Livebiz

Uli Roth: »Der Zeitpunkt für einen Neustart war gekommen«

12.09.2018 11:42 • von Frank Medwedeff
Bietet »alle Leistungen aus einer Hand«: Uli Roth (Bild: Live Act Music)

Der ehemalige Handball-Nationalspieler Uli Roth war mit seiner Firma Live Act Music gut 20 Jahre als Management- und Konzertagentur für Pur zuständig. Im Interview mit MusikWoche erläutert er die Gründe für die Trennung von der Band und die künftige Ausrichtung des Unternehmens.

Wie kam es 2017 zur Beendigung der Zusammenarbeit mit Pur?

Künstlermanagement bedeutet, rund um die Uhr erreichbar zu sein und sein komplettes Herzblut in den Künstler zu legen. Die Beziehung, die daraus zwischen Manager und dem Künstler entsteht, ist daher sehr intensiv, emotional und auch impulsiv. Gut zu vergleichen mit einer »eheähnlichen« Verbindung. Wenn diese Beziehung nicht mehr richtig funktioniert, spüren das die Partner, und eine Entscheidung muss getroffen werden. Wir haben es geschafft, uns zum richtigen Zeitpunkt zu trennen, und es war der richtige Weg. Ich hatte über 20 fantastische Jahre mit Pur, aber der Zeitpunkt für einen Neustart war gekommen.

Seit wann genau ist Live Act Music nicht mehr für Pur tätig, und wie haben Sie die Reaktionen auf den jüngsten Kampagnenstart der Band erlebt?

Seit Oktober 2017 gehen wir getrennte Wege, und seit diesem Zeitpunkt zeichneten wir auch nicht mehr für Aktivitäten der Band verantwortlich. Die Reaktionen auf die höheren Ticketpreise und Marketingaktionen des vergangenen Jahres haben wir in der Branche natürlich mitbekommen, aber wie gesagt, waren wir zu diesem Zeitpunkt nicht mehr in der Verantwortung.

Was waren für Sie die Highlights aus der gemeinsamen Zeit?

Zu den unvergesslichen Momenten zählt selbstverständlich die Installation der einzigartigen Konzerte auf Schalke mit bis zu 70.000 Besuchern. Diese Eindrücke vergisst man nie. Besonders in Erinnerung ist mir die klassische Variante der Show mit einem 40-köpfigen Symphonieorchester. Die Einführung der Mittelbühne im Jahr 2000 sorgte mit für die besondere Atmosphäre der Mega-Events und Tourneen. Wir haben es geschafft, die Band nach dem großen Erfolg von »Abenteuerland« über zwei Jahrzehnte sowohl im Livebereich als auch hinsichtlich der Albumverkäufe an der Spitze des deutschen Marktes zu halten. Der allseits bekannte »Party- Hitmix« war hilfreich, da gerade das jüngere Publikum eine dauerhafte Verbindung zur Band hatte.

Inwiefern haben sich Ausrichtung und Struktur von Live Act durch die Trennung von Pur verändert?

Eigentlich gar nicht. Wir sind unserer Philosophie und Lebenseinstellung beruflich wie privat immer treu geblieben, und das spielte bei der Trennung auch eine wichtige Rolle. Wenn sich die Ansichten zu weit unterscheiden, fehlt einfach die Basis.

Wie geht es mit Live Act weiter?

Nach dem Trennungs-Prozedere mussten wir erstmal kurz durchatmen und uns neu strukturieren, und dafür benötigt es ein wenig Zeit. Mittlerweile steht unsere Ausrichtung jedoch fest, und unser Kerngeschäft ist nach wie vor das Live-Business. Unser Leistungsspektrum umfasst Tourneen, Einzelshows, Firmenevents und Veranstaltungen jeglicher Art. Wir sehen uns auch nicht als klassische Signing-Agentur mit vielen Künstlern, sondern eher als exklusive Management-Agentur mit einem äußerst intensiven Kontakt zu unseren Acts und Projekten. Die Künstler müssen auch wirklich zu uns passen, damit eine erfolgreiche Zusammenarbeit entstehen kann.

Was macht Live Act Music als Partner für Künstler attraktiv?

Durch unsere Funktion als Künstlermanagement und Tourneeveranstalter nehmen wir einen Sonderstatus in der Branche ein. Meistens sind diese beiden Bereiche ja getrennt. Live Act Music vereint sowohl Live- als auch das Musik-Business, was dem Künstler natürlich entscheidende Vorteile bringt - alle Leistungen aus einer Hand. Wir sind seit über 20 Jahren im Event-Business tätig, und wissen daher genau, was für ein erfolgreiches Management notwendig ist. Wir sind 24 Stunden, sieben Tage die Woche für unsere Künstler da, hautnah. Wir legen großen Wert darauf, uns intensiv um Künstler und Events zu kümmern. Aus diesem Grund achten wir darauf, unser Portfolio nicht mit einer Vielzahl an Acts und Veranstaltungen zu überladen. Wir möchten uns mit der notwendigen Intensität um die jeweiligen Bereiche kümmern und wählen unsere Projekte daher sehr genau aus. Wir richten unser Augenmerk auf alle Facetten eines Musikers und nehmen uns die Zeit für eine komplette Betreuung.

