichtiger Publikumsmagnet: die Elbphilharmonie, hier bei der Eröffnung im Januar 2017. (Bild: Ralph Larmann)

Die Akteure der Hamburger Musikwirtschaft sehen ihre Stadt mit großem Selbstbewusstsein. Das belegen die Antworten auf eine MusikWoche-Umfrage: Was macht Hamburg für Unternehmen aus dem Musikbiz so interessant, und welche Bedeutung hat Musik als Wirtschaftsfaktor für den Standort?

Ben Mitha, Geschäftsführer Karsten Jahnke Konzertdirektion: Historisch betrachtet gehören Livemusik und dadurch auch die Musikindustrie seit jeher zu Hamburg. Als Hafenstadt und Teil der Britischen Besatzungszone nach dem Zweiten Weltkrieg bestand zwangsläufig eine enge Verbindung zu Großbritannien und den von dort kommenden musikalischen Einflüssen, weshalb Hamburg gewissermaßen seit jeher am Puls des aktuellen Musikgeschehens war. Hinzu kommt, dass es den Besatzungen der anlegenden Schiffe nach Entertainment und Bespaßung dürstete, weshalb sich in einem überschaubaren Areal auf und um die Reeperbahn schnell viele Liveclubs und Konzertvenues angesiedelt haben. Durch diese räumliche Kompaktheit entwickelte sich schnell eine lebhafte Liveszene mit vielen Auftrittsmöglichkeiten und dankbarem Publikum - Umstände, die es vielen Bands, wie unter anderem den Beatles, ermöglichten, hier ihre ersten musikalischen Schritte deutlich leichter zu gehen als in ihrer Heimat. Nicht außer Acht zu lassen ist auch, dass Hamburg als traditionelle Handelsstadt neben großer Weltoffenheit auch über relativ hohen Wohlstand der Stadtbewohner verfügt, die neben dem persönlichen Interesse auch die finanziellen Möglichkeiten haben, sich Kultur leisten zu können. Diese Faktoren haben sich bis heute nicht geändert. St. Pauli bietet nach wie vor eine Vielzahl von guten Liveclubs auf engem Raum und damit eine großartige Infrastruktur für alle Konzertveranstalter der Stadt. Diese Gegebenheiten sind es auch, die international bekannte Formate wie das Reeperbahn Festival ermöglichen.

Dies sorgt unter anderem dafür, dass stetiges Nachwachsen an musik- und kulturinteressiertem jungen Publikum gewährleistet bleibt. Nicht ohne Grund ist Hamburg beispielsweise in der Regel die meiststreamende deutsche Stadt auf Spotify bei nahezu allen Künstlern. Dies ist ein fruchtbarer Nährboden für die Musikindustrie, was sich in einer Vielzahl in Hamburg ansässiger Labels, Verlage, Streamingservices und großer Konzertveranstalter bemerkbar macht. Hinzu kommt seit 2017 mit der Elbphilharmonie ein einzigartiges Konzerthaus mit Weltrenommee, das einen zusätzlichen Fokus auf die Musikstadt legt und noch mehr internationale Namen in die Hansestadt lockt. Gemessen in realen Zahlen mag die in Hamburg ansässige Musikindustrie möglicherweise nicht mit anderen Wirtschaftszweigen konkurrieren können, dennoch ist sie für das Image und das Ansehen der Stadt eines der wichtigsten Aushängeschilder und damit auch ein unverzichtbares Marketingtool.

Jonas Haentjes, Vorstand Edel AG: Hamburg ist besonders interessant, da vor Ort ein Ökosystem der Musikindustrie existiert. Von Veranstaltern, Ticketing, Musikanwälten, über Managements, Independents und einem Major ist hier alles vertreten. Diese Kombination bieten nicht viele Städte - sicherlich ein Grund dafür, dass das Reeperbahn Festival immer größer wird und in Hamburg beheimatet ist. Musik mag zwar nur einen kleinen Anteil an Hamburgs Wirtschaftskraft haben, für die Anziehung qualifizierter Arbeitskräfte in allen Industrien und auch Touristen spielt das kulturelle Angebot und hier insbesondere die Musik eine sehr wichtige Rolle.

Andrea Rothaug, Geschäftsführerin RockCity: In Hamburg arbeiten rund 17.000 Menschen in der Musikbranche, die rund eine Milliarde Euro zu Hamburgs Image und Wertschöpfung beiträgt. Die Förderung von Musik und ihren Kreateurinnen ist deshalb unmittelbar als Wirtschaftsförderung zu sehen. Musik ist darüber hinaus eine der wichtigsten Trägerinnen des positiven Images von Hamburg. Und, ob Telemann oder Tellavision - wir alle wissen, wir sind dringend auf die erfinderischen Szenen von morgen angewiesen, denn nur eine lebendige und aktive Musikszene schafft Austausch und Identität. Sie bildet und bindet Talente, sie wirkt magnetisch auf Menschen aus der gesamten Welt; und auf die ist Hamburgs Wirtschaft im Kontext anstehender Transformationsprozesse heute und in Zukunft angewiesen.

Was außerdem Christian Wiesmann, Local Head Promoter FKP Scorpio, Frank Spilker, VUT-Vorstandsmitglied und Sprecher des VUT-Nord, Alexander Schulz, Geschäftsführer Inferno Events/ Reeperbahn Festival, Thorsten Freese, Managing Director Believe Germany, Jens Thele und Jan Schwede von Kontor Records, Thore Debor, Geschäftsführung Clubkombinat Hamburg, Manlio Celotti, CEO Membran und Managing Director The Orchard, Tom Naber, Eventmanager Kingstar Music, Dietmar Schlumbohm, Geschäftsführer Phononet, Alexander Maurus, Geschäftsführer Wanderlust Entertainment, Stefan Vogelmann, Managing Director Broken Silence, Rüdiger Herzog, Geschäftsführer Herzog Records, Marcus-Johannes Heinz, Geschäftsführer Aktiv Musik Marketing (AMM), Diak Haring, STP Hamburg Konzerte, Kai Manke, Inhaber networking Media, Frank Diekmann, Geschäftsführer Kopf und Steine, Frank Klinger, Geschäftsführer Hossa Hossa, Kai Müller, Geschäftsführer Elbe Entertainment, und Thorsten Seif, Geschäftsführer Buback Tonträger, zum Standort Hamburg sagen, lesen Abonnenten in MusikWoche, Heft 10/2019 und 11/2019, im E-Paper oder hier.