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70 Jahre Westernhagen: Aus dem Hut gezogene Kehrtwenden

Seine »Unplugged«-Tour wurde jüngst zum Triumphzug, das dazugehörige Album holte Platin. Dabei ging es Marius Müller-Westernhagen nie um kommerzielle Erfolge allein. MusikWoche würdigt den Künstler zum 70. Geburtstag.

06.12.2018 10:30 • von Jonas Kiß
Feiert am 6. Dezember seinen 70.: Marius Müller-Westernhagen (Bild: Joerg Steinmetz, Virgin Records)

Seine »Unplugged«-Tour wurde jüngst zum Triumphzug, das dazugehörige Album holte Platin. Dabei ging es Westernhagen nie um kommerzielle Erfolge allein.

Denn immer wieder hatte es in der langen Karriere von Marius Müller-Westernhagen, der am 6. Dezember 70 Jahre alt wird, Brüche und überraschende Volten gegeben. So hatte der Sänger, der in den 70er-Jahren zunächst als Schauspieler von sich reden machte, auf dem Höhepunkt seiner Livekarriere Ende der Neunziger erklärt, künftig keine Stadionkonzerte mehr zu spielen.

Auch nahm er im neuen Jahrtausend, nachdem er zuvor gut 25 Jahre bei Warner Music unter Vertrag stand, mit dem eigenem Label Kunstflug die Karriere selber in die Hand, um dann für sein »Unplugged«-Projekt mit Virgin und Universal Music doch wieder bei einem Majorpartner anzudocken. Ebenfalls wie aus dem Nichts kam in den 80er-Jahren seine musikalische Kehrtwende, als er nach dem erdigen Rock der Erfolgsalben von »Pfefferminz« bis »Geiler is' schon« 1984 mit dem elektronisch aufgeladenen Longplayer »Die Sonne so rot« bei vielen Fans Verwunderung auslöste.

Dabei hatte Westernhagen zu dem Zeitpunkt bereits einmal seine musikalische Orientierung radikal geändert. Seine ersten drei Alben lang hatten der Künstler und seine damaligen Produktionspartner von Lucifer's Friend mit einem opulenten Sound geglänzt, bevor Westernhagen mit Lothar Meid an seiner Seite auf den puren »Pfefferminz«-Geschmack kam. Bei »Unplugged« schloss sich dann der Kreis, als er mit »Taximann« seine erste Single von 1975 wieder ins Programm nahm, nachdem er zuvor seine frühen Songs (darunter so großartige Stücke wie die Emanzipationshymne »Paula«) nicht mehr gespielt hatte. Wie es aussieht, sind von diesem Mann noch viele Überraschungen zu erwarten - auch mit 70.