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2018 zwischen Licht und Schatten

20.12.2018 16:50 • von Jonas Kiß
- (Bild: pixabay.de)

Frank Briegmann, President & CEO Universal Music Central Europe und Deutsche Grammophon: Für uns bei Universal Music waren die vergangenen zwölf Monate erneut ein Jahr der Veränderung. Erstmalig in der Geschichte übersteigen die digitalen Umsätze die physisch verkauften Alben und Streaming wird zur größten Einnahmequelle in Deutschland. In Antizipation dieser Entwicklung haben auch wir uns verändert, um unseren Künstlern und Partnern einen noch flexibleren und innovativeren Service zu bieten. Wir haben in unserem Bemühen nicht vor den eigenen Strukturen Halt gemacht und haben - als Vorreiter in der Branche - an vielen Stellen Verantwortlichkeiten neu definiert, unsere Labels klarer nach Genres ausgerichtet und unsere neue Unit Marketing Labs als digitalen Service- Backbone unseres Unternehmens etabliert. Dass die Neustrukturierung viel bewegt hat, sehen wir daran, dass wir bei praktisch allen Indikatoren positive Entwicklungen verzeichnen. Unser Anteil an den Albumund Single-Charts hat sich weiter erhöht und unsere Position an der Spitze nochmals gefestigt. Mehr als die Hälfte aller möglichen Nummer-eins-Positionen der Albumcharts gingen an Universal-Music-Künstler - auch im Klassikbereich. Unsere Künstler wurden hierzulande mehr als 19 Milliarden Mal gestreamt und haben gleichzeitig deutlich mehr als zehn Millionen physische Tonträger verkauft. Auch in den Radio-Charts liegen wir mehr als zehn Prozent vor unserem nächsten Mitbewerber. Dass wir mit »Helene Fischer« das Album des Jahres und mit Bonez MC & RAF Camora sowie Gzuz die Plätze zwei und drei der Jahrescharts belegen, ist ebenso erfreulich wie die Tatsache, dass wir mit unseren Domestic-Labels Vertigo, Polydor und Electrola die Plätze eins bis drei der Label-Auswertung der Album-Jahrescharts erreicht haben. Ich möchte unseren Künstlern ebenso wie meinen Kollegen dazu ganz herzlich gratulieren und mich bei allen bedanken.

Jens Michow, President bdv: Jeder sieht das natürlich aus seinem ganz persönlichen Blickwinkel. Für die Veranstaltungsbranche war die bedeutsamste Entwicklung zweifellos der Abschluss des Fusionsvertrages zwischen bdv und VDKD, der nun ab 1. Januar 2019 umgesetzt werden wird. Von herausragender Bedeutung für den Wirtschaftsbereich war allerdings auch die sich in den letzten Monaten abzeichnende Entwicklung bei der Durchsetzung der Vergütungsansprüche unserer Verwertungsgesellschaft GWVR. Inzwischen befindet sich die GWVR in konstruktiven Verhandlungen mit diversen Verwerter-Organisationen. Im ersten Quartal erwarten wir einen Vorschlag des Schiedsgerichts bezüglich der Angemessenheit unseres Tarifs für Tonträgervervielfältigungen von Live-Aufnahmen. Auch von Seiten der digitalen Kommunikationsplattformen wird uns Gesprächsbereitschaft über die Beteiligung der GWVR an den Erlösen der Nutzung von Live-Events signalisiert. Es bewegt sich also einiges und für Veranstalter ist das tatsächlich von enormer Bedeutung.

Andreas Klöpfel, COO & CFO Central Europe Warner Music: Für mich stachen 2018 insbesondere Stil und Wahl der Mittel der Beteiligten in der Meinungsbildung um Artikel 13 hervor. Eine kritische Debatte ist wichtig, doch der Ton macht die Musik und über den der anderen Seite kann man sich streiten.

