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Mit Fanvestory investieren Fans direkt in die Musik

Auf der Plattform Fanvestory beteiligen sich Hörer an der Finanzierung neuer Musikprojekte und erhalten im Gegenzug einen Anteil an den künftigen Lizenzeinnahmen der Songs.

21.01.2019 10:40 • von Jonas Kiß
Gründeten Fanvestory (von links): Juko-Mart Kõlar, Birgit Karus und Kristjan Ulst (Bild: Fanvestory)

Auf der Plattform Fanvestory beteiligen sich Hörer an der Finanzierung neuer Musikprojekte und erhalten im Gegenzug einen Anteil an den künftigen Lizenzeinnahmen der Songs.

Mit dieser Idee gewann das estländische Start-up kürzlich den Förderpreis Music Worx Accelerator in Hamburg, bei dem Experten wie finetunes-Gründer Oke Göttlich oder Manlio Celotti von The Orchard in der Jury saßen. Nachdem das Unternehmen in Estland und Großbritannien bereits 13 Projekte realisiert hat und dafür insgesamt 81.000 Euro einsammelte, will sich Fanvestory 2019 auf Deutschland konzentrieren. Dafür gibt es laut Birgit Karus, CEO bei Fanvestory, gute Gründe: »Deutschland hat eine große Musikindustrie und hier gibt es sehr starke Fangemeinschaften. «

81.000 Euro für 13 Projekte

Das Alleinstellungsmerkmal von Fanvestory im Vergleich zu anderen Crowdfunding-Plattformen sei die Mikrolizenzierung von Urheberrechten. Außerdem suche das Unternehmen nach Fans, die eine langfristige Beziehung zu ihrem Lieblingskünstler aufbauen wollen. »Wir halten Ausschau nach Musikern, die bereits über eine große Fanbase verfügen, sich aber noch in einem frühen Stadium befinden und jetzt weiter wachsen wollen«, erläutert Karus. Sie haben vielleicht 4000 bis 20.000 Fans bei Facebook, ein paar Lieder bei Spotify und spielen ordentliche Konzerte. Ihnen fehlt jedoch die langfristige Sicherheit, um Geld in Musikvideos, Promotionkampagnen oder Tourneen zu investieren.« An diesem Punkt setzt Fanvestory auf die Unterstützung der Fans.

Das Unternehmen zählt derzeit 1879 sogenannte Fanvestors, die Geld in die verschiedenen Projekte stecken. Als erste Aktion in Deutschland hat der Sänger Octavian über Fanvestory rund 3100 Euro für die Produktion einer EP eingenommen. Neben der Beteiligung an den Urheberrechten der Songs konnten die Investoren zwischen Merchandise, signierten CDs und einem Privatkonzert mit Octavian wählen. Für eine Investition von fünf Euro ist man zum Beispiel in Zukunft zu 0,2 Prozent an den Songrechten der EP beteiligt. »Viele Teilnehmer haben uns als Feedback gegeben, dass es sehr wichtig für sie sei, einen Teil des Werks ihres Lieblingskünstlers zu besitzen -sie wollen etwas Persönliches und Sinnvolles«, erklärt Birgit Karus.

Im Ganzen zählt das estländische Start-up derzeit acht Mitarbeiter, von denen sich fünf in Vollzeit dem Unternehmen widmen. CTO und Mitbegründer Kristjan Ulst kümmert sich um die technische Umsetzung und setzt dabei auf die Blockchain-Technologie. Mit dieser vernetzten Datenbank soll die Beteiligung der Fananteile transparenter werden. Mitbegründer Juko-Mart Kõlar sitzt als Experte für Copyright im Vorstand der estländischen Autorengesellschaft EAU. Mit Samu Haber, dem Kopf der finnischen Band Sunrise Avenue, hat Fanvestory zudem einen prominenten Investor und Berater im Team.

Experten aus IT, Recht und Marketing an Bord

Nikke Osterback, Chief Sales Officer bei Fanvestory, will Musiker stärker an ihre Fanbase binden. »Viele Künstler fragen sich, wie sie ihre ersten Veröffentlichungen finanzieren können und wie sie sich aus der Masse hervorheben können. Man kann zwar heute sehr viel Selbstvermarktung im Internet betreiben, aber bei uns geht es darum, wie die Künstler es auf das nächste Level heben können - und dafür braucht man ein Budget.«

Künstler auf das nächste Level heben

Fanvestory solle transparent zeigen, wo das investierte Geld hingeht und die Finanztransfers außerdem beschleunigen. »Es gibt einige neue Technologien, die effizientere Methoden im Musikbusiness ermöglichen und letztendlich der gesamten Wirtschaft helfen können, einen besseren Weg einzuschlagen. Deshalb glauben wir in dieser Hinsicht an Fortschritt und an eine positive Veränderung.« Im ersten Halbjahr 2019 will das Team von Fanvestory mehr Kontakte zu deutschen Newcomern sammeln. Für die zweite Hälfte des Jahres wünscht sich Birgit Karus dann ein Projekt eines prominenten Künstlers hierzulande.