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Burkhard Glashoff zum Opus Klassik: »Wir arbeiten daran, dem Preis 2019 ein neues Gesicht zu geben«

12.10.2018 10:57 • von Jonas Kiß
Sieht auch jenseits der Tonträgerindustrie großes Interesse am Opus Klassik: Burkhard Glashoff (Bild: MusikWoche)

Wie kam es zur Initiative für den Opus Klassik?

Nach dem Aus für den Echo Pop, den Echo Jazz und den Echo Klassik haben zahlreiche Akteure aus dem Klassikbereich festgestellt, dass es dramatisch wäre, wenn es künftig keinen Klassikpreis mit dieser Strahlkraft mehr geben würde. Die Musikunternehmen hätten damit eine wichtige Plattform für ihre Künstler verloren.

Was gab den Anstoß zur Gründung eines Vereins als Träger?

Die Klassik darf nicht zu einem Kollateralschaden des Echo-Skandals werden. Schließlich hatten die Klassikkünstler mit diesem Skandal an sich nichts zu tun. Wir hätten es deshalb als falsch empfunden, wenn die klassischen Musiker, die diese Plattform ganz besonders brauchen, zum Leidtragenden der Entwicklung geworden wären. Das hat die Kollegen aus den Plattenfirmen dazu bewogen, auf uns zuzugehen mit der Frage, ob wir daran interessiert wären, einen neuen klassischen Musikpreis zu entwickeln und gemeinsam auf eine breitere Basis zu stellen, als sie der Echo Klassik hatte. Der Echo Klassik war schließlich ein reiner Tonträgerpreis, aber ein neuer Klassikpreis braucht eine breitere Basis, sonst hat er keine Zukunft.

Nun steckt aber doch noch ziemlich viel vom 25. Echo Klassik im ersten Opus Klassik. Ließ sich das nicht anders machen, oder wollen Sie das Konzept so fortführen?

Wir müssen in zwei Schritten vorgehen. Die erste Überlegung war tatsächlich, 2018 auszusetzen, um sich in Ruhe neu zu sortieren und dem Opus Klassik ein ganz neues Gesicht zu verleihen. Das Problem bei dieser Vorgehensweise wäre aber gewesen, dass damit auch der Sendeplatz im ZDF weggewesen wäre.

Wäre das denn tatsächlich ein Problem gewesen?

Nun, wenn man einmal diese Sendeplätze räumt, oder, um ein Beispiel aus dem Veranstaltungsbereich zu nehmen, einmal kein Abo anbietet, um es bis zur nächsten Saison neu zu strukturieren, dann sind sie in der Regel für immer verloren. Deshalb haben wir uns entschieden, auch 2018 diesen Preis als Opus Klassik zu verleihen, mussten aber aufgrund der Kürze der Zeit auf die Einreichungen für den Echo Klassik und auch auf die Entscheidungen der Fachjury zurückgreifen, die zu dieser Zeit bereits getagt hatte.

Sorgt das angesichts der Kritik am Echo nicht für ein Legitimationsproblem?

Wir haben uns die Einreichungen genau angeschaut und ebenso die Entscheidungen der Fachjury. Dabei habe ich für mich festgestellt, dass ich hinter jeder einzelnen Entscheidung und hinter jedem einzelnen Künstler einen Haken setzen und mich damit zu 100 Prozent identifizieren kann. Auch deshalb wird der Opus Klassik 2018 tatsächlich viele Elemente des Echo Klassik enthalten. Das wollen wir nicht schönreden oder etwas anderes behaupten. Ich verwehre mich aber dagegen, wenn uns das als Vorwurf entgegengebracht wird. Denn parallel arbeiten wir daran, dem Preis 2019 ein neues Gesicht zu geben.

Können Sie zu diesem neuen Gesicht bereits etwas verraten?

Wir denken über Preise in Kategorien nach, die über den Bereich Tonträger hinausgehen. Die Überlegungen gehen dabei in drei Richtungen.

Nämlich?

Wir planen eine Auszeichnung für innovative Konzertformate, das wäre im Prinzip ein Veranstalterpreis. Wir denken aber auch in die Richtung Komposition und Komponisten, so dass man auch Werke auszeich- nen kann, und wir denken als drittes Element auch in Richtung der Musikvermittlung. Denn abgesehen von dem Preis oder den Preisen für den Newcomer des Jahres wäre es ebenso wichtig, auch Musikvermittlungsprojekte gerade in der Basisarbeit - also nicht im Bereich der Hochbegabten - auszuzeichnen, möglichst auch finanziell zu fördern und vielleicht sogar weiter zu begleiten. Das sind die drei Neuerungen, an denen wir arbeiten.