Ole Feltes, Strategic Business Development, Eventbrite Deutschland: Mehr Musikfestivals als gewohnt standen in diesem Jahr unter Druck; viele hatten Probleme, ihre Tickets an den Mann zu bringen. Das lag ausnahmsweise mal nicht am Wetter, und sicher nicht am generellen Appetit auf Live-Events - der ist ungebrochen. Schuld waren unter anderem die Nachwehen des verregneten 2017er Sommers. Die vielen Absagen im vergangenen Jahr haben Fans nachhaltig verstört. Sie fragen sich jetzt öfter, ob das angekündigte Festival auch wirklich stattfindet, und kaufen Tickets deswegen später und seltener im Vorverkauf. Und die Tageskasse hat dieses Manko in diesem Jahr nicht aufgewogen. Noch ein guter Grund, den Ticketvorverkauf so attraktiv wie möglich zu gestalten.

André Mühlhausen, Senior Vice President Commercial Division GSA Sony Music: Im laufenden Kalenderjahr 2018 hat das Format Streaming die dominierende Rolle in unserem Markt übernommen. Hiermit wurden alle Prognosen übertroffen. Mit YouTube Music tritt ein weiterer bedeutsamer Partner in den Markt und trägt zur aus unserer Sicht begrüßenswerten Vielfalt der Handelslandschaft bei. Gleichzeitig befinden wir uns in einem nach wie vor auch starken physischen Markt, was unter anderem auch wieder einmal durch das Weihnachtsgeschäft deutlich wird.

Michael Hapka, Vice President/General Manager Anschutz Entertainment Group Operations: Der weitere Anstieg des Digtalmarkts und der damit verbundene Rückgang des klassischen Tonträgers war auch 2018 starker Treiber für die Künstler, live zu spielen. Besonders viele der großen, internationalen Stars gingen auf Arena Tour, für uns als Venue-Betreiber natürlich ein wichtiger Faktor. Aber nicht nur etablierte Acts, sondern auch für unseren Markt noch recht neuer Content mit großem Hype-Faktor wie die K-Popstars von BTS hinterließen deutliche Spuren.

Michael Krause, Managing Director EMEA Spotify: Es wurde in den vergangenen Jahren sehr viel über Streaming diskutiert, aber in diesem Jahr haben wir den Paradigmenwechsel auch im deutschen Musikmarkt vollzogen. Auch wenn es eigentlich keine Überraschung ist, haben wir 2018 erstmals erlebt, dass in Deutschland mit Streaming mehr Umsatz gemacht wurde als mit der guten alten CD. Damit geht eine Ära zu Ende. Wie Künstler im aktuellen Markt erfolgreich sein können, hat uns 2018 besonders Deutschrap gezeigt, der nicht nur bei Spotify nochmal zulegen konnte.

Wolfgang Weyand, 1. Vorsitzender IMUC: Dass es die Kreativen tatsächlich geschafft haben, signifikanten Einfluss auf die europäische Politik zu nehmen. Egal wie das Thema Urheberrecht am Ende ausgeht, es war ein großer Schritt, auch was die Selbstwahrnehmung der kreativ Tätigen angeht.

Harald Heker, Vorstandsvorsitzender GEMA: Auch 2018 hat uns die Diskussion um die seit langem schon angestrebte Reform des europäischen Urheberrechts im digitalen Markt nach wie vor intensiv beschäftigt. Dabei war es wichtig und eindrucksvoll, wie viele unserer Mitglieder sich engagiert haben, denn sie haben damit nachdrücklich deutlich gemacht: Die Urheber benötigen dringend eine rechtliche Grundlage, um eine angemessene Vergütung kreativer Leistungen zu sichern, die im Internet genutzt werden. Erfreulicherweise hat das Europäische Parlament im September im Sinne der Kreativen votiert, allerdings ist, dies haben die Reaktionen von Seiten der Plattformbetreiber gezeigt, das letzte Wort noch nicht gesprochen. Gegen zentrale Aspekte der geplanten Richtlinie, über die EU-Parlament, Rat und Kommission zu befinden haben, wird in der Öffentlichkeit massiv mobilisiert. Es gilt daher, gemeinsam weiter Aufklärungsarbeit zu leisten, damit auch Politik und Öffentlichkeit klar wird: Plattformen müssen in die Verantwortung genommen werden, und die Position von Kreativschaffenden ihnen gegenüber muss gestärkt werden.

