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Michael Hapka: »Wir müssen Innovationen vorantreiben«

30.10.2018 22:33 • von Jonas Kiß
Verantwortlich für die Mercedes- Benz Arena: Michael Hapka (Bild: AEG)

Welches Fazit ziehen Sie zum Jubiläum, entspricht die Auslastung der Halle Ihren Erwartungen?

Das zehnjährige Jubiläum war ein ganz besonderes Jahr für die Mercedes- Benz Arena. Unsere beiden Sport-Teams, die Eisbären und Alba Berlin, waren sehr erfolgreich und haben beide am Ende in den Playoffs um die Meisterschaft gespielt. Das ergibt natürlich eine maximale Anzahl an Spieltagen. Das Touring-Jahr 2018 bescherte eine hohe Auslastung an Konzerten, sogar über die Sommermonate, darunter zahlreiche Sold-Out-Shows und Mehrfachevents von Acts wie Helene Fischer, U2, Justin Timberlake oder Depeche Mode. Mein Team hatte also alle Hände voll zu tun.

Welches Jahr war das erfolgreichste in der Geschichte der Halle, wann gab es die meisten Zuschauer, die meisten Shows?

Das Geburtstagsjahr 2018 wird mit 158 Veranstaltungen gleichzeitig das erfolgreichste Jahr seit Eröffnung der Arena. Wir rechnen bis Ende des Jahres mit über 1,4 Millionen Zuschauern. Damit werden wir uns bisheriges Rekordjahr 2012 hinter uns lassen können.

Mit der Barclaycard Arena in Hamburg betreibt AEG eine weitere Halle in Deutschland. Wie hat die Mercedes- Benz Arena davon profitiert?

Nun, zwei der wichtigsten Arenen auf dem deutschen Markt zu betreiben, hat den Vorteil, dass man einen Partner in der Familie hat, mit dem man sich über Erfahrungen mit bestimmten Formaten, Künstlern, Veranstaltern und natürlich auch zu dem unterschiedlichen Publikumsverhalten austauschen kann. Wir alle suchen schließlich immer nach Best-Practice-Beispielen, um vorausschauend zu planen und schnell zu reagieren. Natürlich sind die Märkte Berlin und Hamburg teilweise immer wieder überraschend unterschiedlich. Manche Dinge funktionieren hier, aber dort nicht und umgekehrt. Aber die Schnittmengen sind groß. Wir freuen uns riesig, dass auch die Barclaycard Arena 2018 ein Rekordjahr erlebt, obwohl dort in den letzten Jahren beide Ankermieter weggefallen sind.

Was waren oder sind die wichtigsten Veränderungen für Sie als Spielstättenbetreiber in dieser wechselhaften Zeit?

Für eine Spielstätte gehen Veränderungen ständig mit neuem Event-Formaten und neuen Zielgruppen einher. Die heutigen Fans haben zum Beispiel hohe Anforderungen an Konnektivität für Social Media, an der Spitze sicherlich K-Pop-Fans oder E-Gaming-Anhänger. Da kann eine Arena das Besuchererlebnis entscheidend unterstützen, indem sie schnelles Wifi anbietet, mit Social Walls die Interaktivität fördert, oder den Merchandising-Kauf bequem über eine Arena-App abbildet. Eine Arena, die mehr als ein Dach über dem Kopf der Künstler sein will, muss sich ständig weiterentwickeln, um die Anforderungen der Besucher, aber auch die der Veranstalter zu unterstützen. Wir sind aber auch genauso für unsere Partner und Sponsoren da, die eine entscheidende Rolle für den wirtschaftlichen Erfolg einer Arena spielen. Auch hier müssen wir Innovationen vorantreiben, um eine erfolgreiche Aktivierung der Marken unserer Partner zu ermöglichen.

In diesen zehn Jahren hat sich das Livegeschäft weiter verändert. Corporate- Strukturen und drohende Monopolbildungen prägen das Bild. Welche Vorteile bietet es da, ein Teil von AEG zu sein? Und kann es nicht auch ein Nachteil sein, wenn andere Major Player eigene Hallen betreiben, die Wettbewerbslage sich verschärft, und die Konzerne dazu übergehen, eigene Künstler in letzter Konsequenz nur noch in eigenen Hallen spielen zu lassen?

Künstler unserer Live-Tochter AEG Presents touren auf den Märkten und spielen in den Venues, welche die jeweils passende Kapazität haben und qualitativ geeignet sind, um den Erfolg der Tour des Künstlers sicherzustellen - egal ob dies eine AEG-Venue ist, oder ob sie von anderen Unternehmen betrieben wird. Das wird auch immer das Ziel der örtlichen Veranstalter sein. In Berlin arbeiten wir daher eng und partnerschaftlich mit allen örtlichen und den nationalen Veranstaltern zusammen, wir sind also eine »offene Venue«. Sich in der Live-Entertainment-Branche ausschließlich auf seine eigenen Corporate- Strukturen zurückzuziehen, wäre schädlich für alle Beteiligten. Der Vorteil, den wir aus dem internationalen AEG Netzwerk ziehen,ist vor allem der ständige Austausch untereinander. Wir können über den Tellerrand hinausschauen, voneinander lernen und Synergieeffekte nutzen, wie zum Beispiel bei gemeinsam getätigten Investitionsvorhaben oder der globalen Zusammenarbeit mit Markenpartnern.

Wie geht die Mercedes-Benz Arena in die Zukunft, wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Wir gehen gut gerüstet in die Zukunft, da wir ab Oktober die Arena in unseren neuen Entertainment District Mercedes Platz einbetten und damit den Besuchern eine umfassende Infrastruktur vor Ort geben. Drei Hotels sowie die Wahl zwischen 20 Restaurants und Cafés am Platz bieten ideale Voraussetzungen, um den Veranstaltungsbesuch abzurunden. Unsere Verti Music Hall wird künftig Veranstaltern den richtigen Rahmen zwischen 1000 und 4500 Besuchern bieten. Wenn sie zu klein ist, kann man in die Arena umziehen, wo man alles bis 17.000 Zuschauern abbilden kann. Herausforderungen bleiben die Lenkung von Besucher- und Verkehrsströmen sowie die Sicherheit aller Menschen an Orten mit hoher Frequenz. Darauf haben wir uns in den letzten Jahren mit der umfangreichen Erweiterung unserer Sicherheitskonzepte von der Venue bis in den öffentlichen Raum gut vorbereitet.