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Österreichs Musikmarkt mit 5,5 Prozent im Plus, digital überholt physisch

Im österreichischen Musikmarkt lagen die Umsätze mit Onlinemusik 2018 erstmals über den Einnahmen der Branche aus dem Verkauf von physischen Tonträgern. Die IFPI Austria verzeichnete formatübergreifend ein Umsatzplus von 5,5 Prozent.

12.02.2019 15:43 • von Jonas Kiß
Zeitenwende: erstmals machen digitale Musikformate über die Hälfte am Gesamtmarkt aus (Bild: IFPI Austria)

Am österreichischen Musikmarkt verzeichnete der Verband der österreichischen Musikwirtschaft, IFPI Austria, für 2018 formatübergreifend ein Umsatzplus in Höhe von 5,5 Prozent. Insgesamt erwirtschafteten die Plattenfirmen im Geschäft mit Recorded Music Einnahmen von 153,3 Millionen Euro, während es 2017 noch 145,4 Millionen Euro waren.

Bereits zum Halbjahr zeichnete sich ab, dass das Geschäft mit digitaler Musik auf dem österreichischen Musikmarkt die physischen Tonträger überholt. Nun hat sich der Trend für das gesamte Jahr 2018 bestätigt.

Erstmals liegen die Umsätze mit Onlinemusik in Österreich demnach über den Einnahmen aus dem physischen Bereich. Mit einem Umsatzplus von 58,3 Prozent auf 51,6 Millionen Euro sorgte Streaming im Jahr 2018 bereits für 46 Prozent des Gesamtumsatzes und ist damit zum größten Umsatzbringer am österreichischen Musikmarkt aufgestiegen.

Der Löwenanteil davon entfiel laut IFPI Austria mit 47,2 Millionen Euro auf Abomodelle wie von Spotify, Apple Music, Amazon Music Unlimited oder Deezer. Weitere 1,5 Million Euro stammen aus werbefinanzierten Angeboten.

Zusammengerechnet mit Downloads macht das Digitalgeschäft nun 62,5 Millionen Euro des Gesamtumsatzes aus, dahinter folgt der Verkauf von CDs, Musik-DVDs und Vinyl-Schallplatten mit 54,9 Millionen Euro. 2017 dominierte der physische Bereich mit Umsätzen von 64,8 Millionen Euro noch die Jahresbilanz.

Mit Vinyl-Schallplatten wurde wie bereits im Vorjahr ein Umsatz von 7,8 Millionen Euro erzielt, womit der Vinyl-Boom laut IFPI seinen Höhepunkt erreicht habe.

Zudem wurden mit Lizenzeinnahmen über die Verwertungsgesellschaft LSG 29,4 Millionen Euro erwirtschaftet, was einen Anstieg um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Weitere sechs Millionen Euro flossen durch Umsätze mit Merchandisingprodukten sowie die Lizenzierung von Musik für Filme oder Werbung in den Jahresumsatz mit ein.

Videoabrufe bei Anbietern wie YouTube hätten hingegen "verhältnismäßig bescheidene 2,9 Millionen Euro" zum Umsatz beigesteuert.

Cornelius Ballin, General Manager Universal Music Austria, fordert deshalb "faire Spielregeln für alle am Streamingmarkt zu schaffen, indem auch Anbieter wie YouTube entsprechende Lizenzen bezahlen, wenn sie mit unserer Musik Milliarden-Umsätze machen."

2018 werde laut Dietmar Lienbacher, dem Präsidenten des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft, als "jenes Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der Onlinemusikmarkt den physischen Musikmarkt erstmals überflügelt hat."

Franz Medwenitsch, Geschäftsführer des Verbands der österreichischen Musikwirtschaft, freut sich über den Erfolg der Streamingabos, zeigt sich aber angesichts der letzten Informationen aus Brüssel über die Copyright-Richtlinie nicht optimistisch: "Warum schafft es die Europäische Union nicht, die Kunstschaffenden und die Kreativwirtschaft in Europa wirksam zu schützen und klare Regeln für die Verantwortung der Technologie-Konzerne aufzustellen? Das kreative Potenzial Europas ist riesig - es verdient Wertschätzung und darf nicht zum billigen Treibstoff für die Tech-Konzerne aus dem Silicon Valley abgewertet werden."