Frank Steinert, Geschäftsführer Supersteini Musikmarketing: Nicht zuletzt durch die Entwicklung der physischen Verkäufe haben zuerst die Indies viel extremer auf die Kosten achten müssen. Auch beim Marketing. Plakatierungen mit unserem Preis-Leistungs- Verhältnis sind hier gefragter denn je. Und auch bei den Majors wird man sich früher oder später genauer dafür interessieren, welche Leistungen man eigentlich zu welchem Preis bekommen könnte.

Ralf Kokemüller, Geschäftsführer Mehr-BB Entertainment: Der Zusammenschluss der beiden Veranstalterverbände war lange erwartet und wird der Branche zusätzliches Gewicht verleihen. Für uns als Firmengruppe ist das Zusammenwachsen der BB Group mit der Mehr! Entertainment zur Mehr-BB Entertainment Gruppe ein absoluter Meilenstein.

Stefan Kleist, Sales Director Edel:Distribution Edel Germany: Aus dem physischen Blickwinkel ist die rasante Entwicklung im Musikkonsum sicher eine bedeutsame Entwicklung. Zum Glück sehen wir auf der physischen Käuferseite einen weiterhin großen Bedarf an Programm- Verkäufen, Box-Sets und Limited Editions. Für das Edel-Sortiment sehen wir großes Potenzial, unseren Katalog weiter aufzubereiten und für die Konsumenten auszuwerten.

Vanessa Achzenik, Leitung der Abteilungen Eventmanagement und VIP Sales SAP Arena: Die Datenschutzgrundverordnung stellte 2018 zahlreiche Anforderungen an den Umgang mit personenbezogenen Daten. Gerade in den Bereichen Datenverarbeitung und -löschung wurden Anpassungen bei Abwicklungsprozessen vorgenommen. So musste beispielsweise erarbeitet werden, wie mit Daten aus Ticketing-Kaufverträgen nach Ablauf der gesetzlichen Aufbewahrungsfrist zu verfahren ist. Ferner stand die Informationspolitik zur Aufklärung von Kunden und Lieferanten bezüglich der Verarbeitung ihrer personenbezogenen Daten im Vordergrund - inklusiver zahlreicher Betroffenenauskünfte.

Frank-Peter Leffler, Director Music & Audio Kontor New Media: Das Jahr 2018 war insgesamt sehr ereignisreich und hat der Musikindustrie viele Neuerungen und Herausforderungen beschert. Insofern ist es nicht leicht, sich hier auf einen Aspekt festzulegen. Für uns als Digitalvertrieb sind aber natürlich die Entwicklungen im Streamingbereich ein absolutes Kernthema und hier hat sich einiges getan.

Patrick Wiechert-Paulsen, Leiter Vertrieb & Marketing Velomax Berlin: Es ist wichtig, dass in der Branche ein Bewusstsein geschaffen wird, das neben dem Schutz der Urheber ebenso die kritische Auseinandersetzung mit den Inhalten fördert. Auf diese Art entsteht ein Rahmen fernab der bloßen Zensur, der für die betreffenden Künstler Konsequenzen aufzeigt, wenn Grenzen überschritten werden. Hier müssen aus meiner Sicht im ersten Schritt die Labels mehr Engagement zeigen, bevor natürlich auch wir als Location-Betreiber in der Pflicht sind abzuwägen, wem oder was wir eine Bühne bieten. Auf dem Reeperbahn Festival im September gab es hierzu zahlreiche Panels mit guten Ansätzen.

Michael Hoeweler, Head of Amazon Music Deutschland: Als Anbieter von physischen Formaten, Downloads und Streaming waren für uns sowohl die Entwicklung im physischen Bereich als auch das starke Wachstum im Streaming gleichermaßen bedeutsam. Darüber hinaus hat sich im vergangenen Jahr insbesondere die Musiknutzung per Sprachsteuerung stark weiterentwickelt.

Christof Strimitzer, Leitung Marketing und PR Messe Congress Graz MCG: Die Art wie Musik konsumiert wird, unterlag auch 2018 einem gewissen Wandel. Streaming ist weiter im Wachsen, die Bereitschaft der Konsumenten, für Musiknutzung oder Live-Entertainment Geld auszugeben, war auch im abgelaufenen Jahr spürbar.

Natascha Augustin, Senior Creative Director Warner/Chappel Music Germany: Die bedeutsamste Entwicklung im abgelaufenen Musikjahr war für mich auf jeden Fall der Siegeszug von Streaming und Deutschrap.