Warum nehmen Sie diese Neuerungen nicht sofort ins Programm auf?

Das wäre bis zum 14. Oktober nicht umzusetzen gewesen. Deshalb haben wir uns entschieden, den Opus Klassik in diesem Jahr aufgrund der Einreichungen und der ganz hervorragenden Künstler, die hier mit Preisen bedacht werden, so zu belassen.

Und danach?

2019 haben wir dann einen kompletten Neustart mit neuen Preisen und einer neuen Form der Preisverleihung, die jetzt entwickelt wird.

Planen Sie die Verleihung für 2019 erneut für den Herbst, oder gibt es auch hier neue Pläne?

Das ist noch nicht final entschieden.

Wie sieht es mit dem Ort aus?

Auch das ist noch nicht final entschieden. Es kann durchaus sein, dass der Opus Klassik in Berlin bleibt. Allerdings war der Echo Klassik nicht immer in Berlin, sondern in der Vergangenheit auch mal in München, in Essen oder im vergangenen Jahr in der Elbphilharmonie. Das ist also nicht in Stein gemeißelt.

Sie haben den Sendeplatz im ZDF bereits erwähnt. Sind sie zuversichtlich, dass dieser Platz erhalten bleiben kann, und gibt es entsprechende Gespräche mit dem Sender?

Wenn die Gala am 14. Oktober gut über die Bühne geht und auch entsprechende Strahlkraft entfaltet, bin ich sehr optimistisch. Das ZDF will weitermachen, deshalb hat das ZDF die Gründung dieses Vereins und damit den Aufbau neuer Strukturen für diesen Preis auch sehr begrüßt. Das ist für uns ein ermutigendes Signal, in dieser Richtung weiterzudenken und weiterzuarbeiten.

Sie klingen nicht so, als wären sie bloß der Feuerwehrmann für 2018. Vielmehr denken Sie ganz offenbar auch darüber hinaus über die Zukunft eines Preises nach, den sie vermutlich auch leitend mit gestalten wollen, oder?

Auf alle Fälle. Den Feuerwehrmann für 2018 zu spielen, wäre für mich nicht interessant. Wir sind schließlich nicht direkt betroffen wie die Plattenfirmen. Als Konzertveranstalter bietet der Opus Klassik aber für uns und für die Künstler, mit denen wir arbeiten, und deren Karriereentwicklung wir strategisch begleiten, eine sehr interessante Plattform. Das Spannendste dabei ist wirklich die Weiterentwicklung als Branchenpreis von der Klassik für die Klassik und über den engen Fokus auf die Tonträger hinaus.

Das bildet sich ja auch in der Mitgliedschaft des Vereins ab, mit Plattenfirmen, Konzertveranstaltern und Musikverlagen. Wie aber sieht es mit den Strukturen des Vereins aus, wer hat das Heft des Handels im organisatorischen Bereich für den Opus Klassik in der Hand?

Derzeit läuft alles beim Vorstand zusammen, also bei Clemens Trautmann von der Deutschen Grammophon und mir. Das führt momentan zu großem Termindruck. Wir müssen also auch hier für 2019 eine neue Struktur finden. Die Durchführung des Preises selbst ist an Agenturen vergeben, weil das von uns nebenbei nicht zu leisten wäre.

Welche Agenturen sind mit an Bord?

Es sind drei Agenturen in verschiedenen Bereichen eingebunden: Vaterblut bei der Organisation der Veranstaltung selbst, Kruger Media im Bereich der PR-Arbeit sowie Hauer fürs Ticketing, den Red Carpet und das Einladungsmanagement.

Welche Rolle spielt der Bundesverband Musikindustrie?

Wir treten als Verein an die Stelle des Bundesverbands Musikindustrie. Der Verband und die Geschäftsstelle sind raus und spielen beim Opus Klassik keine Rolle mehr.

Dann haben Sie keinen heißen Draht zu den ehemaligen Echo-Machern?

Nein. Natürlich bekommen wir jede Information, die wir abrufen, oder die wichtig ist für die Ausrichtung des Preises 2018, aber wir haben es hier tatsächlich mit einem Neuanfang zu tun.

Wird es künftig einen Opus Pop geben oder den Jazz-Opus?

Nein.

