Handel

Händler hauen zur Plattenladenwoche X dreifach auf die Pauke

Vom 15. bis 20. Oktober geht die Plattenladenwoche in ihre zehnte Runde. Gleich zum Auftakt brechen die Organisatoren vom Fachhandelsverbund Aktiv Musik Marketing (AMM) mit einer Tradition - und laden statt zu einem Eröffnungskonzert gleich zu drei Auftaktveranstaltungen.

12.10.2018 14:10 • von
Verantwortet 2018 seine fünfte Plattenladenwoche: AMM-Geschäftsführer Marcus-Johannes Heinz (Bild: Shirley Elfie, AMM)

Vom 15. bis 20. Oktober 2018 geht die in ihre zehnte Runde. Gleich zum Auftakt brechen die Organisatoren vom Fachhandelsverbund Aktiv Musik Marketing (AMM) mit einer Tradition - und laden statt zu einem Eröffnungskonzert gleich zu drei Auftaktveranstaltungen.

Der Startschuss zur zehnten Plattenladenwoche fällt parallel in Berlin, Hamburg und München. Dabei decken die Initiatoren der Aktionswoche um AMM-Geschäftsführer Marcus-Johannes Heinz ein musikalisches Spektrum von Jazz über Klassik bis hin zum Rock ab. So tritt der Jazz-Trompeter Nils Wülker bei Dussmann - das KulturKaufhaus in Berlin auf, Klassik-Pianist Martin Stadtfeld spielt bei Ludwig Beck in München und die Rockband Brett schließlich bei Rekord in Hamburg - »drei Acts, die in ihrer Unterschiedlichkeit exemplarisch für die Bandbreite und Vielfalt der teilnehmenden Plattenläden stehen«, wie es beim AMM in Hamburg heißt.

Die drei Eröffnungskonzerte läuten eine Aktionswoche ein, in deren Verlauf die teilnehmenden Fachhändler rund 50 Veranstaltungen in ihren Plattenläden organisieren, von Konzerten über Signierstunden bis zu Filmvorführungen. Die Rockband Ohrenfeindt geht dabei sogar auf eine Plattenladenwoche-Tour, und spielt an sechs Tagen in sechs verschiedenen Städten und Läden. Bei Bongartz in Erlangen soll die Plattenladenwoche derweil »mit einem ersten Feierabendsingen beschlossen« werden. Als Schirmherr zum Geburtstag der Plattenladenwoche tritt der irische Sänger und Songwriter Rea Garvey auf, ein musikalisches Motto sparen sich die AMM-Initiatoren indes, und rücken stattdessen mit der Marke »Plattenladenwoche X« die eigene Kampagne und deren Geschichte seit 2009 in den Fokus.

Denn gerade weil inzwischen mehr als die Hälfte der Umsätze im deutschen Musikmarkt über digitale Kanäle erwirtschaftet werden, sei »eine bundesweite Kampagne wie die Plattenladenwoche wichtiger denn je«, wie AMM-Geschäftsführer Marcus-Johannes Heinz im Gespräch betont. Schließlich sorge das physische Geschäft immer noch für weitere 45 Prozent: »Und die werden nicht nur über Onlinehandel generiert, sondern auch in Märkten und Plattenläden, weil es auch heute noch Kunden gibt, die gerne stöbern und sich live inspirieren lassen wollen.«

Zwar lasse sich die Zeit nicht zurückdrehen, und die meisten Plattenläden wurden »vorgestern« gegründet, räumt Heinz ein, dennoch seien sie längst »moderne Einzelhandelsunternehmen, viele mit eigenen Webshops, viele aktiv im Social Web«. Die fortschreitende Digitalisierung gab aber 2009 einen Anstoß zur Gründung der Plattenladenwoche: »Damals sprachen alle nur noch über Downloads und MP3«, erläutert Heinz. 89 Prozent der rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz in der deutschen Musikindustrie seien damals aber noch mit Tonträgern erzielt worden. Im Jahr zuvor fand in den USA zudem der erste Record Store Day statt, bei dem limitierte Sonderausgaben im Fokus stehen. »Die Plattenladenwoche wollte nicht nur Limited Editions verkaufen, sondern mit Events und Plattenladenkonzerten das Einkaufserlebnis Plattenladen betonen«, sagt Heinz.

