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recordJet mit rasanten Zuwächsen weiter im Steigflug

10.01.2019 14:20 • von Jonas Kiß
Teile der Crew von recordJet (von links): Max Schneider, Jorin Zschiesche, Christoph Kranz, Theresa Stornowski, Houwaida Goulli und Naja Detreköy (Bild: recordJet)

Die Entwicklung im zunehmend digitaler werdenden Musikmarkt gab den Anstoß für den Aufbau des 2008 gegründeten Digitaldienstleisters recordJet: »Ich hatte das Album eines Freundes produziert und nun suchten wir nach Wegen, dies zu veröffentlichen«, berichtet Jorin Zschiesche. »Ich habe wirklich lange recherchiert, dutzende Verträge gelesen und die Angebote analysiert, jedoch gab es damals kein Angebot, das meinen Wünschen entsprach.« Dabei war für ihn bereits klar, dass er in Sachen Distribution alternative Wege beschreiten wollte: »Einen üblichen exklusiven und langjährigen Vertriebsdeal wollte ich einfach nicht unterschreiben.« Von der ersten Idee zum Konzept von recordJet bis zum fertigen Produkt dauerte es laut Zschiesche nur rund ein Jahr, der tatsächliche Start erfolgte jedoch etwas später, 2010 ging die Vertriebsplattform mit ihrem digitalen Dienstleitungsangebot ans Netz: »Ich hatte den Vertrag mit iTunes noch nicht finalisiert, wollte aber auf keinen Fall ohne den wichtigsten Store starten.« Die Zahl der Mitstreiter an Bord war zunächst überschaubar: »Begonnen habe ich tatsächlich allein«, erinnert sich Zschiesche.

Allerdings habe er nach kurzer Zeit die Agentur Kinder der Zeit als Webprogrammierer hinzugewinnen können. »Des Weiteren natürlich Freunde und Familie, die bis heute in einigen Themen Head of Everything sind.« Heute bilden fünf Frauen und fünf Männer sowie ein paar freie Mitarbeiter die Crew von record- Jet. »Wobei wir uns in Kürze erneut erweitern dürfen und werden«, stellt Zschiesche in Aussicht, der beim noch immer jungen Unternehmen längst auf etablierte Strukturen bauen kann: »Carolin Wohlschlögel hat mich seit jeher im Marketing unterstützt, wurde dann die erste Angestellte und wird ab 2019 First Officer, kommt also nun offiziell mit zu mir in die Geschäftsleitung.«

Ebenfalls von Beginn an mit an Bord sei zudem Florian Elbers im Bereich SEO und SEM. Binnen zehn Jahren wuchs der via recordJet verbreitete Katalog massiv: »Damals haben wir mit etwa 2000 Titeln angefangen, wofür ich bestimmt ein Jahr geworben habe, um die zusammen zu bekommen«, erinnert sich Zschiesche. Heutzutage wachse die Zahl der vom recordJet-Team betreuten Titel »auch gern mal an einem Tag« um diese Größenordnung. »Insgesamt müssten wir bei rund 400.000 Titeln liegen.«

Steigender Umsatz

Das schlägt sich auch in der geschäftlichen Entwicklung nieder. So übertreffe zum Beispiel die Umsatzentwicklung im zehnten Jahr »jegliche Erwartungen«, wie Zschiesche betont: »Allein innerhalb des letzten Jahres haben wir über 50 Prozent Umsatzwachstum und eine Verdopplung der Neuanmeldungen bei unseren Passagieren.«