Aber gerade die Jazzer stehen doch vor einem ganz ähnlichen Problem. Wäre es da nicht praktisch gewesen, den Opus Jazz im Frühjahr und den Opus Klassik im Herbst aus einer Hand zu machen?

Das vermag ich nicht zu beurteilen. Wenn man so groß denkt, würde man allerdings schnell Gefahr laufen, sehr viel Zeit für die Koordination zu benötigen. Hinzu kommt, dass der Echo Pop ganz andere Regularien hatte als der Echo Jazz und der Echo Klassik. Er ist ein reiner Verkaufspreis gewesen, bloß deshalb konnte es zu diesem Skandal kommen. Der Echo Klassik hingegen war stets ein Jurypreis. Nun kann man über die Zusammensetzung der Jury oder über Regularien diskutieren, was wir für 2019 auch tun. Daraus kann aber nicht abgeleitet werden, dass es in drei Jahren wieder drei Opus-Preise gibt. Ich weiß, dass es Initiativen im Bereich Jazz und im Bereich Pop gibt, die aber noch nicht so weit sind wie wir.

Wie sieht es mit der Finanzierung der Gala aus, kann sich ihr junger Verein so eine Veranstaltung überhaupt leisten?

Ja, die Finanzierung erfolgt aus den Mitgliedsbeiträgen des Vereins und den Erlösen aus dem Kartenverkauf. Mitglieder sind die Deutsche Grammophon beziehungsweise Universal Music, Sony Music, Warner Music und Class als Verband der Independent- Label, die zuvor bereits den Echo Klassik über den Bundesverband Musikindustrie finanziert haben, plus - und das ist neu - die Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette als privater Veranstalter sowie Benedikt Stampa, der designierte Intendant des Festspielhauses Baden- Baden, und Dagmar Sikorski als Privatpersonen.

Wird das so bleiben?

Hier handelt es sich um die Gründungsmitglieder, wir sind darüber hinaus offen für neue Mitglieder. Hier sind wir bereits in Gesprächen, denn es gibt auch jenseits der Tonträgerindustrie großes Interesse an diesem Preis. Das gilt auch für die klassischen Künstler, was mich wirklich sehr freut und auch ermutigt, diesen Weg weiterzugehen. Wir wollen schließlich keinen Etikettenschwindel veranstalten, bei dem die Künstler selbst oder auch die Öffentlichkeit das Gefühl bekommen, an der Nase herumgeführt zu werden. Das darf nicht passieren, da hätte niemand etwas gewonnen. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, den Kreis der Mitglieder und Unterstützer dieses neuen Preises möglichst weit zu fassen.

Wie sieht es mit der Gala aus?

Das Format der Preisverleihung wird 2018 sehr ähnlich sein wie die Veranstaltungen in den Jahren zuvor. Das hängt auch damit zusammen, dass die Fernsehshow, also die Preisverleihung im Konzerthaus, vom ZDF selbst produziert wird. Daher hat das ZDF auch aus der Reihe der Preisträger die Livekünstler ausgewählt und in die Sendung eingeladen. Auch hier kann ich mich zu 100 Prozent mit der Auswahl identifizieren.

Wäre das auch bei früheren Verleihungen so gewesen?

Nun, ich sage es mal ganz vorsichtig: Es gab in der Vergangenheit auch mal Künstler, die einen Echo Klassik erhalten habe, hinter denen ich nicht so ganz gestanden hätte, und bei denen die Verleihung des Preises vielleicht eher in Hinblick auf die Einschaltquoten und das größere Publikumsinteresse erfolgte. Das ist auch legitim. Mit der Liste der Preisträger und mit der Liste der Künstler, die am 14. Oktober im Konzerthaus auftreten, bin ich absolut happy und stehe voll und ganz hinter jedem einzelnen.

Was für Reaktionen aus der Musikwirtschaft auf den Opus Klassik kommen bei Ihnen an?

Ich nehme in der Branche ein großes Interesse an der Veranstaltung wahr, ich bin häufig von Kollegen aus dem Veranstalterbereich und auch von Künstlermanagements angesprochen worden. Da schaut man ganz offenbar sehr genau hin, was hier gerade passiert. Die Tendenz der Reaktionen war zumeist ein »gut, dass etwas passiert«, das finde ich sehr ermutigend.

Im Feuilleton fielen die ersten Reaktionen auf die Neuordnung hingegen eher durchwachsen aus. Wie beurteilen Sie das?

