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Opus Klassik: Reichlich Rückhalt, ein bisschen Kritik

12.10.2018 11:45 • von Jonas Kiß
Bei der Premiere des Opus Klassik mit an Bord: Thomas Gottschalk übernimmt erneut die Rolle als Gastgeber (Bild: Josef Fischnaller)

»Ich halte die Entscheidung, die Preisverleihung in diesem Jahr stattfinden zu lassen und damit der Klassik sowohl im TV als auch im Konzertsaal einen entsprechenden Raum geben zu können, für richtig«, betont Jacqueline Zich|U, Bereichsvorstand DEAG Classics. Dass die Regularien in kurzer Zeit nicht gänzlich überarbeitet werden konnten, ist für die DEAG-Managerin nachvollziehbar: »Vielmehr sollte man hervorheben, dass es gelungen ist, diese Veranstaltung auf die Beine zu stellen - mit einem guten Sendeplatz im ZDF.« Doch längst nicht alle Akteure aus dem Klassikgeschäft sind mit der Entscheidung glücklich: »Wenn man einen neuen Preis mit neuen Regeln schafft, sollte man die Regeln gleich ändern und nicht alte Probleme weiterschleppen «, sagt Andreas Spreer|U, der das Label Tacet Musikproduktion leitet. »Was wäre ein besserer Zeitpunkt gewesen als jetzt?«

»Diese Entscheidung ist und war falsch«, sagt auch Andreas von Imhoff|U, der das Label Avi - Service for music betreibt. »Denn so heißt es lediglich >Alter Hutdes Kaisers neue KleiderWünsche für 2019

»Wir befinden uns dazu im intensiven Austausch mit allen beteiligten Partnern«, berichtet Clemens Trautmann|U, President Deutsche Grammophon auf die Frage zur weiteren Entwicklung des Opus Klassik: »Alle sind sich einig, dass es Veränderungen geben wird, und zwar im Sinne einer inhaltlichen Fokussierung der Preise und gleichzeitig einer breiteren Positionierung auch im Hinblick auf Liveformate, Kompositionen und Musikvermittlung.« Auch die neu bestellte Jury solle diese Aufstellung widerspiegeln, streicht Trautmann heraus. »Welche konkreten Maßnahmen es aber am Ende werden, das werden wir erst klären, wenn der Trubel der jetzt anstehenden Verleihung vorbei ist. Jetzt sollen erst einmal die Künstlerinnen und Künstler der aktuellen Preisverleihung im Rampenlicht stehen.« Schließlich hätten die Künstler es verdient, dass sich alle Augen nur auf sie richten, betont Trautmann: »Auch aus Respekt ihren Leistungen gegenüber werden etwaige zukünftige Veränderungen erst im Anschluss entschieden und kommuniziert.«

Für eine Neuausrichtung des Opus Klassik in den kommenden Jahren wünscht sich Matthias Lutzweiler »ein größer angelegtes Voting«, damit die Vorgänge rund um Nominierung und Auswahl der Preisträger »möglichst transparent« sind: »Das können Publikumskategorien sein, ergänzt von Kategorien der Jury«, schlägt der Naxos-Deutschlandchef vor. »Unser Anliegen ist ja, die klassische Musik einem großen Publikum nahe zu bringen - eine kurzweilige, große Gala mit hoher Reichweite unter Nutzung von Social Media, Online-Ergänzungen und so weiter halte ich persönlich für am Spannendsten.« Grundsätzlich stellt sich der Naxos-Manager hinter den Award: »Ich freue mich, mit dem Opus überhaupt einen Preis zu haben für die klassische Musik - das sollte sich Deutschland als Kulturland auch nicht nehmen lassen.«

»Ein Neuanfang und eine Überarbeitung des bestehenden Konzepts führen im Idealfall dazu, dass sich die klassische Musik in der ganzen Vielfalt präsentieren und auch ein neues Publikum für sich gewinnen kann«, hofft Jacqueline Zich von DEAG Classics. »Dazu zählt auch die Bereitschaft, offen für Neues zu sein und auch Raum zum Beispiel für Filmmusik zu schaffen, die sich ungeheurer Beliebtheit erfreut.« Mit der Kategorie »Klassik ohne Grenzen « gebe es dafür bereits eine Basis, betont Zich. »Als Veranstalter würde man sich natürlich wünschen, dass auch besondere Konzertformate Beachtung finden«.