Auch profitabel war das Unternehmen laut Zschiesche schon sehr bald: «Da das Konzept darauf ausgelegt ist, leicht skalierbar, unabhängig und kostensparend zu sein, ging das wirklich schnell. Somit war es in den ersten Monaten profitabel und ich selbst konnte schon im ersten Jahr davon leben.« Abseits des reinen Digitalvertriebs gehören längst auch Dienstleistungen in Bereichen wie der physischen Fertigung, Promotion oder Merchandising zum Angebotsspektrum des Unternehmens: »Uns war es schon immer wichtig, zahlreiche Dienstleistungen anzubieten, die über die klassische Aggregation hinausgehen«, sagt Zschiesche. »Zum einen, um Passagiere ohne Label besser unterstützen zu können, möglichst viel auf eigene Faust zu erledigen. Zum anderen natürlich, um den Labels die Arbeit zu erleichtern und Angebote zu bieten, die sonst nur sehr kompliziert und teuer erreichbar wären.« Der beliebteste Service sei »tatsächlich immer noch die physische Distribution«, sagt der recordJet-Gründer.

Milky Chance

Als den größten musikalischen Erfolg der bisherigen Firmengeschichte verweist Zschiesche auf die Zusammenarbeit mit Milky Chance, »auch weil das für uns das Sinnbild von Selfmade« widerspiegele: »Als ein gewisser Tobias Herder uns angerufen hat und alles über Musikvertrieb wissen wollte, meinte er nur, dass er das nächste große Ding am Start hat. Deshalb hätte er nun mit dieser Band namens Milky Chance ein Label gegründet. Am Ende explodierte "Stolen Dance" und wurde zum weltweiten Megahit mit dutzenden Gold- und Platin-Auszeichnungen.« Aus der Zusammenarbeit mit Herder entwickelte sich inzwischen zudem die Filter Music Group, die für recordJet heute eine ganz besondere Rolle spielt: »Musikalisch finde ich jede Woche zahlreiche interessante Künstler bei recordJet - ich höre schließlich noch immer in fast alles rein«, erläutert Zschiesche, der den Digitaldienstleister denn auch als »das perfekte A&R-Tool für Labels« bezeichnet.

»Oftmals konnte ich diese Künstler gut vermitteln, sofern sie ein Label suchten. Manchmal sind sie jedoch den hohen Vorschüssen gefolgt und auch gerne mal in Fallen getreten.« Hier kommt nun die Filter Music Group ins Spiel: »Diesen Künstlern eine ehrliche, faire und transparente Perspektive abseits der althergebrachten Wege im Spirit von recordJet zu bieten, war und ist das Ziel«, sagt Zschiesche. »Dort, wo recordJet aufhört, kann Filter zumindest für ein paar Künstler mit aktiver Förderung und einem breiten Angebot von Label und Verlag bis hin zu Booking und Management aufwarten.«

Für den auch im Vorstand des Verbands unabhängiger Musikunternehmen aktiven Manager ist klar: »Jedes gut geführte Independent- Label verhindert, dass Künstlerkarrieren und ganze Existenzen zerstört werden. Das habe ich leider viel zu oft erlebt.« Abgesehen von der Zehn-Jahres- Feier »mit Alice Merton und vielen anderen großartigen Künstlern«, die Zschiesche als ein »persönliches Highlight« bezeichnet, habe man sich fürs neue Jahr bereits viel vorgenommen: »Wir haben dutzende Ideen, recordJet noch besser zu machen und noch mehr Möglichkeiten zu bieten. Diese werden wir Schritt für Schritt umsetzen.«

Schwierige Vorhersage Wo aber landet recordJet in zehn Jahren? »Ehrlich gesagt habe ich überhaupt keine Ahnung«, räumt Zschiesche ein, und verweist auf die jüngere Entwicklung der Musikwirtschaft: »Vor zehn Jahren gab es eigentlich noch kein Streaming, Spotify ist drei Wochen vor recordJet gestartet und heute unser größter Umsatzgeber und 99 Prozent der Menschen hatten noch einen Handyknochen und kein erstes iPhone«, bilanziert er. »In den vergangenen zehn Jahren hat sich so viel verändert, dass ich die nächsten nicht voraussagen möchte. Wir werden definitiv bei allen technischen Entwicklungen dabei sein und stetig unser Angebot verbessern, um immer vorn mit dabei zu bleiben.«