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Untypische Meistersinger

Vor 18 Jahren nahm in Berlin der Veranstalter Meistersinger den Betrieb auf. Das inzwischen unter MSK Meistersinger firmierende Unternehmen blickt auf ein Rekordjahr zurück und verbreitert nun strategisch das eigene Portfolio.

08.11.2018 14:58 • von Jonas Kiß
Eine LEA-gekrönte Erfolgsproduktion aus dem Hause MSK Meistersinger: »Ich Judas« mit Ben Becker (Bild: Kerstin Kroh)

Vor 18 Jahren nahm in Berlin der Veranstalter Meistersinger den Betrieb auf. Das inzwischen unter MSK Meistersinger firmierende Unternehmen blickt auf ein Rekordjahr zurück und verbreitert nun strategisch das eigene Portfolio.

»MSK ist nahezu von Beginn an eine untypische Firma in der deutschen Livelandschaft «, sagt Reinhardt Grahl|U, Geschäftsführer MSK Meistersinger, im Gespräch mit MusikWoche. »Wir bilden eine thematische Vielfalt ab wie kein anderer Mitbewerber.« Diese Aufstellung biete für das im Jahr 2000 gegründete Unternehmen viele Chancen, habe aber wegen des starken Wachstums der letzten Jahre auch dazu geführt, einzelne MSK-Themenschwerpunkte in unterschiedlichen Labels zusammenzufassen.

So entstanden im vergangenen Jahr MSK-Pop für Mainstream-Pop und Schlager-Acts, MSK-You für den Bereich HipHop/Urban und Künstler für eine junge Zielgruppe, MSK-Art für die eigenen Bühnenproduktionen im Kulturbereich und MSK-Passion für alle Rock- und Alternative- Themen des Hauses. Komplettiert wird diese Struktur nun mit MSK-Local, wo der Veranstalter alle Produktionen zusammenfasst, die er örtlich ausrichtet.

»Dieses Set-up erweist sich für die Kommunikation unserer Künstler sowie für unser A&R-Management als voller Erfolg«, bekräftigt Grahl. In diesem Zusammenhang verweist Norman Görlitz|U, ebenfalls Geschäftsführer MSK Meistersinger, auf das Rekordjahr 2017, in dem das 15-köpfige Team auf mehr als 1000 Veranstaltungen kam, von denen man wiederum rund zehn Prozent in Eigenregie durchgeführt habe.

»Zudem gelang es uns, deutlich mehr Zuschauer zu erreichen und neben der Quantität auch die Qualität der Veranstaltungen zu steigern«, so Görlitz weiter. Dadurch habe das Unternehmen laut eigenen Angaben Umsatz wie auch Gewinn verdoppelt. Normann Görlitz ist zudem optimistisch, was die Entwicklung angeht: »In diesem Jahr werden wir dieses Ergebnis noch einmal toppen.«

»Wir sind alles andere als unzufrieden mit dem Erreichten, aber natürlich nicht angekommen«, fügt Görlitz an. Man sei weiterhin auf dem Weg und befinde sich kontinuierlich in einem Wachstumsprozess. »Wir haben uns viel vorgenommen. Ganz grundsätzlich ist es unser Ziel, uns wie bislang auch weiterhin am aktuellen Geschehen zu orientieren und uns möglichst vorausschauend am Markt zu positionieren.«

Für 2019 und 2020 seien die Tourneeplanungen bereits weit vorangeschritten, wie der MSK-Chef ausführt. Von der eigenen Inszenierung »Ich Judas« mit dem Schauspieler Ben Becker wird es noch einmal Zusatzvorstellungen geben, zudem sei Konstantin Wecker mit gleich mehreren Formaten »sehr erfolgreich « im Vorverkauf. »Junge Künstler wie GReeeN und Mike Singer, die wir kontinuierlich aufgebaut haben, werden wir mit Tourneen Ende 2019/ Anfang 2020 in größere Kapazitäten führen.« Außerdem sind Tourneen von Veysel, Joel Brandenstein, Mia., Fler, Tom Gaebel und Ute Lemper in Vorbereitung oder bereits im Vorverkauf.

