Unternehmen

Kölner Firmenfamilie schreibt Erfolgsgeschichte fort

01.08.2018 10:01 • von Jonas Kiß
Anfang Januar nach einem ausverkauften Konzert in Berlin mit Gold für das Album ?Anthrazit? von RAF Camorra (von links): Labelmanager Kristof Jansen (Groove Attack), RAF Camora, dessen Manager Ronny Boldt (Geschäftsführer Indipendenza) und Frank Stratmann (Geschäftsführer Groove Attack) (Bild: Shaho Casado)

»2017 war für Groove Attack das beste Jahr in der Firmengeschichte und auch das beste Jahr, seit wir am 1. August 2008 GoodToGo aus der Taufe gehoben haben«, sagt Frank Stratmann|U im Gespräch mit MusikWoche. Vor zehn Jahren hatten Stratmann und der ebenfalls als Geschäftsführer agierende Heribert »Mue« Meuser|U mit Groove Attack gerade Rough Trade von Bertelsmann übernommen, und . Der Schritt erwies sich als eine Erfolgsgeschichte, wie Stratmann berichtet - und unter anderem auf wachsende Umsätze verweist.

Im ersten Jahr habe die neu formierte Firmenfamilie damals noch Einnahmen in Höhe von 25,6 Millionen Euro erzielt, im vergangenen Jahr seien es bereits Umsätze von 55,4 Millionen Euro gewesen: »Ein Plus von 116 Prozent«, rechnet Stratmann vor. Nur im Geschäftsjahr 2015/2016 habe es »einen kleinen Knick« gegeben. Unterm Strich seien zudem auch die Erträge stets gewachsen.

Profitiert habe man zuletzt unter anderem von HipHop und Streaming: »Wir sind der führende Vertrieb in Sachen deutscher HipHop«, streicht Stratmann heraus. So habe GoodTo- Go 2017 im Bereich HipHop national bei den Alben laut Auswertungen von GfK Entertainment einen kumulierten Chartsanteil von mehr als 34 Prozent erreicht, den man im ersten Quartal 2018 auf über 40 Prozent habe steigern können. Bei den Singles wuchs der Chartsanteil von 39,6 Prozent im Jahr 2017 zuletzt auf 47,7 Prozent im ersten Quartal 2018.

Noch besser sieht es laut dem GoodToGo-Boss aus, wenn man nur den Streaminganteil der Singlescharts betrachtet, »auf den derzeit alle schielen«: Hier legte das Kölner Unternehmen von 41,6 Prozent im Jahr 2017 auf nunmehr 50,9 Prozent im ersten Quartal 2018 zu. »Das kann gern so bleiben.«

»Trotz der Zuwächse in diesem Bereich vernachlässigen wir aber auch die Labels und Künstler aus anderen Genres keinesfalls«, betont Stratmann, und nennt unter anderem mit Philipp Poisel und dessen viertem Album bei Grönland, auf die Zusammenarbeit mit Mascot, zum Beispiel in Sachen Joe Bonamassa, auf Veröffentlichungen bei Domino, Out Of Line, AWAL oder PIAS sowie im laufenden Jahr auf Erfolge mit Acts wie den Arctic Monkeys, Kärbholz oder Doro. Firmenintern würden die Zuwächse im Streaming keineswegs für Spannungen zwischen den Digitalexperten und den Verfechtern von handgemachter Musik und physischen Tonträgern sorgen, sagt Stratmann. »Wir werden weiterhin versuchen, eine große Bandbreite anzubieten und auf allen Formaten und Kanälen stark zu sein - nicht bloß bei deutschem HipHop im Streaming.«

Zwar sei es in manchen Genres schwieriger geworden, »aber auch hier wird die Zeit kommen, wo es wieder Zuwächse gibt. Deshalb vernachlässigen wir keinen Bereich. Trends verlaufen immer in Zyklen und auch Rock, Alternative und andere Genres werden wieder mehr die Jugend ansprechen, es ist alles nur eine Frage der Zeit, jedoch wird auch dann HipHop weiterhin stark sein.«

Auch die Wünsche der Künstler oder den physischen Handel wolle man nicht vernachlässigen: »Wir denken nicht nur ans Streaming: Wenn ein Künstler ein physisches Produkt vermarkten will, bieten wir ihm ein umfangreiches Dienstleistungspaket. Und solange es da draußen einen Markt dafür gibt und Kunden eine LP, eine limitierte Box oder eine CD haben wollen, haben wir weiterhin die besten Voraussetzungen, diesen Kunden zu erreichen.« Deshalb sei man bei Rough Trade, Groove Attack und GoodToGo auch »weiterhin davon überzeugt, den 100-prozentigen Service leisten zu wollen, und nicht einen Bereich drastisch herunterzufahren«.

