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Christian Arndt rückt mit vier Vierteln zwischen zwei Buchdeckeln auf die Eins

Christian Arndt dokumentiert in »Electronic Germany« die Entwicklung der elektronischen Tanzmusik aus Deutschland in den 80er- und 90er-Jahren. Im Gespräch erläutert der Autor, der mit seinem Buch bei Amazon zwischenzeitlich auf Verkaufsrang eins im Bereich Audio kam, warum es im digitalen Zeitalter noch ein Technobuch braucht.

19.02.2019 09:45 • von
Dokumentiert in "Electronic Germany" die Entwicklung der elektronischen Tanzmusik: Christian Arndt (Bild: Helmut Fricke)

Christian Arndt dokumentiert in »Electronic Germany« die Entwicklung der elektronischen Tanzmusik aus Deutschland in den 80er- und 90er-Jahren. Im Gespräch mit MusikWoche erläutert der Autor, der mit seinem Buch beim Onlinehändler Amazon zwischenzeitlich auf Verkaufsrang eins im Bereich Audioa kam, warum es im digitalen Zeitalter noch ein Technobuch braucht.

»Aus demselben Grund, aus dem einige der weltbesten DJs immer noch mit Vinyl auflegen«, sagt Christian Arndt. »Weil es bleibt, weil es Bestand hat in flüchtigen Zeiten.« Ein Buch wie dieses nehme man immer wieder zur Hand.

Dazu beitragen soll auch die Gestaltung des Werks: »Ich bin in dieser Hinsicht meinem Verlag Edel Books sehr dankbar, dass die hohen Ansprüche an die Qualität mit Hardcover-Einband und durchgängig farbig illustrierten Seiten ohne Kompromisse umgesetzt wurden«, erklärt Arndt: »Und natürlich wäre das Buch nur halb so spannend, hätte ich nicht czyk alias Alexander Branczyk für die Gestaltung gewinnen können.« Branczyk habe schließlich mit seinen Layouts und Fonts »den Look and Feel der Technokultur, von der Zeitschrift >Frontpage< bis zu den Großereignissen Mayday und Love Parade« maßgeblich geprägt, betont Arndt.

»Es gibt schon einige sehr spannende Bücher zum Thema, doch was meiner Meinung nach fehlte, war eine kurze Geschichte der Technokultur im deutschsprachigen Raum, die sowohl das große Ganze, aber auch spannende und verdiente Protagonisten in den Fokus nimmt und dabei nicht in den Neunziger- und Nullerjahren hängen bleibt.« Das will Arndt nun mit »Electronic Germany« leisten, und richtet sich an Zeitzeugen, die von Anfang an dabei waren, aber auch an die Nachgeborenen, »die gern wissen möchten, was ihre Eltern früher nachts gemacht haben, in Berlin, Frankfurt, Köln, München und anderswo«, schmunzelt Arndt.

Ursprünglich basiert das Buch auf einem Dokumentarfilm-Projekt, für das er bereits Interviews mit Dutzenden Machern der Szene führte, berichtet Arndt: »Allerdings wollte ich aus dem Material keine reine O-Ton-Collage und auch keine Selbstfindungsprosa machen, sondern eine engagierte journalistische Erzählung, die Erlebtes und Zeitgeschichte auf unterhaltsame Weise miteinander verquickt.«

Auch Labelmacher kommen zu Wort

Entsprechend schlägt das Werk einen Bogen von der Berliner Loveparade über die Street Parade in Zürich und einen Exkurs zu Technodrogen bis hin zu den Protagonisten der Szene. So kommen in »Electronic Germany« zum Beispiel auch Labelmacher zu Wort, soweit sie in Personalunion selbst Künstler oder DJs sind: Maximilian »Westbam« Lenz ist ebenso darunter wie Chris Liebing (CLR), Monika Kruse (Terminal M Records) oder Dirty Doering (Katermukke) sowie Sven Väth, »der mit seinen früheren Labels Eye Q und Harthouse genreprägend und mit Cocoon heute noch stilprägend für Techno Made in Germany und weit darüber hinaus ist«, wie Arndt aufzählt: »Diese und viele andere Labels - von Kanzleramt, Gigolo und Tresor Records über BPitch Control und Stil vor Talent bis hin zu Suol, Diynamic, Innervisions und Giegling - stehen für eine ebenso tiefe wie stilistisch breite Auswahl an innovativen elektronischen Klängen diesund jenseits der Tanzfläche.«

Hinzu kommen weitere Porträts von Protagonisten der Szene, die mit dazu beitrugen, Techno zu einem der erfolgreichsten Exportartikel der jüngeren deutschen Musikgeschichte zu machen. Mit dabei sind unter anderem Jam & Spoon, Fritz und Paul Kalkbrenner, Pantha Du Prince und Wolfgang Voigt (Kompakt); aber auch Talla 2XLC, Paul van Dyk, Marusha, Dr. Motte oder Jürgen Laarmann kommen persönlich zu Wort.

Edel Books brachte »Electronic Germany« am 7. Februar 2019 in den Handel.