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Abschmelzende CD-Berge machen Duplizierern keine Angst

Das erste Halbjahr sorgte im deutschen Markt bei Tonträgern erneut für ein zweistelliges Minus. Selbst das Wachstum beim Vinyl flacht ab. Akteure aus der Fertigung analysieren, was das für den Wettbewerb, für die Preise oder die Qualität bedeutet.

09.07.2018 09:45 • von Jonas Kiß
- (Bild: pixabay.com)

Das erste Halbjahr sorgte nach Informationen von MusikWoche im deutschen Markt bei Tonträgern erneut für ein zweistelliges Minus. Selbst das Wachstum beim Vinyl flacht ab. Akteure aus der Fertigung analysieren, was das für den Wettbewerb, für die Preise oder die Qualität bedeutet.

»Den sukzessiven Rückgang beim physischen Produkt kennen wir bereits seit Jahren«, stellt Sven Deutschmann fest, Geschäftsführer von Sonopress. »Wenn wir uns als Anbieter in diesem hoch-kompetitiven Markt auch künftig behaupten wollen, dann müssen wir Performance und Qualität auf höchstem Niveau halten.« Die abflachende Kurve im Vinylgeschäft wundert Deutschmann nicht: »Dass die hohen Wachstumsraten nicht jedes Jahr aufs Neue zu toppen sind, dürfte ja wohl jedem klar gewesen sein.«

»Die Einbrüche in der CD-Herstellung sind keine neue Entwicklung für unser Unternehmen«, berichtet Sandra Fritzsch, Commercial & Administration Director MPO Audio & Video. Der Rückgang sei bereits seit einigen Jahren zu beobachten, daher habe man bei MPO schon frühzeitig begonnen, die Kapazitäten in der Produktion entsprechend anzupassen. Bei der Entwicklung im Vinylgeschäft sei ein Abflachen der Kurve derzeit bei MPO noch nicht zu bemerken: »Im Gegenteil, unsere Produktion ist nach wie vor sehr stark ausgelastet. Nichtsdestotrotz glauben auch wir, dass das Vinyl seinen Zenit mehr oder weniger erreicht hat, jedoch auf einem ordentlichen Niveau bleiben wird.«

Bei optimal media, der Dienstleistungstochter der Edel AG, zeigt man sich derweil »mit dem Vinylgeschäft im laufenden Geschäftsjahr sehr zufrieden« und erwartet »im Vergleich zum Vorjahr nochmals eine Steigerung der Stückzahlen«, wie Prokuristin Grit Schreiber betont. Die Nachfrage übersteige hier weiterhin die verfügbaren Kapazitäten, weshalb man am Standort in Röbel/Müritz auch nach dem abgeschlossenen Ausbau der Druckerei weiter ins Vinyl investieren will.

»Den Einbruch bei der CD können wir in unserem Unternehmen so nicht bestätigen«, unterstreicht auch Arno Weger, Geschäftsführer von kdg newmedia. »Ganz im Gegenteil: Die Zahlen in der CD-Herstellung sind in Summe relativ stabil, allerdings steigt die Zahl der Klein- und Kleinstaufträge, und wir erkennen einen klaren Trend hin zur On-Demand-Fertigung.« Vinyl fertigt kdg zwar nicht selbst, beobachtet die Entwicklung aber genau: »Die Euphorie ist ungebrochen, bei der World of Physical Media Conference der Media-Tech Association vor wenigen Wochen in Eindhoven hat Vinyl nach wie vor allen anderen physischen Formaten die Show gestohlen«, weiß kdg-Manager Weger.

»Die Talsohle für den Absatz optischer Medien ist noch nicht erreicht«, prognostiziert Katja Kühn von Master & Servant. »Was die Preisgestaltung anbetrifft, gibt es keinen weiteren Spielraum, denn CDs sind bereits grenzwertig günstig in der Herstellung.« Bei Master & Servant setze man deshalb auf eine höhere Produktattraktivität und Premiumangebote: Die Entwicklung im Vinylgeschäft sieht sie differenziert: »Die Wachstumskurve mag insgesamt abflachen, Attraktivität und die Chancen des Formats sind jedoch ungebrochen«, zeigt sich Kühn zuversichtlich. Sie streicht heraus: »Es waren die Indie-Labels, die zuerst auf das Revival der Schallplatte setzten. Die Majors sprangen später auf den fahrenden Zug.« Daraufhin seien zahlreiche Rock-Highlights aus dem Backkatalog vermarktet worden: »Der Bruce-Springsteen-Sammler ist aber irgendwann bedient; und das Strohfeuer dieser Re-Releases geht langsam zu Neige«, weiß Kühn.

»Wir können auf eine tolle Schallplattenentwicklung zurückblicken«, bilanziert Carsten Haupt, der als Managing Director mit Celebrate Records in diesem Jahr das 20. Jubiläum feiert. »Die Stückzahlen und der Umfang an Verpackungsmodellen gingen in den letzten Jahren stetig nach oben.« Haupt selbst setzt bei Celebrate Records im Erzgebirge weiter auf Vinyl: »Wir haben auch 2018 weiter in unsere Technik investiert und das ist auch in der Planung für 2019 vorgesehen. So konnten wir im Galvanikbereich, in der Papierweiterverarbeitung und am Herzstück einer Vinylpressung, also an den Pressen selbst, neue Modelle installieren, um für gleichbleibende beziehungsweise noch bessere Qualität zu sorgen.«

Christoph Diekmann, Executive Director der Pure Audio Group, rechnet fest damit, dass sich die Aufwärtstendenz beim Streaming und der Rückgang der CD weiter fortsetzen: »Vinyl hat die Spitze vermutlich bereits hinter sich, wird aber weiterhin ein attraktives Nischenprodukt sein«, erwartet Diekmann. »Neben diesen drei Auswertungsformen bestehen aber auch weitere, und eine Gesamtbetrachtung erscheint mir immer wichtiger.« Diekmann wirbt in diesem Zusammenhang für hochauflösende Formate wie die Pure Audio Blu-ray: »Sie speichert die in Studios erzeugten Hi-Res-Aufnahmen in Stereo und bietet Surround Sound. Aber auch die neuen immersiven Klangformate wie Dolby Atmos, dts:X oder Auro 3-D finden auf ihr Platz und bieten neue kreative Möglichkeiten für Musiker und Produzenten: Musik in einer neuen Dimension.«

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