Aber auch eine Erfolgsgeschichte kann einmal eine Kerbe davontragen. So sorgte 2017 im Bereich der Logistik der Wechsel zu Cinram samt der anschließenden Insolvenz dort und der Übernahme durch Avos zeitweise für erhebliche Probleme bei der Auslieferung von Bestellungen an den Handel: »Die Krise haben wir überstanden, indem wir sehr viel Arbeit investiert und alle gemeinsam an einem Strang gezogen haben«, berichtet Stratmann. Mit dem hier inzwischen erreichten Status quo sei er zufrieden.

Mit der Gründung von GoodToGo zum 1. August 2008 sei man seiner Zeit »zehn Jahre voraus« gewesen, macht Stratmann klar. »Wir haben GoodToGo als neutralen Vertriebsdienstleister konzipiert und aufgesetzt, samt Anbindung an Phononet und unsere Warenwirtschaft, so dass wir diesen Service allen Vertrieben anbieten können, die daran Interesse haben.« Die ersten beiden, die dieses Angebot nutzen, waren dann Groove Attack und Rough Trade, 2017 kam zudem Delta hinzu, bleibe dabei aber weiterhin vollständig unabhängig.

»So, wie wir diese Leistungen anbieten, verfügen wir in Deutschland über ein Alleinstellungsmerkmal«, ist sich Stratmann sicher. Derzeit gebe es großes Interesse weiterer potenzieller Partner. »Wir sind schon damals von einer anstehenden Konsolidierung im Vertriebsbereich ausgegangen, dass es knapp zehn Jahre dauern würde, bis sich die ersten Kunden anschließen, hätte ich allerdings nicht gedacht.« Stratmann zeigt sich zuversichtlich, für Anfang 2019 die nächsten Abschlüsse verkünden zu können. »Dieses Konzept versetzt uns in die Lage, die Umsatzeinbußen im physischen Markt aufzufangen«, sagt Stratmann. Das gelte auch für Partner, die zum Beispiel von sinkenden Kosten im Logistikbereich profitieren würden. »Durch das Volumen, das wir gemeinsam erreichen, liefern wir auch an kleinere Märkte sehr häufig aus. Ein Vertrieb, der sich uns anschließt, erweitert dadurch vermutlich sogar seinen Kundenstamm im Handel.«

Auch mit anderen Entwicklungen habe man sich oft als Vorreiter gezeigt, sagt Stratmann mit Verweis auf den bereits 2004 angestoßenen Aufbau einer eigenen Digitalsparte oder auf die einstige Einführung eines B2B-Portals. Das gewähre in der aktuellen Version Partnern im Handel, bei Labels oder Künstlern die nötige Transparenz formatübergreifend von einzelnen Bestellungen bis hin zur Platzierung von Titeln in verschiedenen Playlists und deren Abrufen dort. Zudem habe man schon beim Aufkommen der Musikdownloads mit Vorbestellfunktionen einen Standard gesetzt, im Streamingzeitalter rücke nun die bei GoodToGo sogenannten Pre-Book-Funktion, bei der jeder neu verfügbare Track personalisiert bei den Fans in deren Playlists geladen werde, in den Fokus. »Auch hier waren wir in Deutschland ganz vorn mit dabei.«

Stratmann sieht die Summe all dessen als Garant für eine auch weiterhin positive Entwicklung: »Die partnerschaftliche und Service-orientierte Zusammenarbeit, aber auch die Umsetzung von Innovationen im physischen und im digitalen Bereich haben dazu geführt, dass viele Labels zu uns gekommen sind und wir miteinander unsere Umsätze steigern konnten.«