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Immer das Ziel im Auge behalten

21.12.2018 10:44 • von Jonas Kiß
- (Bild: Matthew Lejune)

Robert Larasser, Managing Director RL Promotion & Consulting: Zu den Vorteilen gehört, dass neue Songs schneller im Markt platziert werden und Auswerter wie das Radio zeitnah reagieren können. Zudem ersetzt Streaming inzwischen die Jahreszeiten komplett. Aber auch Digitalisierung kann kein persönliches Gespräch beim Entscheider im Radio ersetzen. Die Kombination aus beidem ist mein Erfolgsgarant im Rahmen einer erfolgreichen Radiokampagne. Nachteil: Jeder kann heute ohne großen Aufwand in der digitalen Welt aus dem Wohnzimmer heraus als Popstar agieren. Dadurch gibt es natürlich im Musikmarkt mehr Masse als Klasse und es ist wichtig, noch stärker zu selektieren. PhonoNet gehört bei Radio- und Medienpromotion mit MPN in GSA aktuell zu den wichtigsten Medienplattform. Hier muss meiner Meinung nach noch eine transparentere Trennung zwischen Profi- und Amateurrepertoire erfolgen.

Stefan Kahé, Geschäftsführer Kahé PR & Dialog: Ein großer Vorteil ist sicher die Geschwindigkeit, mit der man News über Künstler in die Welt bringen kann. Auch die Veröffentlichung der Neuigkeiten in den Medien geht natürlich schneller, gerade auch bei Onlinemedien, von Tageszeitungen mal abgesehen. Auch die Bemusterung läuft über digitale Kanäle wesentlich schneller und inhaltlich umfangreicher, das Päckchenpacken von CDs kann so auf erträgliche Maße reduziert werden. Die Geschwindigkeit kann sich aber auch gegen einen richten, wenn sich unangenehme Meldungen in Windeseile verbreiten, die dann schwer einzufangen sind und auch als Unwahrheit lange Zeit im Netz hängen bleiben. Ansonsten empfinde ich die Arbeit im digitalen Zeitalter nicht so grundsätzlich anders. Als jemand, der in der Neunzigern noch mit dem Fax Pressetage organisieren musste, finde ich die Hysterie des total Neuen manchmal etwas befremdlich. Auch im Zeitalter der Digitalisierung sollte man gute Ideen haben und brauchbare Texte schreiben können. Auch das Verständnis dafür, wie die verschiedenen Mediensparten inhaltlich ticken, ist und bleibt des Pudels Kern.

Jörg Timp, Geschäftsführer Starkult: Ein ganz nahe liegender Vorteil ist der zeitliche Aspekt, die schnellere Verfügbarkeit und je nach Aufmachung auch die permanente Verfügbarkeit sowohl für den gebenden PR-Menschen, als auch den empfangenden Redakteur. Gleichzeitig wird natürlich die Beliebigkeit gefördert, die Selektion wirklich relevanter Redakteure tritt mangels Kostenaufwand in den Hintergrund, was zu einer permanenten Verstopfung und Überfrachtung der Kanäle führt. Wobei der sinkende Kostenaufwand für die Labels eine gute Sache ist. Digital sollte jeder Redakteur schnell entscheiden können, ob das Produkt für ihn in Frage kommt, ohne direkt den Aufwand einer zeit- und kostenintensiven Bemusterung in Anspruch zu nehmen. Aktuell denke ich, dass eine gute Mischung aus physischer und digitaler Bemusterung die besten Ergebnisse bringt. Alisa Sieland, Radiopromotion Süd/Uni Medialuchs: Der Vorteil ist eindeutig die Geschwindigkeit. Schneller als die Post erlaubt sind umfassend alle Informationen zum neuen Produkt in den entsprechenden Händen, sogar das Produkt selber. Die Reaktionszeit verkürzt sich, und damit auch die Vorläufe. Zudem werden Kosten für den Versand eingespart, und es entfällt die Entsorgung von nur kurzfristig oder nicht verwertbaren physischen Produkten auf der Empfängerseite. Im Bereich Radio hat sich durch die Digitalisierung eine größere Vielfalt gebildet. Die reine Verbreitung über Kabel, FM/MW ist durch die zusätzliche Möglichkeit des Streamings von Radios weltweit sowie der Einführung des Digitalradios enorm erweitert worden. »Schwarzwald Radio« hören im Ruhrgebiet, kein Problem mehr.

