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IFPI schaut den Nutzern auf die Finger

Die IFPI legte am 9. Oktober ihre jüngste Studie zur Musiknutzung vor. Der "Music Consumer Insight Report" zeigt unter anderem, dass 86 Prozent aller Befragten Musik streamen. Obwohl 57 Prozent der 16- bis 24-Jährigen kostenpflichtige Angebote nutzen, entfällt mehr als die Hälfte der Hördauer auf Musikvideos.

09.10.2018 14:07 • von
Das Auto als rollende Musikmaschine: Zwei Drittel aller Umfrageteilnehmer hören laut "Music Consumer Insight Report 2018" Musik beim Autofahren. (Bild: Infografik: Bundesverband Musikindustrie; Daten: IFPI; AudienceNet)

Der IFPI-Branchendachverband hat seine Studie zur Musiknutzung neu positioniert. Der nun erstmals auf Daten der britischen Marktforscher von AudienceNet beruhende "Music Consumer Insight Report 2018" zeigt unter anderem, dass inzwischen 86 Prozent aller Nutzer auf On-Demand-Streamingdienste zugreifen.

Obwohl immerhin 57 Prozent der 16- bis 24-Jährigen kostenpflichtige Angebote nutzen, entfällt mit 52 Prozent mehr als die Hälfte der Hördauer auf Musikvideos. YouTube spielt dabei weiterhin die erste Geige - und baut seine Position sogar weiter aus: 47 Prozent der gesamten Nutzungszeit entfallen demnach auf die Videoplattform des Google-Konzerns, in dem vor Jahresfrist noch unter dem Titel "Connecting With Music" und auf Basis einer Ipsos-Untersuchung vorgelegten Papier waren es noch 46 Prozent.

Die aktuelle Studie weist unter anderem aus, dass Menschen weltweit pro Woche 17,8 Stunden Musik hören, heruntergebrochen auf die tägliche Nutzungsdauer bleiben noch rund 2,5 Stunden. Bei zwei Dritteln der Befragten läuft im Auto Musik, 54 Prozent hören Musik beim Pendeln, drei Viertel aller Befragten nutzen ihr Smartphone als Musikmaschine - bei den 16- bis 24-Jährigen sind es gar 94 Prozent - und immerhin 27 Prozent der gesamten Hörzeit entfallen auf mobile Gerätschaften. Aber auch das Radio spielt laut dem "Music Consumer Insight Report 2018" noch eine bedeutende Rolle: So würden 86 Prozent der Umfrageteilnehmer weiterhin aufs Radio zugreifen, ein Viertel der Hördauer entfällt auf diesen Kanal.

"Es ist eine sehr gute Nachricht nicht nur für die Musikindustrie, sondern auch für benachbarte Branchen, dass in den von der Studie abgebildeten Märkten die Mehrheit - 57 Prozent! - der 16- bis 24-Jährigen Musik über Bezahlabos streamt", analysiert der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke. "In Deutschland sind es in dieser Altersgruppe sogar 61 Prozent." Das zeige, dass diese Nutzer "ein Verständnis für den Wert von kreativen Inhalten haben und von den Angeboten in ihren Nutzungswelten abgeholt werden".

Allerdings bleiben Urheberrechtsverletzungen trotz wachsendem Zuspruch für lizenzierte Angebote ein Problem: 38 Prozent der Verbraucher würden ihre Musik abseits der lizenzierten Kanäle beziehen, 32 Prozent über Mitschnitt-Tools. So bestätigt die Studie laut Drücke denn auch, "dass Rechtsverletzungen, insbesondere über Streamripping, ein großes Thema bleiben", wenngleich Deutschland "im aktuellen Report hier klar unter dem weltweiten Durchschnitt" liege. Für Drücke ist deshalb klar: "Wir werden gegen dieses facettenreiche Geschäftsmodell, das sich hierzulande immer wieder auf rechtliche Grauzonen bezieht, weiterhin konsequent vorgehen, da hier ohne Lizenz, und damit ohne Kreative und ihre Partner an den Einnahmen zu beteiligen, Geld verdient wird. Auch hier brauchen wir eine Anpassung an die digitale Realität!"

AudienceNet hat für die IFPI-Studie im Frühjahr 2018 zwischen 1000 und 2000 Internetnutzer im Alter zwischen 16 und 64 Jahren in 20 der weltweit größten Musikmärkte befragt, darunter neben Deutschland unter anderem in den USA, Japan oder Brasilien, in Großbritannien, Frankreich, Schweden oder den Niederlanden. Die Untersuchung wurde darüber hinaus auch in China und Indien durchgeführt, allerdings flossen diese Ergebnisse nicht in die globalen Zahlen ein.

Diesen beiden wachstumsstarken Musikmärkten widmet die Studie, die auf den Onlineseiten der IFPI zum Download bereitsteht, jeweils eigene Seiten. Dabei kommt unter anderem heraus, dass in China und Indien jeweils 96 Prozent der Verbraucher lizenzierte Angebote nutzen sollen.