Unternehmen

Musikindustrie nennt erste Absatztrends für 2018

Der deutsche Musikmarkt schloss das Jahr 2018 uneinheitlich ab: Während Streaming dynamisch zulegte, brachen die CD-Verkäufe kräftig ein. Die im internationalen Vergleich immer noch relativ große Beliebtheit physischer Formate soll unterm Strich zu einer gewissen Marktstabilität geführt haben. Der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke verknüpft die nun vorgelegten Trendzahlen zudem mit einer politischen Botschaft.

18.01.2019 11:44 • von
Erkennt eine erfreuliche Dynamik im Streamingbereich, wo 86 Prozent der abgerufenen Songs auf Premiumangebote entfallen: Florian Drücke (Bild: Markus Nass, BVMI)

Der deutsche Markt für Recorded Music schloss das Jahr 2018 uneinheitlich ab: Während Streaming weiter dynamisch zulegte, brachen die CD-Verkäufe kräftig ein. Das zeigt ein erster Absatztrend, den der Bundesverband Musikindustrie am 18. Januar 2019 in Berlin vorlegte.

Demnach sorgten im vergangenen Jahr 79,5 Milliarden Audiostreams für ein Plus von gut 40 Prozent zum Vorjahr. Schon zum Halbjahr 2018 waren die Streamingdienste hierzulande erstmals zum größten Umsatzbringer der Plattenfirmen aufgestiegen - und zogen dabei rasant an der CD vorbei. Diese Entwicklung dürfte sich im Gesamtjahr verfestigt haben, schließlich zeigt die Absatzentwicklung bei der CD sowie bei anderen physischen Formaten weiterhin deutlich nach unten.

So weist der BVMI in seinem Trendbericht bei 48,2 Millionen verkauften CDs im Jahr 2018 ein Absatzminus von 23 Prozent im Vergleich zu 2017 aus. Damit sei die Compact Disc "im Jahr 36 nach ihrer Markteinführung noch immer das zweitwichtigste Marktsegment in Deutschland", lässt der BVMI wissen.

Doch selbst die Vinylverkäufe gerieten unter Druck: Rund drei Millionen abgesetzte Schallplatten sorgen in diesem Bereich für ein Minus von sieben Prozent - was der BVMI noch als "leichten Rückgang" wertet, bedeutet erstmals nach zehn Jahren wieder Einbußen für das zwischenzeitlich in der Nische boomende Format. Um rund ein Viertel ging es derweil beim Verkauf physischer Musikvideos auf DVD oder Blu-ray bergab: Hier meldet der Branchenverband noch 2,6 Millionen abgesetzte Einheiten - vor Jahresfrist waren es noch 3,5 Millionen.

Abwärts ging es auch beim Verkauf von Downloads: Die Zahl der digital verkauften Alben sank von noch 9,8 Millionen im Jahr 2017 auf nunmehr 7,5 Millionen im Jahr 2018, bei den abgesetzten Einzeltracks ging es von 52,6 Millionen runter auf nunmehr noch 41,5 Millionen.

Mit Details zum Gesamtmarkt hält sich der BVMI auch auf Nachfrage von MusikWoche zunächst bedeckt, voraussichtlich Anfang März 2019 sollen Informationen zur Umsatzentwicklung folgen.

Allerdings soll, so heißt es aus Berlin, die hierzulande im internationalen Vergleich immer noch relativ große Beliebtheit physischer Formate unterm Strich zu einer gewissen "Marktstabilität" geführt haben. "Trotz der bekannten Rückgänge sorgt die Branche mit einem breiten Angebot weiterhin auch für einen starken physischen Markt", analysiert der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke: "Von Japan abgesehen werden bekanntlich nirgends auf der Welt noch so viele CDs verkauft wie bei uns. Auch Downloads und Vinyl spielen im Jahr 2018 weiterhin eine Rolle im Formatportfolio von Branche und Fans." Darüber hinaus zeige die Betrachtung des Absatzes im vergangenen Jahr "ein weiterhin sehr deutliches Wachstum im Streamingbereich", sagt Drücke: "Besonders erfreulich daran ist die Dynamik bei den Premium-Accounts, die für 86 Prozent der Audiostreams stehen."

Tatsächlich bleibt die Dynamik im Streamingbereich mit einem Plus von gut 40 Prozent bei den hierzulande abgerufenen Titeln ungebrochen. Allerdings ging es bei den Verkäufen schneller bergab als noch vor Jahresfrist: Für 2017 wies die BVMI-Bilanz für CD-Alben ein Absatzminus von knapp 15 Prozent aus, LPs lagen noch mit rund fünf Prozent im Plus, Bildtonträger rangierten bei einem Minus von gut sieben Prozent und Downloads bei einem Minus von jeweils gut 20 Prozent. Dennoch dürfte es dem deutschen Musikmarkt durchaus helfen, wenn das inzwischen umsatzstärkste Format weiter wächst: So trugen Audiostreamingdienste zum Halbjahr 2018 zum Umsatzkuchen bereits 47,8 Prozent der Einnahmen bei, das CD-Album kam hingegen noch auf einen Umsatzanteil von 34,4 Prozent.

Angesichts des fortschreitenden Umbruchs im Markt hin zu Streamingmodellen verknüpft Drücke die nun vorgelegten Trendzahlen zudem mit einer politischen Botschaft:

"Die Jahr für Jahr neuen Streamingrekorde zeigen klar, wie massiv sich die Art und Weise des Musikkonsums verändert", sagt Drücke. Viele jüngere Fans sein "fast ausschließlich in der digitalen Sphäre" zu erreichen. "Diese Veränderung verdeutlicht, dass sich Einnahmen für Künstler und ihre Partner mittelfristig wesentlich aus der digitalen Nutzung werden generieren müssen. Digitale Lizenzerlöse sind insofern die Lebensader der Branche." Im Zuge dieser Entwicklung aber brauche es "die Unterstützung der Politik zur Schaffung zeitgemäßer Rahmenbedingungen", macht Drücke klar - und schlägt den Bogen zur Diskussion ums Urheberrecht auf europäischer Ebene:

"Diese Feststellung führt unmittelbar zum Thema Value Gap und der Novellierung des EU-Urheberrechts, die am kommenden Montag in die voraussichtlich entscheidende letzte Trilog-Verhandlung geht. Ich appelliere im Namen der Branche erneut an alle Beteiligten, die skizzierten Marktverhältnisse zur Kenntnis zu nehmen und die entsprechenden gesetzgeberischen Maßnahmen aus ihnen abzuleiten: Rechteinhaber stärken, Onlineplattformen in die Pflicht nehmen und dadurch gleiche Spielregeln im digitalen Umfeld schaffen. Das erforderliche Update wird Investitionen in kulturelle Vielfalt stimulieren."

2017 hatte sich der deutsche Musikmarkt eine Delle eingefahren: Die Umsätze im Geschäft mit Recorded Music lagen um 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Zum Halbjahr 2018 wuchs sich das zu einem Minus von rund zwei Prozent aus. Damit erhielt die Wachstumsgeschichte der vier Jahre zuvor einen Dämpfer: 2013 hatte das deutsche Musikgeschäft die Trendwende geschafft und erstmals seit 15 Jahren ein Umsatzplus von 1,2 Prozent ausgewiesen, 2014 lagen die Zuwächse bei 1,8 Prozent, 2015 ging es um 4,6 Prozent bergauf und 2016 immerhin um drei Prozent.