Durchgehend »Radio Bob« hören, während der Autofahrt von Flensburg nach München, früher nicht denkbar. Es ergibt sich zudem ein breiteres Angebot durch gleichzeitige Bespielung von Spotify-Playlisten und das führt zu einem größeren Angebot und Konvergenz der Medien. Hier ist das Motto »Digitalisierung als Freund und nicht als Feind« (Radios wird ja immer noch nachgesagt, eher einen klassischen Weg zu gehen und sich nicht mit den Möglichkeiten der Digitalisierung anzufreunden/ auseinander zu setzten). Nachteile der Digitalisierung: Gibt es Nachteile der Digitalisierung im PR-Bereich überhaupt, und sind sie wenn ja, dann nur hausgemacht? Zum Beispiel mangelnde Speicherkapazität, unzureichende Hard- oder Software, Sicherheitslücken, oder auch schnell gestrickte wenig wertige Kampagnen. Technische Vorrausetzungen und Kenntnisse müssen ständig erneuert werden - jeder muss sich immer weiter und neu spezialisieren. Angebote der Selbstvermarktung drängen PR-Firmen, ihre Kampagnen zu optimieren. Dieser Punkt ist sicher auch als Vorteil zu werten. Die Schnelllebigkeit der digitalisierten Musik macht es Newcomern schwerer, wahrgenommen zu werden.

Sandra Eichner, Geschäftsführerin Rosenheim Rocks: Ich sehe die fortschreitende Digitalisierung im PR-Geschäft in erster Linie als sehr herausfordernd. Da ich Herausforderungen mag, empfinde ich das als positiv. Ich arbeite schon seit längerem mit einem Mitarbeiter in meiner Agentur, der sich rein um den Bereich neue Medien und PR-Strategien bei zunehmender Digitalisierung kümmert. Ich denke schon, dass wir PR-Leute unsere Daseinsberechtigung gerade so ein bisschen neu definieren müssen, da es längst nicht mehr nur auf gute Kontakte zu denselben fünf Schlüssel-Magazinen und das Einhalten von deren Deadlines ankommt. Wir müssen neue Ansätze finden, flexibler und kreativer denken und vor allem unsere PR-Inhalte dahingehend verändern, dass sie auch in eine Instagram-Story passen und Leute erreichen und ansprechen, die gedrucktes Papier zuletzt in Form eines Schulbuchs in der Hand gehalten haben und daher eine ganz andere Art entwickelt haben, Inhalte aufzufassen. Und genau darin liegt für mich der spannende Punkt - wir müssen beim Transportieren unserer PR-Inhalte komplett umdenken. Das geht schon alleine bei einzelnen PR-Argumenten oder Schlagworten los - da punkten mittlerweile ganz andere als früher noch.

Christoph Diekmann, AreaEntertainment: Für uns spielt dies kaum eine Rolle. Unser Schwerpunkt ist die Tour-PR und solange dabei Künstler auf Bühnen stehen, sind wir sehr physisch unterwegs. Natürlich hat die Digitalisierung und die damit einhergehende, effiziente Form von Informationsstreuung auch für uns phantastische neue Möglichkeiten eröffnet. Wir können Geschichten breiter streuen, gezielter bewerben und erhalten dadurch mehr Freiräume, tiefer in die lokale und regionale Medienlandschaft zu arbeiten.

