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Scumeck Sabottka: »Das Problem sind Unternehmen, die sich nicht an die Gesetze halten«

10.12.2018 11:09 • von Jonas Kiß
Bekämpft den unautorisierten Zweitmarkt: Scumeck Sabottka (Bild: Florian Richter)

Unternehmen wie Viagogo oder Ticketbande sind von den Reglementierungen offensichtlich nicht zu beeindrucken, denn sie bieten nach wie vor auf ihren Plattformen Tickets für die Rammstein-Konzerte an. Ist es überhaupt möglich, den Verkäufern von Rammstein-Karten zum Beispiel auf Viagogo rechtlich beizukommen?

Sabottka: Gemeinsam mit Rammstein gehen wir bereits seit Jahren erfolgreich gegen Rechtsverstöße in dem Bereich des Ticketzweitmarkts vor. Soweit erforderlich bringen wir die Auseinandersetzungen mit den Plattformen auch regelmäßig vor Gericht. Dieses konsequente Vorgehen hat dazu geführt, dass eine Vielzahl von Plattformen des Ticketzweitmarktes inzwischen die Auseinandersetzung scheut und keine Rammstein-Tickets anbietet. Im Einzelfall kann es sein, dass einige Karten angeboten werden. Wir melden dies den Anbietern und die Offerten werden dann auch kurzfristig entfernt. An vielen Stellen läuft dies sehr erfolgreich. Denn zumindest diese Plattformen haben kein Interesse daran, dass über sie ungültige Tickets gehandelt werden, mit denen man nicht in das Konzert kommt. Unser Vorgehen richtet sich natürlich gegen sämtliche Anbieter des Ticketzweitmarktes, also auch gegen Viagogo. Da sich Viagogo an deutsche Käufer richtet, gilt insoweit auch deutsches Recht. Vor diesem Hintergrund konnten wir zusammen mit Rammstein auch aktuell eine einstweilige Verfügung gegen Viagogo erwirken. Ob man sich dort an dieses gerichtliche Verbot hält, oder nicht, wird sich zeigen. Sollten sie gegen das Verbot verstoßen, können und werden wir vor Gericht weitere Schritte einleiten. Ott: Gemeinsam mit der Band freuen wir uns, dass das Landgericht Hamburg unserer Auffassung gefolgt ist und das Verbot erlassen hat. Dies bestätigt erneut den Weg, den die Band schon seit Langem verfolgt, um ihren Fans bezahlbare Tickets anbieten zu können.

Bei Ihren Take-That-Shows erhielten Kunden, die Karten auf einschlägigen Wiederverkaufsplattformen erworben hatten, ein Informationsblatt mit Hinweisen, wie sie gegen diese Plattformen rechtlich vorgehen konnten. Ermöglichen die nun definierten Vertragsstrafen auch MCT die Möglichkeit, diese Verkäufer rechtlich zu belangen?

Sabottka: Aus unserer Sicht liegt das Problem im Wesentlichen darin, dass die Wiederverkaufsplattformen häufig kaum von den offiziellen Verkaufskanälen unterschieden werden können. Kauft man dort ein Ticket, kommt man mit dem eigentlichen Verkäufer gar nicht in Kontakt. Denn die Wiederverkaufsplattform übernimmt die gesamte Korrespondenz und auch die Zahlungsabwicklung. Die Käufer haben daher eher mit den Wiederverkaufsplattformen zu kämpfen als mit den Verkäufern. Wo es geht, versuchen wir natürlich, die Käufer zu unterstützen. Bei Rammstein steht hierfür ein ganzes Team bereit.

Es ist naheliegend, dass Viagogo Techologien wie Ticket-Bots einsetzt. Obwohl das Stichwort »Ticket-Bots« nicht ausdrücklich in Ihren AGBs Erwähnung findet, stellt sich die Frage, ob die AGBs im Zweifelsfall ermöglichen, dass gegenüber dem Betreiber solcher Technologien eine der angeführten Vertragsstrafen geltend gemacht werden kann?