Neben Konzert- und Künstlermanagement ist Live Act Music auch im Event-Management aktiv. Was steht in diesem Bereich an?

Live Act Music ist äußerst flexibel, und wir betreuen Veranstaltungen aller Art. Ob Livekonzert, Firmenevent oder ganz individuelle Großveranstaltungen. Wenn uns eine Veranstaltungsidee begeistert, legen wir unser gesamtes Engagement in dieses Projekt. Aktuell sind wir in den finalen Gesprächen mit einer der größten Locations, die Deutschland zu bieten hat. Speziell geht es um die Vermarktung und Organisation von Musikveranstaltungen und Konzerten auf diesem Gelände.

Wie ist ihr Team aufgestellt?

Das Hauptbüro von Live Act Music befindet sich nach wie vor in Hirschberg bei Heidelberg. Unser Kernteam umfasst fünf Mitarbeiter, bei größeren Projekten stocken wir auf.

Wie hat sich das Musikgeschäft in den letzten 20 Jahren verändert? Was sind heute die zentralen Herausforderungen?

Wichtig ist als Agentur, den Konzertbesuchern immer den besten Service im Sinne des Künstlers zu bieten. Hier ist die Detailarbeit gerade im operativen Bereich entscheidend. Der Fan beziehungsweise Konzertbesucher ist das höchste Gut, und daher verdient er auch den bestmöglichen Service. Oft wird hier inflationär gearbeitet, was sich am Ende in rückläufigen Verkaufszahlen auswirkt. Auch bei großen Produktionen muss das Ticket für den Besucher bezahlbar bleiben. Mittlerweile wird oft dazu tendiert, eine überdimensionale Produktion auf Tour zu schicken, jedoch können diese Kosten nicht nur auf den Endverbraucher umgelegt werden. Vieles hat sich im Laufe der Jahre verändert, auch auf der behördlichen Ebene. Bei GEMA, GVL und den zuständigen Behörden existieren eine Vielzahl neuer Vorgaben und Richtlinien für die Veranstaltungsbranche. Diese Mehrkosten können aber nicht alleine dem Ticketkäufer angelastet werden, sondern hier muss generell ein Umdenken stattfinden. Irgendwann ist für den Fan eine finanzielle Grenze erreicht, und das wirkt sich auf die gesamte Branche aus. Das erklärte Ziel muss sein, bezahlbare Tickets für Konzerte anbieten zu können.

Neben Live Act Music sind Sie mit der Vermarktungsagentur Nummer 10 auch im Sportmanagement tätig. Was machen Sie da konkret, und wie schaffen Sie das zeitlich, beide Firmen zu stemmen?

Als ehemaliger Leistungssportler und Olympia-Teilnehmer liegt mir der Sport natürlich sehr am Herzen. Die Betreuung von jungen Spielern im Bereich der werbewirksamen Vermarktung, der Förderung der sportlichen Entwicklung und der berufliche Werdegang nach der aktiven Zeit wird leider nach wie vor vernachlässigt. Hier setzen wir mit der Nummer 10 an. Wir möchten den Spielern Perspektiven aufzeigen, und das Bestmögliche für sie erreichen. Ob bei Verträgen, Werbedeals oder anderen sportlichen Belangen. Aufgrund unserer großen Erfahrung auf diesem Gebiet können wir jungen Spielern auch helfen, Fehler zu vermeiden, die uns in der aktiven Zeit nicht erspart geblieben sind. Es gibt viele Parallelen im Sport und in der Musik. Daher lassen sich diese beiden Bereiche sehr gut kombinieren. Unser Beruf ist für uns auch mehr Berufung als nur ein Job. Wir sind glücklich dass wir nun jeden Tag mit Begeisterung an großartigen Projekten arbeiten können. Denn wir lieben, was wir tun.

Zur Person

Uli Roth wurde am 15. Februar 1962 in Heidelberg geboren. Als Handballer feierte er große sportliche Erfolge, unter anderem die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen 1984 mit der deutschen Nationalmannschaft. Beruflich war er nach einer kaufmännischen Ausbildung als Verkaufsleiter bei Fruit of the Loom und für die Radiosender Radio Gong, Radio Primavera und Radio Regenbogen tätig. 1996 gestaltete er bereits die »Abenteuerland«-Tour von Pur mit. 1997 wurde er Manager der Band und Geschäftsführer von Live Act Music. Zudem betreibt er die Sportmanagement-Agentur Nummer 10.