Mark Dehler, Geschäftsführer netinfect: Innerhalb der Onlinepromotion ist es für jeden Künstler ein großer Vorteil mit Links zu Videound auch Audio-Streams jeglicher Couleur arbeiten zu können. Das schafft einen erheblichen Mehrwert für jeden redaktionellen Artikel. Mit einer digitalen Produktbemusterung kann man noch kurzfristiger auf Anfragen reagieren und man ist so flexibler. Sie bedient zusätzlich alle gängigen digitalen Endgeräte und schafft für den Journalisten die Möglichkeit in nahezu jeder Situation die betreffende Musik abzurufen. Dazu senkt eine ausschließlich digitale Bemusterung die Kosten innerhalb des kompletten PR-Pakets. In der täglichen Arbeit greift eine ausschließlich digitale Bemusterung allerdings nicht allumfassend. Gerade die vielen mittleren bis kleineren Onlinemagazine und Blogs arbeiten zum größten Teil so gut wie unentgeltlich und werden nicht gerade mit Marketinggeldern für etwaige Teaser oder Banner überschüttet, obwohl es in jeder Hinsicht nötig wäre, gerade diese Influencer weiter zu stärken. Für die meisten ist der physische Tonträger, im besten Fall das finale Produkt, die einzige Vergütung, die den kompletten Aufwand noch irgendwie rechtfertigt.

Einige Onlinemagazine verweigern sogar komplett, wenn nicht der physische Tonträger als finales Produkt zumindest nach VÖ geliefert wird. Die meisten Onliner arbeiten immer noch am liebsten vorab mit einer Promo-CD. Es ist für viele die einfachste Art und Weise am passenden Ort und vor allen Dingen in guter Qualität das betreffende Produkt zu hören und zu beurteilen. Das komplette Paket aus physischer und digitaler Bemusterung bietet die besten Voraussetzungen, um eine erfolgreiche Onlinepromotion gewährleisten zu können, die eine breite Basis für den Künstler/ die Band schaffen kann. Zumindest sollte es, wenn kein physisches Produkt vorab zur Verfügung steht, ein Download sein und nicht nur ein Stream. Gerade auch für gute Ergebnisse bei den Streaminganbietern, die teils in der ersten Runde über einen Algorithmus funktionieren, wird eine weitreichende Onlinepromotion und flächendeckende Präsenz im Netz und somit bei Google und anderen immer wichtiger. Daher würde ich hier raten, jegliche Möglichkeiten innerhalb einer Online-PR dahingehend passend auszuschöpfen.

Marco Linke, Inhaber cmm consulting for music and media: Die Digitalisierung der PR hat unsere Arbeit erleichtert. Der digitale Versand von Promotionalben, Infopaketen, hochauflösenden Bildern und HD-Videoclip- Downloads spart jede Menge Zeit, Kosten für Porto/Verpackung, macht es sicherer und lässt sich auch für die meisten Empfänger leichter und schneller verarbeiten. Die Labels sparen sich das Geld für Promo-CD-Pressungen oder die Mengen an Fertigware, mit welcher wir noch vor zehn Jahren gearbeitet haben. Außerdem erreichen wir eine breitere Fläche an Journalisten und Radiosendern/-machern. Der wichtigste Punkt ist jedoch vor allem der Zeitfaktor. Ein Nachteil ist, dass die Zahl an Labels, Veranstaltern und Veröffentlichungen stark gestiegen ist. Früher musste man eine gut sortierte Datenbank mit über Jahren gewachsenen Kontakten haben und pflegen. Heutzutage kann fast jeder alles recherchieren und dann die digitalen Promos breit streuen. Die Magazine, Zeitungen, Journalisten oder Radioredakteure müssen mit dieser gestiegenen Menge an Bemusterungen zurechtkommen. Das heißt natürlich nicht, dass auch jeder seine Sachen platziert bekommt. Dazu sind nach wie vor gute persönliche, sowie kontinuierliche Kontakte das A und O. Eine Flut von E-Mails geht bei den Medien jede Woche ein. Alleine von uns kommen in der Regel bis zu zehn Bemusterungen im Monat. Dazu noch ein Schwung News mit Tourdaten, Singles und Videos. Da ist digitaler Stress vorprogrammiert. Wenn ein Label mit vier bis fünf monatlichen Veröffentlichungen zu jedem Thema drei Videoclips und drei Singles raushaut, muss man schon schauen, wie man das filtert. Die Vorteile überwiegen jedoch ganz klar.

