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Bundesverband startet Kampagne gegen Ticketzweitmarkt

Mit der vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv) initiierten Kampagne "Nein zum Ticketschwarzmarkt" wollen die bdv-Mitglieder Veranstaltungsbesucher künftig über die mit dem Kartenerwerb auf dem Zweitmarkt verbundenen Risiken informieren. Zudem bereitet der bdv eine Schadensersatzklage gegen Viagogo vor.

17.08.2018 12:49 • von Dietmar Schwenger
Macht sich gegen den unautorisierten Zweitmarkt stark: das vom bdv entwickelte Logo "Nein zum Ticket-Schwarzmarkt" (Bild: bdv)

Mit der vom Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv) initiierten Kampagne "Nein zum Ticketschwarzmarkt" wollen die bdv-Verbandsmitglieder Veranstaltungsbesucher künftig über die mit dem Kartenerwerb auf dem Zweitmarkt verbundenen Risiken informieren. Dafür entwickelte der Verband ein auf der Verbandswebsite herunterladbares Logo, das ab sofort unter anderem auf Eintrittskarten, Plakaten, Webseiten von Künstlern und Veranstaltern zu sehen sein wird:

Anlass der Aktion sei die Tatsache, dass zunehmend insbesondere für größere Konzerte, Fußballspiele und andere Events erhebliche Eintrittskartenkontingente durch Zweitmarkthändler aufgekauft würden, die sie dann zu überteuerten Preisen auf eBay oder auch auf spezialisierten Zweitmarktplattformen wie Stubhub, Ticketbande und Viagogo zum Weiterverkauf anböten, heißt es aus Hamburg. Dabei seien Preisaufschläge von 250 Prozent und mehr keine Ausnahme.

Geschädigt würden die Veranstaltungsbesucher, die zumeist davon ausgehen, dass sie die Karte zum Originalpreis erwerben, gleich doppelt: Sie zahlen nicht nur einen viel zu hohen Eintrittspreis, sondern erhalten vielfach nicht die angebotenen, sondern schlechtere Platzierungen oder trotz Zahlung überhaupt keine Karten.

"Wir kämpfen ja schon seit einigen Jahren gegen dieses wachsende Geschwür der Veranstaltungsbranche", sagt bdv-Justiziar Johannes Ulbricht. "Da die Zweitmarkthändler im Netz aber zumeist anonym bleiben oder ihren Sitz im Ausland haben, können sie kaum zur Verantwortung gezogen werden."

Die im bdv organisierten Veranstalter beklagen, dass der Weiterverkauf von Eintrittskarten zu einem profitablen Geschäftsmodell zum Nachteil der Veranstaltungsbesucher, Künstler und ihrer Veranstalter geworden sei. Durch den Ticketzweitmarkt würden Kreativschaffende und Ausrichter die Kontrolle über die Preisgestaltung ihrer Veranstaltung verlieren und somit auch darüber, welchen Preis sie ihren Besuchern maximal zumuten möchten.

Zahlreiche Künstler und Veranstalter fordern deshalb eine gesetzliche Regulierung des Ticketzweitmarkts, wie es sie in Frankreich, England, Belgien, Italien und weiteren Ländern bereits gibt. Der bdv kämpft im Auftrag seiner Mitglieder nun für eine entsprechende Regelung auch in Deutschland. Ziel sei es, dass Preisaufschläge von mehr als 25 Prozent auf im Verkehr befindliche Eintrittskarten verboten werden.

bdv-Präsident Jens Michow begrüßt in diesem Zusammenhang die Entscheidung von Ticketmaster, die Weiterverkaufsplattformen Seatwave und Get Me In zu schließen: "Die Entscheidung von Ticketmaster ist weitsichtig. Es ist eine Entscheidung für das Publikum, für die Künstler und damit eine Entscheidung für Qualität und Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche."

Da die Haftungsfreistellung für E-Commerce-Plattformen leider noch immer ausgenutzt werde, um die Augen vor illegalen Geschäften zu verschließen und auf diese Weise erhebliche Einnahmen zu generieren, bestehe aber weiterhin gesetzgeberischer Handlungsbedarf, betont Michow. "Nicht nur Viagogo, sondern auch eBay und andere Plattformen ignorieren unsere Hinweise auf illegale Kartenangebote, anstatt sie zu sperren. Im Fall von Viagogo bereiten wir derzeit eine Schadensersatzklage vor."