»Schließlich gab und gibt es nirgends sonst eine so facettenreiche Plattenladenkultur wie in Deutschland, auch im Hinblick auf unterschiedlichste Genreausrichtung.« Ziel der Aktionswoche sei es also damals wie heute, »mit einer breit angelegten Image-Kampagne mediale Aufmerksamkeit zu erzeugen und Plattenläden und ihre Bedeutung für die Handels- und Kulturlandschaft stärker in den Fokus der Öffentlichkeit zu bringen«.

Das führte 2012 unter anderem zu einer Auszeichnung mit dem Echo für die Initiatoren der Plattenladenwoche. »Das hat uns und den Plattenläden neue Türen geöffnet«, sagt Heinz. Seit 2014 habe der ansonsten eher im Hintergrund wirkende AMM zudem »passend zum jeweiligen Schwerpunktthema prominente offizielle Botschafter« wie Bela B., The BossHoss, Revolverheld und Johannes Oerding gewinnen können. »Die Kampagne ist kontinuierlich gewachsen und bedient sich heute selbstverständlich auch der zeitgemäßen Präsenz im Social Web. Hatte die Plattenladenwoche anfangs etwa zehn Millionen mediale Kontakte erreicht, sind es inzwischen jährlich rund 30 Millionen«, bilanziert der AMM-Chef.

Warum nicht alle der geschätzt 250 bis 300 Plattenläden in Deutschland an der Plattenladenwoche teilnehmen, müsse man die Händler selber fragen, sagt Heinz, und verweist auf niedrige Einstiegshürden: »Wir erheben keine Teilnahmegebühr. Verlangt wird lediglich, zur Verfügung gestelltes Deko- beziehungsweise Promomaterial einzusetzen, exklusive Produkte des entsprechenden Schwerpunkt-Genres angemessen zu führen und ausschließlich stationär anzubieten. Das ist schon alles.«

Heinz zeigt sich davon überzeugt, »dass es auch in fünf oder gar zehn Jahren noch Plattenläden geben wird. Ob die Plattenladenkultur in ihrer jetzigen Größe und Vielfalt noch trägt, wird von uns allen abhängen ebenso wie von der Musikindustrie und der Politik.« Auch Fans für Haptisches und einen persönlichen Austausch über Musik werde es weiter geben. Das Thema Vinyl zeige jedoch, »wie schwierig es ist, in unserem Metier fünf oder gar zehn Jahre vorauszuschauen«. Schließlich wäre, wer »vor ein paar Jahren vorausgesagt hätte, welchen Stellenwert Vinyl wieder einnehmen würde, vermutlich als Spinner abgetan worden«.

Blicke man einmal über den Plattentellerrand hinaus, falle zunehmend auf, »dass unsere Innenstädte an Profil verlieren, wenn nur noch die immer gleichen Filialisten nach Schema F präsent sind und individueller Charme spezieller Läden verloren geht, und dass das Leben über Smartphone nicht alles sein kann«, warnt Heinz. »Die Plattenladenwoche ist eine Kampagne von Plattenläden für Plattenläden, und wir als ihr Initiator und Organisator sind eine händlereigene Gesellschaft. Insofern hängt es also davon ab, wie sich sowohl die Konsumgewohnheiten als auch die Rahmenbedingungen weiterentwickeln.«

Rund 110 Plattenläden und Klassikfachhändler in 62 Städten nehmen deutschlandweit an der zehnten Plattenladenwoche teil. Unterstützung erhalten die Händler dabei von vielen Musikern und Künstlern durch Videobotschaften, Autogrammstunden oder Auftritte in Plattenläden, sowie durch die Partner bei Plattenfirmen und Vertrieben, die teils besondere Veröffentlichungen beisteuern.