Sabottka: Zu Mutmaßungen über die Geschäftsmodelle von Wiederverkaufsplattformen wie Viagogo lassen wir uns nicht hinreißen. Ganz grundsätzlich kann ich sagen, dass wir auch gegen Ticket-Bots gerüstet sind.

Google führt in seinen Richtlinien für Anzeigen den Hinweis »Zertifizierung für Verkäufer von Veranstaltungstickets « an. Noch aber findet sich bei Eingabe der Suchbegriffe »Rammstein Tickets« auf Google eine Anzeige von Viagogo. Hat MCT Google informiert, dass es sich bei Viagogo um einen unautorisierten Wiederverkäufer handelt?

Sabottka: Dass Google entsprechende Richtlinien aufstellt und eine »Zertifizierung« verlangt, zeigt zumindest, dass man auch dort das Problem erkannt hat. Konkret geht es darum, dass die Wiederverkaufsplattformen für Verbraucher kaum von den offiziellen Verkaufskanälen zu unterscheiden sind. Hier versucht Google, die Anbieter mithilfe eines Hinweises darauf, dass es sich um eine Wiederverkaufsplattform handelt und die Preise höher als die offiziellen Preise sein können, zur Transparenz zu verpflichten. Allerdings geht dieser Hinweis in der Praxis schnell unter. Ob Käufer den Hinweis überhaupt zur Kenntnis nehmen, sei dahingestellt. Ebenso dahingestellt ist, ob sich tatsächlich sämtliche Wiederverkaufsplattformen an die Richtlinien halten. Für die Rammstein- Tickets stehen wir mit Google bereits in Kontakt. Bisher hat Google keine Veranlassung gesehen, die Anzeige von Viagogo zu entfernen. Allerdings wurde Viagogo mit der bereits erwähnten einstweiligen Verfügung des Landgerichts Hamburg auch verboten, über Google mit entsprechenden Anzeigen zu werben. Wir haben Google auch hierüber informiert und gehen davon aus, dass die Anzeige von Viagogo in Kürze offline gestellt wird. Ott: Gegenstand des Verbots des Landgerichts Hamburg ist auch die Anzeige, die Viagogo über die Plattform Google geschaltet hat. Wir sind ganz bewusst auch hiergegen vorgegangen, weil uns bekannt ist, dass viele Interessierte die Worte »Rammstein « und »Ticket« in die Suchfunktion bei Google eingeben. Wenn man so will, beginnt hier das Problem. Die Kaufinteressenten klicken auf die Anzeige, merken nicht, dass sie bei einem unautorisierten Wiederverkäufer landen und zahlen am Ende viel Geld für wertlose Tickets. Die Entscheidung des Gerichts ist also ein Warnsignal an alle, die meinen, sie könnten massenhaft überteuerte und ungültige Rammstein-Tickets handeln und dies auch noch über die einschlägigen Suchmaschinen bewerben.

In Frankreich und Italien gibt es strikte Gesetze, die den unautorisierten Wiederverkauf von Eintrittskarten unter Strafe stellen. In Deutschland können sich Veranstalter, aber auch Verbraucher, rechtlich nur bedingt gegen diese Machenschaften wehren. Können sich nicht die Live-Unternehmen auf ein gemeinsames Vorgehen verständigen, um auch eine verbesserte gesetzliche Lösung dagegen herbeizuführen?

Sabottka: Es gibt in Deutschland bereits Gesetze, die eingreifen und es gibt auch Gerichte, die diese anwenden und durchgreifen. Dies zeigt die besagte einstweilige Verfügung. Sie steht in einer Reihe mit weiteren Gerichtsentscheidungen, die Rammstein und wir bereits in der Vergangenheit erzielen konnten. Das Problem sind also weniger die deutschen Gesetze als vielmehr diejenigen Unternehmen, die sich nicht an sie halten. Fernab dessen stehen wir in Kontakt zu den Behörden, den Verbänden und auch den Verbraucherschutzorganisationen. Im Übrigen gibt es das gleiche Thema auch im Bereich des Profifußballs. Auch dort haben wir uns bereits mit den Verbänden ausgetauscht. Am Ende stellt sich die Frage, ob ein Vorgehen auf deutscher Ebene ausreicht. Denn das Problem besteht europaweit. Dies zeigen die in Frankreich, Italien und weiteren Ländern geführten Auseinandersetzungen. Rammstein hat daher bereits angeregt, das Thema bei der Europäischen Kommission weiterzuverfolgen. Denn die Europäische Kommission hat sich vor Jahren schon einmal mit dem Ticketzweitmarkt beschäftigt. In Anbetracht der heutzutage immer schlimmeren Verhältnisse auf dem Ticketzweitmarkt sollte hier eine europäische Lösung gefunden werden.

