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VUT Indie Days sorgen auf der Reeperbahn für gute Quote

Einen Zeitrahmen bis 2022 hatten sich die Keychange-Initiatoren gesetzt. Bis dahin wollen sie auf ihren Events für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis sorgen. Die Indie Days des VUT auf dem Reeperbahn Festival erfüllen dieses Ziel bereits in diesem Jahr - und decken dabei thematisch ein breites Spektrum ab.

16.08.2018 11:09 • von
Steht hier nicht als Beispiel für Geschlechtergerechtigkeit, diskutiert aber im Rahmen der VUT Indie Days beim Reeperbahn Festival über Fragen der Wirtschaftsförderung im Musikbiz: Erhard Grundl, Mitglied des deutschen Bundestags (Bild: Stefan Kaminski)

Einen Zeitrahmen bis 2022 hatten sich die Initiatoren der Keychange-Kampagne gesetzt. Bis dahin, so lautet das Ziel, wollen die Unterzeichner der Selbstverpflichtung auf ihren Veranstaltungen für ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis sorgen. Die Indie Days des Verbands unabhängiger Musikunternehmen (VUT) auf dem Reeperbahn Festival erfüllen dieses Ziel bereits in diesem Jahr - und decken dabei ein thematisches Spektrum ab, das von der Diskussion um Antisemitismus in der Musik bis zur Fragen der Förderung im Bereich der Musikwirtschaft reicht.

Nun ist das Programm der VUT Indie Days komplett. Die Veranstaltungsreihe der Indies bildet 2018 bereits zum vierten Mal in Folge einen Programmstrang im Kongressbereich des Reeperbahn Festivals, das vom 19. bis 22. September in Hamburg stattfindet. In Sachen Gender Balance erweisen sich die VUT Indie Days dabei als Vorreiter: Unter den bereits feststehenden Sprechern finden sich derzeit 24 Frauen und 18 Männer. Einzelne Zusagen stehen indes noch aus, was allerdings rund vier Wochen vor Kongressbeginn kaum verwundert.

Ein Großteil der Sessions, Workshops und Netzwerkveranstaltungen der Indie Days sowie der Gremientreffen der Verbandsmitglieder sollen erneut im VUT Indie House stattfinden. Hier dient den unabhängigen Musikunternehmern wieder die sanktpaulibar auf der Reeperbahn als fixe Anlaufstelle.

Das Themenspektrum der VUT Indie Days deckt unter anderem gesellschaftliche Problemstellungen ab. So präsentiert der Verband zusammen mit der Amadeu Antonio Stiftung am 20. September ab 12.30 Uhr in Angie's Nightclub eine Diskussionsrunde unter dem Motto "Antisemitismus, Verschwörungstheorien, Musik - Was muss sich ändern?".

Hier wollen unter anderem Bildungsreferent Marius Hellwig von der Amadeu Antonio Stiftung, Springstoff-Geschäftsführerin Anna Groß oder mit Ben Salomo der ehemalige Inhaber und Host des via YouTube verbreiteten Battle-Rap-Formats "Rap am Mittwoch" über Antisemitismus im HipHop und in der Musikbranche oder Songs mit menschenverachtenden Inhalten sprechen sowie über die Möglichkeiten, dieses Gedankengut zu erkennen.

Sie wollen aber auch beleuchten, wie die Musikbranche ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in diesem Bereich nachkommen kann. Ben Salomo hatte im Frühjahr das Ende von "Rap am Mittwoch" verkündet und als Grund dafür unter anderem auf zunehmenden Antisemitismus und Rassismus, Homophobie und Frauenverachtung verwiesen".

Daneben stehen aber auch Fragen der Förderung von Musikunternehmen auf der Agenda, zum Beispiel, wenn Martin Eifler als Leiter des entsprechenden Referats bei der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien mit dem Grünen-Bundestagsmitglied Erhard Grundl, der Hamburger Staatsrätin Jana Schiedek und der VUT-Vorstandsvorsitzenden Désirée J am Festivaldonnerstag ab 17.00 Uhr im East Hotel in einer von Katja Hermes (Sound Diplomacy) geleiteten Runde unter dem Motto "Mehr Förderung, mehr Vielfalt?" über die Initiative Musik und weitere Wirtschaftsförderinstrumente, über Best-Practice-Beispiele auf Länderebene oder eine zeitgemäße Exportförderung diskutieren.

