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Österreich führt bei den Singles neue Chartsregeln ein

Bonez MC & Raf Camora belegen in den österreichischen Singlescharts aktuell 13 der ersten 14 Plätze. Das wird indes eine einmalige Angelegenheit bleiben: Ab dieser Woche tritt eine Regeländerung in Kraft, wonach fortan nicht mehr als drei Songs eines Albums in die Hitliste gelangen können.

23.10.2018 17:20 • von Frank Medwedeff
Ihre erdrückende Überlegenheit führt zur Regeländerung: Raf Camora (links) und Bonez MC (Bild: Pascal Kerouche)

Bonez MC & Raf Camora belegen in den österreichischen Singlescharts nicht nur alle Podestplätze mit Nummer unterdrückt" vor Kokain" und 500 PS": 13 der ersten 14 Plätze der Ö3 Top 40 nehmen Titel von ihrem Album Palmen aus Plastik 2" ein. Das wird indes eine einmalige Angelegenheit bleiben: Ab dieser Woche tritt eine Regeländerung in Kraft, wonach fortan nicht mehr als drei Songs eines Albums gleichzeitig in die Hitliste gelangen können.

Wie Thomas Böhm|U, Leiter Marketing & Public Relations der IFPI Austria, gegenüber MusikWoche bestätigte, gelte es mit dieser Maßnahme, Genrevielfalt und Abwechslung in den Charts zu bewahren. Böhm verweist auf eine entsprechende Regeländerung in Großbritannien, die dort 2017 nach einer ähnlichen Dominanz von Ed Sheeran mit 16 Titeln in den Top 20 der Singles-Hitliste erfolgte, und sich bewährt habe. "Damit bilden die Charts weiterhin den Musikkonsum realistisch ab, gleichzeitig bleibt aber auch die Vielfalt des Musikangebots im Ranking der Charts erhalten", so Böhm.

Schon in der am Freitag, dem 26. Oktober, zur Veröffentlichung anstehenden Hitliste können maximal nur noch die drei meistgestreamten Tracks eines Albums in die Charts gelangen. "Die übrigen Titel gehen ja nicht verloren", bekräftigt Böhm, da Track-Streamings ja seit anderthalb Jahren in Österreich für die Longplaycharts mitzählten.

Andy Zahradnik|U, der mit seinem Team für GfK Entertainment im Auftrag von IFPI Austria und ORF die Charts erstellt, sieht die Regeländerung als unausweichlich, da die aktuelle Übermacht von Bonez MC und Raf Camora, wie ihn die "Kleine Zeitung" zitiert, "das Prinzip Hitparade ad absurdum geführt" habe.

Der ORF-Radiosender Ö3, Namensgeber der Ö3 Top 40, der jeden Freitagabend eine Sendung zu den Charts macht, zeigte ebenso wenig Interesse, darin komplette Alben eines Acts zu spielen.

Wenig Verständnis für die Neuregelung äußerte indes Charts-Dominator Raf Camora: "Die Änderung ist komplett lächerlich, aber das haben sich wahrscheinlich ein paar weintrinkende Experten aus dem 19. Bezirk überlegt, die das neue Nutzungsverhalten nicht verstehen", so der HipHop-Star in heute.at. "Ich finde, Ö3 sollte sich an die Regeln halten und die Charts spielen, wie sie es seit 20 Jahren machen. Man sollte als öffentlich-rechtlicher Sender nicht entscheiden, ob die aktuellen Charts dem Volk schmecken oder nicht. Eine Stunde lang unser Album auf Ö3 hören, wäre ein großer Spaß für uns."