Ich appelliere an die Kollegen, sich nicht zu sehr in der Lust am Untergang zu suhlen und uns doch bitte nicht von vornherein unehrenhafte Motive zu unterstellen. Lasst uns doch zusammen versuchen, den Opus Klassik zu einem Erfolg werden zu lassen. Denn die Leidtragenden sind letztendlich die Künstler. Und das kann keiner wollen. Natürlich kann man über Regularien und Transparenz oder die inhaltliche Ausgestaltung der Moderation weiter diskutieren. Das wollen wir auch tun und dazu möglichst viele Meinungen einholen oder - noch besser - möglichst viele Mitstreiter gewinnen. Aber lasst uns nicht schon jetzt mit Vorfreude auf ein mögliches Scheitern blicken, sondern vielmehr hoffen, dass es wirklich eine hochkarätige, unterhaltsame und rundum gelungene Veranstaltung wird, auf der wir dann gemeinsam aufbauen können.

Eine Herausforderung dürfte auch die Abstimmung zwischen den großen Klassikkonzernen und den Class-Indies sein, die in den vergangenen Jahren unter anderem ein eigenes Konzert am Echo-Vorabend aufgezogen haben, um ihren Künstlern eine zusätzliche Bühne bieten zu können. Ist das schwierig für Sie?

Das ist unglaublich spannend, was es da für eine Dynamik gibt. Schließlich gibt es immer, wenn unterschiedliche Parteien am Tisch sitzen, auch unterschiedliche Interessen. Wir haben uns aber gerade deshalb entschieden, hier mitzumachen, weil ich die Akteure von Clemens Trautmann über Michael Brüggemann und Stephanie Haase schon vorher sehr gut kannte. Und am Ende des Tages hängt doch immer sehr viel an den handelnden Personen. Manfred Görgen kannte ich zuvor nicht, ihn habe ich jetzt als sehr wichtigen Ideengeber und kritisches Korrektiv kennen und schätzen gelernt.

Ein Kritikpunkt, mit dem der Echo Klassik immer zu kämpfen hatte, war die Vielzahl an Kategorien. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Die vielen Preise waren der Bemühung geschuldet, nicht nur die ganz großen und offensichtlichen Künstler bedenken zu können, sondern eben auch Künstler auszeichnen zu können, die zum Beispiel noch am Anfang ihrer Karriere stehen oder sich in einer Nische bewegen. Ich finde, wir haben es hier mit einer spannenden und lebendigen Gruppe zu tun, die sich aus unterschiedlichen Bereichen kommend formiert hat. Wir führen eine sehr lebendige und offene Diskussion um die Zukunft und die Ausrichtung dieses Preises.

Dann gibt es also für Sie also noch reichlich Arbeit, um den Übergang zu moderieren?

Ja, wir sind in der Tat in einer schwierigen Übergangsphase, und es ist noch nicht ganz klar, wo wir landen. Aber wir haben eine Idee, wohin wir wollen, und suchen nun Mitstreiter, die diesen Weg auch mitgehen. Das ist die große Herausforderung. Hinzu kommt, dass wir am 14. Oktober eine Show sauber über die Bühne bekommen wollen, ohne dafür im Vorfeld eine belastbare Struktur gehabt zu haben, wie es beim Bundesverband Musikindustrie der Fall gewesen wäre.

Gibt es den neuen Preis beziehungsweise die neue Trophäe schon?

Ja, die gibt es. Man sieht sie bereits zweidimensional als Logo auf unserem Briefbogen. Das ist eine Figur, die die Hände hochstreckt, oder auch eine Stimmgabel. Sie Unterscheidet sich deutlich vom Echo, dessen Design doch aus einer anderen Zeit stammte.

Zur Person

Der gebürtige Hannoveraner Burkhard Glashoff leitet seit September 2013 gemeinsam mit Pascal Funke als Geschäftsführer die Geschicke der Konzertdirektion Dr. Rudolf Goette. Er studierte Musikwissenschaft und Schulmusik und spielt selbst Klavier, Klarinette und Saxophon. Im Jahr 2000 wagte er den Sprung ins Konzertmanagement und organisierte das Klassik- und Crossover-Programm für die Weltausstellung Expo 2000 in Hannover. Anschließend begann er als Musikmanager bei der Hannoveraner Konzertdirektion Schmid und leitet dort seit 2005 die Tourneeabteilung. Als Musikpädagoge beschäftigt sich Burkhard Glashoff intensiv mit der Herausforderung, neues und junges Publikum in die Konzertsäle zu locken und für die Faszination der klassischen Musik zu begeistern.