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Frank Briegmann prophezeit "positive" Marktentwicklung in Deutschland

Die traditionelle Rede von Frank Briegmann eröffnete am 12. September die Berliner Vertriebstagung von Universal Music, "Inside". Der President & CEO Central Europe Universal Music Group erwartet ausgehend von der guten Entwicklung im Weltmarkt, dass auch der deutsche Markt bald wieder ins Plus drehen wird. Denn auch Deutschland sei nun im Streamzeitalter "vollends angekommen".

12.09.2018 13:29 • von Dietmar Schwenger
Blickt zuversichtlich nach vorn: Frank Briegmann bei Universal Inside, hier mit Herbert Grönemeyer auf der Bühne in der Mercedes-Benz Arena (Bild: MusikWoche)

Die traditionelle Rede von Frank Briegmann|U eröffnete am 12. September 2018 die Vertriebstagung von Universal Music, "Inside", in der Berliner Mercedes-Benz Arena. Der President & CEO Central Europe Universal Music Group erwartet ausgehend von der guten Entwicklung im Weltmarkt, dass auch Deutschland bald wieder ins Plus drehen wird.

"Der Weltmarkt hat sich hervorragend entwickelt - über acht Prozent Wachstum im letzten Jahr", so Briegmann in einem vorab verbreiteten Redemanuskript. "Von den zehn größten Musikmärkten der Welt standen 2017 acht im Plus. Korea wuchs zum Beispiel um 45,9 Prozent, die USA um 13 Prozent und UK um neun Prozent."

Er ist sicher: "Wenn man nach den Gründen für dieses deutliche Wachstum fragt, braucht man auch nicht lang zu suchen. Es ist natürlich das Streaming. Während andere Vertriebskanäle zurückgegangen sind, haben die Streaming-Erlöse um über 40 Prozent zugelegt. Die Anzahl der Paid Subscriptions hat 2017 weltweit sogar um fast 60 Prozent zugelegt."

Weltweit sorge Streaming mittlerweile schon für 38 Prozent der Umsätze und sei somit die größte Umsatzsäule "in unserem Markt", so Briegmann weiter. "Und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht." Er verweist zudem auf eine weitere "interessante Zahl". Denn in Schweden liege die Penetration der Subscriber mittlerweile bei 32 Prozent und zwar bezogen auf die Gesamtbevölkerung. "In Deutschland liegen wir dagegen erst bei 14,4 Prozent."

Deswegen folgert der Top-Manager: "Wenn wir also den Weltmarkt als richtungsweisend betrachten - schließlich war er das ja auch in der Vergangenheit zumeist -, sind auch die Aussichten für unseren Markt entsprechend positiv. Auch wenn der sich im vergangenen Jahr (minus 1,5 Prozent) und im ersten Halbjahr 2018 (minus zwei Prozent) eher seitwärts bewegt hat. Nichts desto trotz können wir die Indikatoren, die international für Wachstum sorgen, auch bei uns beobachten."

Das macht Briegmann an einer konkreten Entwicklung im Markt deutlich: "Denn auch bei uns hat das Streaming wieder zugelegt: plus 35,2 Prozent im ersten Halbjahr 2018. Das Ergebnis: Erstmals in der Geschichte des deutschen Musikmarkts wurde mit Streaming mehr Umsatz gemacht als mit der CD. Manche nannten es eine 'Zeitenwende'. Ich würde eher sagen: Auch Deutschland ist nun im Streamingzeitalter vollends angekommen - so wie wir dies erwartet haben und hier ja auch seit Jahren thematisieren."

Briegmann skizziert dazu ein Bild, wie Streaming den Alltag verändern wird: "Wenn unsere Partner und wir alles richtig machen, dann gehört ein bezahlter Streaming-Account schon bald ganz selbstverständlich zum Leben. Genauso wie ein Girokonto, eine Haftpflichtversicherung, ein Mobilfunkvertrag, die Monatskarte für Bus und Bahn. So etwas legt man sich dann einfach in jungen Jahren irgendwann zu und behält es sein Leben lang bei. Die Frage ist dann nicht mehr das 'ob' der Fan konsumiert, sondern nur noch das 'wann' er konsumiert. Das muss unser gemeinsames Ziel sein."

Trotz der Streamingerfolge ist für Briegmann auch der physische Markt wichtig, wie es in der Rede hieß: "Es gibt aber auch noch die andere Seite des Musikkonsums, und die wollen wir auf keinen Fall unterschätzen: den Besitz. Auch 2018 machen wir noch 34 Prozent unserer Umsätze mit CDs, und das sind immerhin fast 300 Millionen Euro im ersten Halbjahr 2018."

Er bekräftigt: "Solange Konsumenten den Wunsch haben, zu besitzen - sei es im digitalen Space oder für das Regal zu Hause - werden wir dem Wunsch nachkommen. Bei Universal alleine wollen wir von jetzt bis Ende des Jahres noch weitere zehn Millionen physische Einheiten verkaufen. Das ist eine große Menge an Umsatz, und wir werden auch hier mit unseren Partnern am Ball bleiben, um die Fans, die ein physisches Produkt haben möchten, optional zu bedienen; seien es Boxen, sei es mit Vinyl, mit CDs oder Merchandising."