Peter Schwenkow, Vorstandsvorsitzender DEAG: Dazu zählen die Entscheidungen des Bundeskartellamtes gegen CTS Eventim mit dem Verbot von Exklusivvereinbarungen mit Veranstaltern und Vorverkaufsstellen, die höchstrichterliche Entscheidung des BGH, dass ein Ticketanbieter für Print At Home Tickets keine Gebühren mehr erheben darf, sowie das Einknicken von Viagogo vor der Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde CMA im Vereinigten Königreich.

Michael Brill, Geschäftsführer D: Der Durchbruch der Holografie-Touren war 2018 aus meiner Sicht die bedeutsamste Entwicklung. Dieser Meilenstein der Digitalisierung der Branche wird das Geschäft in den nächsten fünf bis zehn Jahren wesentlich verändern.

Heinz Stroh, Geschäftsführer Deutscher Musikverleger- Verband: Ein das Musikjahr in den ersten Monaten des Jahres 2018 beherrschende Thema war sicherlich das Aus des Echo und die damit zusammenhängenden politischen Fragen, die nicht nur branchenintern diskutiert wurden, sondern die Musikbranche in den Fokus der breiten Öffentlichkeit rückte. Ein weiteres Thema, das für große Aufmerksamkeit sorgte, war die Diskussion über die EU-Urheberrechtsrichtlinie. Der DMV war hocherfreut, dass das EU-Parlament für eine Reform des Urheberrechts und die Stärkung der Urheber stimmte, auch wenn dies erst nur einen Etappensieg für das Urheberrecht darstellt. Es stimmt nachdenklich, in welcher Weise die Gegner der Richtlinie ihre Lobbyarbeit wahrnehmen. War es im Zusammenhang mit der Abstimmung in Brüssel eine großangelegte Desinformationskampagne, sind wir in den derzeit laufenden Trilog-Verhandlungen damit konfrontiert, dass Kinder und Jugendliche ebenfalls mithilfe von Fehlinformationen beziehungsweise Halbwahrheiten für politische Zwecke instrumentalisiert werden. Dies ist eine bisher nicht bekannte Art der politischen Auseinandersetzung. S peziell für die deutschen Musikverlage brachte das Jahr 2018 (hoffentlich) das Ende der Aufarbeitung des sogenannten Kramm-Urteils zum Thema Verlegerbeteiligung, wenn auch noch einige Klärungen wegen vorgenommener Rückforderungen erfolgen müssen. 2018 wie auch das Jahr davor war für die Musikverlage geprägt von der zeit- und kostenaufwändigen Bearbeitung des sogenannten elektronischen Bestätigungsverfahrens (EBV) der GEMA; dieses Kapitel kann nun geschlossen werden. Leider wird das abgelaufene Musikjahr auch als das Schicksalsjahr in die Verlegergeschichte eingehen, in dem am 13. April der Verbandspräsident Rolf Budde verstarb. Auf der diesjährigen Jahrestagung konnte die entstandene Lücke mit Axel Sikorski als neuem Präsidenten geschlossen werden. Mit ihm und dem neuen Vizepräsidenten Patrick Strauch hat der DMV eine kompetente Führung und ist so für die kommenden Herausforderungen gewappnet.

Dieter Schubert und Michael Bisping, Geschäftsführer a: Wir haben mit großem Bedauern den Untergang des Echos, eines international bedeutsamen Preises, verfolgt. Das war sicherlich unnötig. Wir würden uns freuen, wenn wieder ein ähnlicher Preis für den Bereich der Recorded Music eingeführt würde. Die Livebranche hat ja mit dem LEA auch ihren erfolgreichen Preis.

Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender Bundesverband Musikindustrie: Aus BVMI-Perspektive lässt an dieser Stelle kaum verschweigen, dass das Jahr 2018 immer in besonderer Weise geprägt sein wird durch die Geschehnisse rund um die Echo-Verleihung, die bekanntlich am Ende zur Einstellung des Preises geführt haben. In politischer und rechtlicher Hinsicht wiederum gab es auf den letzten Metern durchaus gute Nachrichten: Auf der politischen Bühne hat sich das EU-Parlament bei der Reform des europäischen Urheberrechts hinter die Kultur- und Kreativwirtschaft gestellt und durch das Abstimmungsergebnis am 12. September ein selbstbewusstes Signal in die digitale Realität gesendet, das war eine gute Nachricht für Europas Kreative und ihre Partner. Derzeit wird das Gesetzgebungsverfahren im Trilog weitergeführt, das endgültige - hoffentlich positive - Ergebnis bleibt nun abzuwarten. Insofern kann man die aktuelle Auseinandersetzung um den «Value Gap« sicherlich auch als «prägend« bezeichnen. Und das OLG München hat Ende November noch ein Streamripping-Verfahren in einer aus BVMI-Sicht ebenfalls erfreulichen Weise entschieden und bei diesem Thema für weitere Klärung gesorgt, indem es festgestellt hat: MusicMonster ist unlizenziert und rechtswidrig. Ein entscheidender Schritt gegen Dienste, die als Freerider unter dem Deckmantel der Privatkopie Gewinne machen, ohne Lizenzen zu erwerben. Was den Markt betrifft, zeigt die trotz der zweistelligen Umsatzrückgänge im physischen Markt verhältnismäßig stabile Gesamtmarktlage, wie unglaublich dynamisch sich das Audiostreaming weiterhin entwickelt. Dazu trägt vor allem die aktuell zunehmende Bereitschaft vieler Nutzerinnen und Nutzer bei, auch kostenpflichtig zu streamen.

Norman Görlitz, Geschäftsführer Meistersinger Konzerte MSK: Es gibt tatsächlich eine ganze Reihe bedeutender Entwicklungen und Trends - das Ende des Echos spielt dabei aus unserer Sicht eine weniger entscheidende Rolle. Als wesentlich sehen wir vor allem den drastischen Rückgang des CD-Markts, der 2019 nochmals an Tempo gewinnen wird, sowie die sich weiter beschleunigenden strukturellen Änderungen im Livemarkt. Ein positiver Aspekt der letzten Jahre, der aus unserer Perspektive auch 2018 prägend war, betrifft die wachsenden Möglichkeiten in der direkten Kommunikation zwischen Artists, Agenturen und Fans, welche dazu führen, dass das Thema Live Marketing und Ticketing neu gedacht werden kann.

Desiree Vach, Vorstandsvorsitzende Verband unabhängiger Musikunternehmen: Nach Brexit-Ankündigung und Trump-Wahl war man gewissermaßen schon gewöhnt an negative politische Entwicklungen, die man beileibe so nicht unbedingt erwartet hätte. Deswegen hat uns die mit überwältigender Mehrheit im EU-Parlament im September gefällte Entscheidung pro Artikel 13 der Urheberrechtsnovelle sehr gefreut und uns gezeigt, dass die jahrelange politische Arbeit aller europäischen Kultur- und Kreativverbände hin zur Schließung des Value Gap nun hoffentlich endlich darin münden wird, die Onlinewelt für alle fairer und klarer zu gestalten. Auf wirtschaftlicher Ebene ist sicher der Rückgang des physischen Markts eine zentrale Entwicklung. Der deutsche Musikmarkt kommt langsam auf europäisches Niveau: Es gibt starke Einbrüche bei CD-Verkäufen, während die Streamingeinnahmen inzwischen mehr als 50 Prozent ausmachen. Gerade unter diesem Gesichtspunkt müssen wir uns über die Zukunft des Streaming, und zum Beispiel Diskussionen über User-Centric-Abrechnungsmodelle Gedanken machen. Toll ist, dass unsere VUT Indie Awards, die wir an herausragende Talente unabhängig vom kommerziellen Erfolg verleihen, kontinuierlich weiterwachsen. Jedes Jahr können wir immer mehr Gäste aus der Politik sowie internationale Delegierte begrüßen