Auch ein aktuelles Schwerpunktthema der internationalen Lobbyarbeit der Musikwirtschaft steht mit auf der Tagesordnung: Am Festivalfreitag ab 13.45 Uhr geht es im Saal des Schmidt Theaters um die Wertschöpfungslücke und das Verhältnis zwischen den Indies und den verschiedenen Playern im weltweiten Digitalmarkt: An der Session "Closing The Power Gap - The Independents' Point Of View" wollen Charlie Lexton, der Chief Commercial Officer und General Counsel der Merlin-Lizenzplattform der unabhängigen Musikwirtschaft, Helen Smith als Geschäftsführerin des europäischen Impala-Dachverbands und Birte Wiemann von Cargo Records als VUT-Vorstandsmitglied teilnehmen.

Die von VUT-Justiziar Reinher Karl geleitete Runde will dabei Fragen des Marktzugangs und der Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen Indies und Plattformbetreibern ebenso beleuchten wie die auf europäischer Ebene nötigen Rahmenbedingungen für kulturelle Diversität, kreatives Schaffen und Innovationen.

Daneben gibt es zudem, passend zum Gender-Thema, auch 2018 wieder ein Get-together der Music Industry Women geben. Den Grundstein für dieses Netzwerk hatte der VUT bereits 2015 ebenfalls im Rahmen des Reeperbahn Festivals gelegt. Am Freitag präsentiert das Netzwerk nun zusammen mit dem französischen Indieverband FELIN die von Désirée Vach geleitete Diskussionsrunde "Founders Talk - How To Start And Run A Music Company" mit anschließenden Speedmeetings, die deutsche und französische Musikunternehmer dazu nutzen können, sich weiter zu vernetzen.

Zu den neu verkündeten Programmpunkten der VUT Indie Days gehört zudem ein Workshop zum Thema GVL. Unter dem Motto "Spielend Geld verdienen mit der GVL - als Musiker, Selbstvermarkter oder reines Label" informieren am Festivaldonnerstag ab 10:00 Uhr in den Räumen der sanktpaulibar gleich zwei Mitarbeiter der Verwertungsgesellschaft über Fragen rund um Anmeldung und Ausschüttung und wollen dabei auch konkrete Fragen der Teilnehmer erörtern, zum Beispiel über das Herstellerportal label.gvl und das Künstlerportal artsys.gvl sowie zur Verwaltung des Repertoires oder von Mitwirkungen an Aufnahmen.

Neben dem Tagesgeschäft und der Lobbyarbeit rücken aber auch Gesundheitsfragen in den Fokus auf der Agenda der Indie Days. Dabei reicht das Spektrum von der von Ronny Krieger, CEO MOD Devices geleiteten Session "Fit, gesund und glücklich in der Musikwirtschaft - Wir zeigen, wie es geht", in der am 20. September ab 13:30 Uhr der Umgang mit den Belastungen des Berufslebens auf der Agenda steht, bis hin zu dem direkt im Anschluss angesetzten Vortrag "Improving An Artist's Mental Health", bei dem Sarah Anna Psalti-Helbig als Mental Health Advocate und Mitglied des Domus Advisory Boards unter anderem über Wege im Umgang mit Angststörungen informieren will.

Unter anderem mit auf der Agenda stehen zudem ein Networking-Treffen, das am Donnerstag ab 16.00 Uhr in der sanktpaulibar den Austausch zwischen den Indies und den im IMUC organisierten Managern befeuern soll; Rechtsanwalt Reinher Karl will bei einem Workshop am Freitagnachmittag am selben Ort ein Update zur Entwicklung rund um die Datenschutzgrundverordnung geben und beleuchtet, ob es nach den ersten vier Monaten der DSGVO Abmahnungen oder Bußgelder gab und welche Verfahrensweisen sich etabliert haben.

Und selbst am Festivalsamstag machen die Indies noch Programm, wenn VUT-Geschäftsführer Jörg Heidemann ab 12.00 Uhr in einem Workshop im Board Room des Arcotel Onyx nicht weniger als "Das Musikuniversum" und das Zusammenspiel der einzelnen Akteure erläutern will. Im Anschluss daran will schließlich Steuerberater Kai Scharff von der steudata-Steuerberatungsgesellschaft noch komplizierte Steuer- und Finanzfragen zu Themen wie Ausländersteuer, Mehrwertsteuer bei künstlerischen Leistungen oder Doppelbesteuerung beantworten.