Neue Acts kommen

Überdies kündigt Görlitz für 2019 noch »eine Reihe weiterer spannender Signings« an, während sich das Unternehmen im Booking-Bereich mit dem derzeitigen MSK-Künstlerstamm auf eine hochfrequente Festivalsaison 2019 vorbereite. »Hinzu kommt, dass wir uns intensiv mit neuen Geschäftsfeldern wie dem Merchandising beschäftigen. Unser Augenmerk liegt dabei besonders auf der Entwicklung und dem Vertrieb von künstlereigenen Marken.« So hat das Unternehmen jüngst einen umfangreichen Merch-Deal mit den Lochis verkündet.

Während die Lochis den Sprung aus dem Netz auf die Bühne geschafft haben, ist Meistersinger mit anderen Künstlern den traditionellen Weg von zunächst kleineren, in dann immer größere Hallen gegangen. Diese Vielfalt der von MSK vertretenen Acts liegt auch Görlitz am Herzen. »Wie schon Reinhardt bemerkte, waren wir vom Start weg nicht typisch ausgerichtet. Kurz nach Firmengründung habe man bereits den Fokus nicht auf einzelne Genres gelegt und daraus eine Maxime gemacht.

»Die Vielfalt der Bühnenproduktionen und die daraus resultierenden Möglichkeiten konnten und wollten wir einfach nicht ausblenden.« Denn diese breit gefächerte Aufstellung gebe dem Team Gelegenheit, in allen Bereichen aus den Cross-Potenzialen zu schöpfen. »Die daraus erwachsenden Möglichkeiten forcieren oftmals auch die Karriereentwicklung unserer Klienten - seien es spannende Paarungen bei Projekten und Kollaborationen unserer Künstler oder die Transformation von Produktionen aus dem Rock/Pop hin zu klassischen Konzerthäusern und Philharmonien.«

Als Beispiel verweist Görlitz darauf, dass es MSK mit den Schauspielern Christoph Maria Herbst und Ben Becker gelungen sei, Lesungen in großen Hallen oder Open-Air-Spielstätten zu präsentieren, »die normalerweise großformatigen Musikproduktionen vorbehalten sind. Letztlich profitieren alle von den Effekten des interdisziplinären Ansatzes.«

Auch bei den beiden Polen örtliches versus Tourneegeschäft geht man im Hause Meistersinger einen eigenen Weg, wie Grahl erläutert: »MSK wickelt den Großteil seiner Tourneen mit örtlichen Partnern ab, und wir wollen und werden auf die Expertise und Power der geschätzten Kollegen in den Regionen auch in Zukunft nicht verzichten. Gleichzeitig sind wir bestrebt, für unsere Künstler zunehmend voll umfängliche Live Services aufzubauen. Das betrifft nicht nur das örtliche Geschäft, sondern auch die eigenen Produktionen und das Merchandising.«

Dass der Livemarkt sich in den vergangenen Jahren hin zu einer Corporate- Struktur mit wenigen großen Playern entwickelt hat, beunruhigt das Unternehmen nicht, wie Norman Görlitz selbstbewusst formuliert: »Wir sind einer der wenigen Independents am Markt und wollen das auch bleiben! Denn diese Aufstellung gewährleistet, dass wir gemeinsam mit unseren Künstlern und deren Managements die bestmöglichen Perspektiven herausarbeiten und gezielt umsetzen können. Das Privileg, jederzeit frei von Interessen Dritter das Richtige für unsere Künstler tun zu können, ist uns enorm wichtig - und wir erfahren hierfür sehr viel Zuspruch.«

Wettbewerb um Rechte

Dennoch weiß auch Reinhardt Grahl: »Das Live-Geschäft wird für den Künstler immer wichtiger; dieser seit Jahren offensichtliche Trend wird sich auch in Zukunft fortsetzen und aufgrund verschiedener auf der Hand liegender Marktfaktoren noch verstärken.« Er prognostiziert: »Da andere Wertschöpfungsoptionen wegfallen oder starken Veränderungen unterliegen, wird auch der Wettbewerb um Liverechte weiter zunehmen, und neue Anbieter werden auf den Markt drängen.«

Gleichzeitig würden Künstler künftig noch mehr in neuen Veröffentlichungsund Kommunikationsstrukturen agieren und bräuchten umfassende Service-Unterstützung, da sich die klassischen Strukturen weiter relativieren würden, so Grahl weiter. »Das führt auch Agenturen wie MSK Meistersinger dazu, den Künstler künftig noch mehr als bisher mit Know-how, Dienstleistungen und Manpower bei seiner Kariereentwicklung zur Seite zu stehen.«