Götz von Einem, Managing Director GSA Peermusic: Am »Aufregendsten« in jeglicher Hinsicht war in diesem Jahr sicherlich die Diskussion um das Urheberrecht auf europäischer Ebene und insbesondere Artikel 13. Es war beängstigend, mit welchen Mitteln versucht wurde, die öffentliche Meinung und die EU-Parlamentarier zu beeinflussen - und teilweise dauert diese Desinformationskampagne auch noch an. Sehr erfreulich war es dann zu beobachten, dass die demokratische Willensbildung offenbar weiterhin funktioniert - und wir hoffen natürlich, dass der zur Zeit noch andauernde Trilog zwischen Europäischem Parlament, Kommission und Rat schließlich zu einem Ergebnis führt, das unseren Musikautoren und Künstlern eine bessere Beteiligung an den Erlösen auf Plattformen wie YouTube ermöglicht. Dafür kämpfen wir!Als Musikverleger hat uns zudem auch dieses Jahr noch einmal besonders die Diskussion um die Verlegerbeteiligung und die Aufarbeitung der Folgen des Kramm-Urteils beschäftigt. Im Zusammenwirken zwischen Autoren, Verlegern und der GEMA konnte sie nunmehr nahezu abgeschlossen werden. Es ist beruhigend zu erfahren, dass - entgegen aller Unkenrufe - offenbar der allergrößte Teil der Musikautoren die Arbeit ihrer Musikverlage wertschätzt und die Zusammenarbeit fortsetzen will - das ist ermutigend und freut einen!

Stephan Jaekel, Director Communications Stage Entertainment: Aus unserer Sicht besonders bemerkenswert war, dass bei Zunahme von Views und Umsätzen in Streaming- und anderen Onlinemusikdiensten auch der Live-Musikmarkt weiter lebendig bleibt. Wenn sich dieser Trend weiter fortsetzt, kann der Gesamtmarkt weiter wachsen.

Patrick Strauch, Managing Director Sony/ATV: Auch wenn es nicht sehr sexy klingen mag, aber für uns Verleger war der erfolgreiche Abschluss des Elektronischen Bestätigungsverfahrens (EBV) im Zuge des unsäglichen Kramm-Urteils eine extrem bedeutsame Entwicklung. Nicht nur, weil das EBV enorme Kapazitäten innerhalb aller Verlage band, sondern insbesondere, weil das erfreuliche Ergebnis des EBVs den starken Verbund und die ausgeprägte Solidarität zwischen Autoren und Verlagen nochmals aufzeigte. Bei Sony/ATV kommt als bedeutsame Entwicklung natürlich noch die 100-prozentige Übernahme von EMI Publishing hinzu. Wir sind damit jetzt auch offiziell ein ziemlich großer Verlag.

Ina Keßler, Geschäftsführerin Initiative Musik: Aus unserer Perspektive, als die bundesweite Förder- und Dialogplattform für die Musikwirtschaft, steht das Jahr 2018 für eine neue Qualität im Hinblick auf die politische Kommunikation der Musikbranche mit der Bundpolitik. Den gemeinsamen Dialog unterstreichen Projekte, wie die vom Tagesspiegel Verlag und der Initiative Musik veranstaltete Konferenz Agenda Musikwirtschaft. Am Musikwirtschaftsgipfel, der vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv) initiiert wurde, wirkten insgesamt 15 Verbände und Institutionen der Musikwirtschaft mit, die erstmals gemeinschaftlich ihre Herausforderungen sowie konkrete Lösungsvorschläge gegenüber der Bundesregierung, Opposition und Öffentlichkeit präsentierten. Der gestärkte Dialog mit Bundestag und -regierung steht in Verbindung mit einer deutlichen Steigerung der Fördergelder. So wurden die Bundesmittel zum Beispiel für die Initiative Musik und den Musikfonds für 2018 und 2019 deutlich erhöht.

Klaus-Peter Schulenberg, Vorstandsvorsitzender CTS Eventim: Allgemein: Trotz wachsender Streamingangebote hat sich 2018 ein wesentlicher Trend bestätigt: Live Entertainment bleibt für Künstler auf Sicht die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle. In unserer Branche: Wir arbeiten zusammen mit den Konzertveranstaltern weiter daran, den Ticketing-Zweitmarkt so fair wie möglich zu gestalten. Unsere Kooperation mit MCT beim Rammstein-Vorverkauf und die regulatorische Entwicklung in Großbritannien waren wichtige Meilensteine. Ich kann alle Marktteilnehmer und gerade auch den deutschen Gesetzgeber nur ermutigen, diese Entwicklung künftig aktiv mitzugestalten.