Julia Bergold, MCS: Natürlich finde ich es traurig, dass die Magazine meiner Jugend aussterben. Aber in einem professionellen Kontext bringt die Digitalisierung auch sehr viel Positives mit sich. Durch die sich schnell ändernde Medienwelt, neue Kommunikationskanäle und das sich ändernde Konsumverhalten öffnen sich viele neue Möglichkeiten, die die PR- und Promotionarbeit noch verzweigter und vor allem interessanter machen. Die Messbarkeit von Erfolgen wird zum Beispiel einfacher. Und ich denke, dass die digitale Kommunikation wichtiger ist denn je und ohne diese wäre PR völlig undenkbar.

Arndt Kielstropp, Managing Director Themroc PR & Promotion: Aus meiner Sicht durchleben wir gerade einen Wandel der grundlegenden Rahmenbedingungen für die PR- und Promotionarbeit. Zum einen werden Inhalte zunehmend über das Smartphone konsumiert, das heißt, die Rolle klassischer Medien wie gedruckten Tageszeitungen und Magazine oder dem Radio tritt zunehmend in den Hintergrund. Verlage und Sender müssen ihr Angebot in Form von ePaper, Streaming oder Apps anbieten. Unsere Arbeit ändert sich dadurch nicht, da sich nur die Form der Verbreitung ändert, die journalistische Arbeit aber im Prinzip ähnlich bleibt. Anders sieht es in den sozialen Medien aus, wo ich meine Zielgruppe direkt ansprechen muss. Promotion-Inhalte werden auf Instagram, Facebook und Twitter über Stories, Videos und Fotos transportiert, das bedeutet für uns mehr inhaltliche Arbeit. Unsere Aufgaben sind redaktioneller und dadurch aufwändiger geworden. Der Einfluss von Influencern wird zunehmend wichtiger, das heißt, auch diese muss ich für bestimmte Themen wir Urban oder HipHop erreichen, da über sie Kaufentscheide bei den Followern stattfinden. Bezüglich der journalistischen Arbeit sehe ich die Entwicklung kritisch, da im Social-Media-/ Influencer-Marketing Gelder fließen, über die sich die Anzeigenabteilungen zum Beispiel von »Intro«, »Groove« oder »Spex« gefreut hätten.«

Marie von Baumbach, Geschäftsführerin van Almsick & Team: Eine weltweite strategische PR- und Marketingarbeit, wie wir sie in mehr als 40 Ländern für André Rieu, David Garrett, Enrique Iglesias und viele andere Künstler umsetzen, wäre ohne die Digitalisierung nicht möglich. Eine Plakatkampagne in Mexico City, TV-Spots in Sydney, Radiowerbung in London, Interviews in Tel Aviv - das gehört für uns längst zum daily business. Desweiteren können durch gezielte Onlinewerbung digitale Kampagnen kostensparend und kurzfristig überall auf der Welt umgesetzt werden. Die Digitalisierung bietet Künstlern zudem den großen Vorteil, mit dem Publikum durch Plattformen wie Instagram, Facebook, Youtube oder Twitter mit dem Zuschauer in Kontakt zu treten und Eindrücke von ihren Shows zu teilen, so dass bereits im Vorfeld einer Tournee oder eines Album-Releases eine emotionale Beziehung zum Fan aufgebaut werden kann.