Für Dussmann-Fachhändler Hannes Kraus bleibt der Opus Klassik als TV-Ereignis »ein wichtiger Bestandteil der Wahrnehmung von klassischer Musik außerhalb der Spartenprogramme«. Kraus könnte sich eine stärkere Einbindung der Öffentlichkeit vorstellen: »Ein Voting in bestimmten Kategorien über die bisherige Jury hinaus analog zum Echo Pop in den letzten beiden Jahren würde ich persönlich sehr begrüßen. Eventuell würden auch ein paar Publikumskategorien zum öffentlichen Abstimmen dem Preis gut tun, zum Beispiel bei einem Live-Event des Jahres.« Der Dussmann-Manager ergänzt: »Wünschenswert wäre, geplante Änderungen und Ergänzungen frühzeitig in die Branche zu kommunizieren, um ein Forum zu haben, in dem die Planung und Umsetzung für 2019 dann auch von der gesamten klassischen Musiklandschaft positiv mitgetragen wird.«

MDG-Manager Manfred Görgen sieht durch die derzeitigen Kategorien und ihre jeweilige Differenzierung »alle Facetten der klassischen Musik« erfasst. Allerdings sei die TV-Gala, »bedingt durch die begrenzte Sendezeit und die Forderung nach einer hohen Einschaltquote in der Programmauswahl und in der Anzahl der Künstlerauftritte begrenzt«, stellt Görgen fest. »Was könnte ich mir da mehr wünschen als ein umfangreiches Fest der Klassik mit vielen Preisträgern, die mit ihrer Begeisterung für die Klassik auch das Publikum begeistern?«

»Der den Opus Klassik veranstaltende Verein zur Förderung der klassischen Musik, in dem Label, Veranstalter und Personen aus dem Verlagswesen vertreten sind, hat schon zum Ausdruck gegeben, dass für das kommende Jahr unter anderem die Preiskategorien überarbeitet werden«, sagt Sony-Klassikchef Michael Brügemann. So solle es neue Kategorien geben, »die der Vielfalt und den neuen Entwicklungen unserer Branche gerecht werden«, in einigen Kategorien sei auch eine Fokussierung angedacht. »Die Zusammensetzung der Jury wird überprüft, und auch die Idee eines Publikumspreises steht schon im Raum.« Für Brüggemann ist die Stoßrichtung dabei klar: »Wir sehen es als Chance, den Preis stetig weiterzuentwickeln.«

Preis mit Strahlkraft

»Unser Wunsch ist, dass der Opus Klassik weiterhin eine solche Strahlkraft hat«, gibt Warner-Klassikchefin Stephanie Haase vor. »Eine Strahlkraft, die auch außerhalb Deutschlands bis in die anderen Kontinente Gewicht hat. Dass auch weiterhin die Künstlerinnen und Künstler sowie deren Manager erpicht drauf sind, diesen Klassik-Preis in ihre Biografie aufzunehmen.«

Der größte Wunsch für Tacet-Chef Andreas Spreer wäre, »dass die Auszeichnung objektiver wird« und dass künftig »nur noch darauf gehört wird, ob eine Aufnahme wirklich gut« sei: »Dafür würde sich eine Kooperation mit namhaften Kritikern wie zum Beispiel dem Preis der deutschen Schallplattenkritik anbieten.« Das Interesse am Echo Klassik hatte Spreer zuvor verloren und zuletzt keine Vorschläge mehr eingeschickt.

»Mein wichtigster Wunsch wäre, aus dem Opus ein Format zu entwickeln, das es schafft, das Interesse junger Zuhörer zu wecken, ohne künftig mit dem Content ins Oberflächliche oder Gefällige zu gleiten«, sagt Fachhändler Thiemo Brüll. »Das zu schaffen wird eine zunehmend anspruchsvolle, aber notwendige Aufgabe für die Zukunft sein.«

Maximal 35 bis 40 Kategorien, diese aber »säuberlich austariert«, wünscht sich Avi-Chef Andreas von Imhoff für den Opus Klassik künftig, dazu ein »breites Abbild der nationalen und internationale Musiklandschaft, ohne TV-Gala, ein schönes Stadtfest mit klassischer Musik und vielen Gästen, um sie auf den Geschmack zu bringen« sowie »eine unantastbare Fachjury ohne Industrie-Beteiligung«.