In Frankreich oder England waren Künstler bereit, öffentlich Stellung gegen den Wiederverkauf von Eintrittskarten zu beziehen. Wie sieht das in Deutschland aus?

Sabottka: Rammstein positioniert sich schon seit Jahren gegen gewerbliche Wiederverkäufer. Natürlich wäre es schön, wenn sich auch weitere Künstler engagieren würden, damit noch mehr Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt wird.

Wäre es nicht angebracht, wenn MCT und vielleicht auch Rammstein selbst ein Mediendossier veröffentlichen, damit die Presse umfassender über das Problem des sekundären Zweitmarkts berichten kann?

Sabottka: Wir können nicht beeinflussen, welche Themen die Presse als berichtenswert erachtet und welche nicht. Dies hängt bekanntermaßen von vielen unterschiedlichen Faktoren ab. Auf der anderen Seite freuen wir uns natürlich sehr, dass es rund um die Stadientournee 2019 von Rammstein ein besonders großes Medieninteresse gibt. Daher haben wir auch schon gemeinsam mit Rammstein eine Pressemitteilung veröffentlicht. Im Zusammenhang mit der gegen Viagogo erwirkten einstweiligen Verfügung gab es eine weitere Pressemitteilung. Sämtliche Anfragen in diesem Zusammenhang sind jederzeit willkommen.

Wäre es im Sinne des Open-Source- Gedankens denkbar, die von Ihnen erarbeiteten AGBs unentgeltlich auch anderen, kleineren Veranstalter zu überlassen?

Sabottka: Bisher ist kein Veranstalter mit einer solchen Bitte an uns herangetreten. Zudem besteht die Besonderheit, dass nicht alle Bands und Veranstalter mit personalisierten Tickets arbeiten. Kleinere Veranstalter arbeiten häufig nicht mit personalisierten Tickets, sodass unsere AGBs dort auch nicht funktionieren. Dies soll aber Bands und Veranstalter nicht davon abhalten, künftig mit personalisierten Tickets zu arbeiten. Sowohl Rammstein als auch wir sehen uns hier auch als Vorreiter, um zu zeigen, wie ein Vorgehen möglich ist.

MCT setzt auf personalisierte Tickets

MCT-Geschäftsführer Scumeck Sabottka macht sich dafür stark, den Vertretern des sogenannten Zweitmarkts für Eintrittskarten das Handwerk zu legen. So bemüht er Anwälte und Gerichte, wenn es darum geht, der Geschäftemacherei auf Kosten von Fans, Bands und Veranstaltern Einhalt zu gebieten. Bereits 2011 erbrachte MCT den Beweis, dass es selbst bei Großveranstaltungen möglich ist, dem unerwünschten Schwarzmarkthandel mit Eintrittskarten wirkungsvoll zu begegnen. Für die drei Stadionshows von Take That in Deutschland setzte das Unternehmen konsequent, ähnlich wie in der Luftfahrt üblich, auf personalisierte Eintrittskarten sowie strikt formulierte Allgemeine Geschäftsbedingungen, die den Wiederverkauf untersagten. Ungleich größer mit bereits einer Million verkauften Karten stehen nun die deutschen Stadionkonzerte von Rammstein im kommenden Jahr an. Dabei erinnern die AGBs für die nun angesetzten Konzerte der Band in Teilen sogar an das französische Gesetz über den unautorisierten Weiterverkauf von Eintrittskarten (Paragraph 313-6-2, französisches Strafgesetzbuch) und sehen Geldstrafen bei Zuwiderhandlungen gegen entsprechende Reglementierungen vor.