In der Rede ging Briegmann auch auf die Marktanteile ein. "Unabhängig davon, in welchem Kanal die Musik unserer Künstler den Konsumenten gefunden hat, in den Marktanteilen spiegeln sich alle Kanäle wider. Und da stellen wir uns erfreulicherweise eine positive Entwicklung seit dem Vorjahr fest. Wir haben gemeinsam mit unseren Künstlern und Partnern die Marktführerschaft nicht nur verteidigt, sondern sogar wieder weiter ausgebaut."

Der Ausbau der Marktanteile sei immer eine gute Nachricht, so Briegmann weiter. "In diesem Jahr können wir aber - wie ich finde - besonders stolz darauf sein. Denn wie Ihr wisst, haben wir bei Universal Music seit dem vergangenen Jahr eine neue Struktur eingeführt. Unter den Majorlabels sind wir die ersten, die das so konsequent getan haben. Es gab unzählige Veränderungen, wir haben neue Labelstrukturen, wir haben Marketing Labs etabliert, wir haben den Vertrieb neu organisiert, das Catalogue Marketing und noch vieles mehr."

Briegmann spricht von einem "großen Kraftakt für uns alle". Die Steigerung unserer Marktanteile zeige nun erstens, dass Universal Music es geschafft habe, trotz aller Veränderungen nicht die Konzentration für das operative Geschäft zu verlieren. Und zweitens, dass die neue Struktur schon jetzt wirke. "Sicher ist noch nicht alles perfekt, aber wir arbeiten jeden Tag an Verbesserungen für unsere Künstler genauso wie für alle anderen Partner."

"Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer Struktur sehr gut für die kommenden Veränderungen des Markts und des Nutzerverhaltens - also für die Zukunft - aufgestellt sind. Und die Zukunft ist ebenso spannend wie positiv", betonte Briegmann.

Diese Zuversicht begründete er mit drei verschiedenen Wachstumtreibern. Zunächst nannte er die sogenannten Voice Controlled Devices, die sich auf dem rasanten Vormarsch befänden. "In den USA haben bereits heute 32 Prozent aller Haushalte einen Smart-Speaker, und die Prognose sagt, dass am Ende des Jahres voraussichtlich 50 Prozent aller US-Haushalte Smart-Speaker nutzen. Europa wird dem folgen." Mit 70 Prozent am häufigsten genutzt werde hier Musik, erst danach Informationen zum Wetter (64 Prozent).

Als zweiten Wachstumstreiber erwähnte Briegmann sogenannte Connected Cars. "Bis 2022 wird es weltweit bereits 125 Millionen vernetzte PKWs auf den Straßen geben, die ständig online sind. Bei General Motors liegt der Anteil an den verkauften Autos schon jetzt bei 46 Prozent. Die E-Call-Pflicht, dass Autos selbst Hilfe rufen können müssen, ist bereits EU-weit in Kraft. Das wird dafür sorgen, dass in naher Zukunft wahrscheinlich alle Autos über eine eigene Konnektivität verfügen."

"Diese Vernetzung gilt als Vorstufe des autonomen Verkehrs ... und einer endlich angemessenen Musikverfügbarkeit, möchte ich hinzufügen", streicht Briegmann heraus. Das Potenzial dieser Autos bemisst er mit 64 Millionen Fahrzeugen - "allein in Deutschland wohlgemerkt".

Der dritte Wachstumtreiber sind für Briegmann audiovisuelle, das heißt Video-Contents. "Schon jetzt werden rund 60 Prozent aller Video-Plays mobil genutzt.Und wenn wir an YouTube denken und daran, dass sich unter den Top 20 der meistgesehenen Clips nur ein einziges Nicht-Musikvideo befindet, plus eine Nutzungszunahme des mobilen Internets, dann eröffnet auch das neue Perspektiven."

Für Briegmann ist klar: "Denn wir haben dafür den optimalen Inhalt, können mit unseren Künstlern sehr gut audiovisuelle Inhalte produzieren und auch monetarisieren. Die Menge potenzieller Subscriber genauso wie die Möglichkeiten der Verbreitung von Musik sind also gewaltig. Und sie wird noch weiter wachsen. Auf der Welt genauso wie in Deutschland."

Gegen Ende der Rede kam Briegmann auf Künstlererfolge zu sprechen. "Wir werden aber Subscriber nur gewinnen, wenn wir tolle Musik auf den Plattformen haben, wenn wir es schaffen, die Karrieren unserer bereits etablierten Stars noch auszuweiten, und wenn wir es vor allem auch schaffen, Künstler die noch nicht etabliert sind, erfolgreich zu machen. Das ist das schwierigste und das Live Blood unserer Branche, und das ist uns auch im vergangenen Jahr wieder gelungen - von Wincent Weiss über Ben Zucker - zwei junge deutsche Künstler die bis dahin niemand kannte - bis Louis Fonsi, der schon eine lange Karriere hatte, aber erst jetzt mit uns vorstoßen konnte."