Unternehmen

Hochfliegende Visionen in der Musical-Welt

30.07.2018 10:00 • von Jonas Kiß
Läuft ab April 2019 im Stage Theater Neue Flora in Hamburg: »Cirque Du Soleil Paramour« von Stage Entertainment (Bild: Stage Entertainment)

»Musicals erfreuen sich weiterhin hoher Nachfrage - das sehen wir sowohl bei unseren eigenen Produktionen als auch bei den vielen Produktionen, die wir als lokale Veranstalter betreuen«, sagt Oliver Forster|U, COFO Entertainment. »Dennoch ist der Markt aufgrund des hohen Angebots sehr eng geworden. Die Musical-Klassiker funktionieren nach wie vor - vor allem, wenn die Produzenten es schaffen, die Stücke jung zu halten oder zu erneuern, wie das beispielsweise bei >Starlight ExpressTanz der VampireWachsen mit Musicalbiographien

Doch Forster weiß, dass gerade die Fans der legendären Künstler, deren Vita nun auf die Bühne gebracht wird, sehr kritisch sind. Deswegen gelte es drei drei Dinge unbedingt zu beachten, merkt er an. Erstens brauche es perfekte Darsteller, die den Star gesanglich, mimisch und schauspielerisch authentisch auf die Bühne bringen. Zweitens müssten die Band, der Sound und die Bühnen-Performance zu 100 Prozent stimmen und drittens müsse die »Inszenierung der Legende huldigen - und dennoch auch Rückschläge oder Schattenseiten einbinden. »Werden diese Punkte beachtet, kommen Musical- wie Musik-Fans gleichermaßen auf ihre Kosten.« Die eigenen Analysen von COFO hätten gezeigt, dass man mit den Musicalbiographien zum einen neue Zielgruppen für das Genre Musical erschließen könne, zum anderen sei es gelungen, viele Stammkunden zu finden, die dieses Format für sich entdeckt hätten. »Mit >Falco - Das MusicalMary PopppinsAnastasiaKein einheitlicher Trend am Broadway

Ralf Kokemüller|U, CEO BB Promotion, will dagegen unter den neuen Musicals am Broadway aktuell keinen einheitlichen Trend ausmachen: »Geschichten, die sich an ein junges Publikum wenden wie >Dear Evan HansenThe Bands VisitFrozen< von Disney, die auch reüssieren. Als Quintessenz könnte man festhalten, dass ein relevantes Thema, umgesetzt mit großartigen theatralischen Mitteln, genauso erfolgreich sein kann wie die Megashow mit großem Aufwand. Size does not matter.« Als neue Entwicklung sieht Maik Klokow, Geschäftsführer Mehr! Entertainment, aufwändige, mit Musical-Elementen angereicherte Produktionen wie »Harry Potter und das verwunschene Kind«, das er gemeinsam mit der BB Group (siehe Seite 22) im Frühjahr 2020 als »den weltweit größten Theatererfolg« nach Hamburg holt. »Im deutschen Markt gibt es keine vergleichbare Theaterproduktion dieser Dimension. Das Stück wird in zwei Teilen aufgeführt, ein Novum auch für die Theater- und Musicalbranche. Diese Produktion setzt somit vielfach neue Maßstäbe für Live Entertainment in Deutschland «, ist sich Klokow sicher.

Von einem anderen Trend profitiert Marcell Gödde|U, Geschäftsführer des auf Kindermusicals wie »Conni & Co.« spezialisierten Kölner Unternehmens Cocomico. »Wir sind nun seit 30 Jahren im Markt und stellen fest, dass zum einen die Nachfrage nach kindgerechten Stoffen nach wie vor steigt, gleichzeitig gibt es aber auch einen schnelleren Austausch unserer Kundschaft als früher, zudem sind die Kunden kritischer als zuvor.« Darüber hinaus hat Gödde, der Cocomico as Familienbetrieb gemeinsam mit seiner Frau führt, festgestellt, dass nun auch die ersten »Netflix- Kinder«, wie er das formuliert, in den Theatern und Musicalhallen sitzen. »Viele von ihnen schauen kein lineares Fernsehen mehr und kennen deswegen zum Teil all die Marken und Figuren nicht, die bislang die Basis für Produktionen wie unsere gebildet haben.« Auf diese Digitalisierung müsse man mit entsprechenden Angeboten reagieren, wobei Gödde zwei aktuelle Trends in der aktuellen Kindermusical- Szene ausmacht. »Manche Produktionen versuchen mit minimalem Personal- und Technikaufwand auszukommen, während die Big Player immer mehr Technik wie etwa riesige Leinwände auffahren, in den großen Hallen dann aber vermehrt mit Playback arbeiten.« Dagegen setzt Cocomico auf einen Mittelweg. »Man muss authentisch bleiben, Handgemachtes zeigen und nicht vergessen, dass Kunst von Können kommt.«