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O-Ton Marit Posch: "Hier geht alles Hand in Hand"

22.06.2018 10:41 • von Jonas Kiß
Gründete 2009 Monkeytown Records: Marit Posch (Bild: Birgit Kaulfuss)

Die Music Business Summer School gliedert sich in die drei Sparten Publishing, Live Entertainment und Recorded Music. Greifen diese Bereiche heute nicht mehr und mehr ineinander?

Ja, mehr denn je. Eigentlich kann es sich ein Label heutzutage gar nicht mehr leisten, keinen eigenen Verlag oder eine hauseigene Booking-Agentur zu haben. Und andererseits drängen zum Beispiel Booking-Agenturen die Künstler und damit gleichzeitig die Labels, Musik zu veröffentlichen, damit die Nachfrage nach Gigs größer ist. Und auch Verlage profitieren natürlich von Releases und Liveauftritten. Hier geht alles Hand in Hand und ist im besten Fall sehr gut verzahnt, selbst wenn es nicht alles in einer Hand liegt: Ein Release wird veröffentlicht, was von allen Seiten promoted wird, es gibt eine Tour dazu und der Verlag hat einen guten Synch-Deal gelandet - das ist der Traum eines jeden Künstlers - und auch des Labels.

Wie macht sich das am Beispiel von Monkeytown bemerkbar?

Wir versuchen, wirklich langfristig mit Künstlern zu arbeiten und ihnen in allen Bereichen Unterstützung anzubieten: Label, Verlag und Booking. Wir haben unseren eigenen Verlag und machen für bestimmte Projekte und Künstler auch inhouse das Booking. Das hat den Vorteil, dass man alles gut miteinander koordinieren und so alles gemeinsam planen und anschieben kann. Jeder hat, idealerweise, denselben Wissensstand und arbeitet im selben Zeitfenster. Aber auch wenn wir nicht alle Bereiche für den Künstler betreuen, versuchen wir jeweils mit den entsprechenden Partnern des Künstlers eng zusammen zu arbeiten.

Wie hat sich die Arbeit des Labels seit der Gründung verändert?

Ein Label muss meiner Meinung nach mehr Aufgaben wahrnehmen als früher - was früher Managementaufgaben waren, macht heute oft das Label mit, gerade bei kleineren Labels. Der Kontakt zum Künstler ist sehr eng und man versucht, ein gutes und langfristiges Verhältnis auszubauen. Man ist außerdem Berater und strategischer Helfer. Es gibt täglich so viele Releases ... Da ist es wichtig, dass man sich fokussiert und wirklich nur die Sachen macht mit den Künstlern, bei denen man sich des Potenzials sicher ist. Das muss nicht heißen, dass es immer um Hits geht - es kann auch das eklektische Avantgarde-Album sein, das man aber in seinem Label-Katalog haben möchte, weil es eben genauso zum Profil passt. Durch die Digitalisierung haben sich natürlich sowohl die Formate als auch die Kampagnenplanungen verändert - es reicht nicht mehr, genügend physische Tonträger herzustellen und dem Vertrieb einen Waschzettel mit Infos und Presse-Resultaten abzuliefern, sondern man muss vorrangig an digitalen Kampagnen arbeiten. Dazu gehören unter anderem Sachen wie Playlisten-Pitching, Social- Media-Kampagnen oder Influencer- Pitching. Und mehr denn je muss man die Fans so direkt wie möglich an sich binden - durch Newsletter, durch einen eigenen Webshop und entsprechende Verkaufsaktionen sowie durch guten Social Media Content.

Hat Streaming einen Einfluss auf den digitalen Vertrieb und neue Vermarktungsstrategien?

Ja, auf jeden Fall! Downloads und digitale Sales gehen immer mehr zurück, der Musikonsum durch Streaming steigt. Es geht bei digitalen Strategien vornehmlich darum, in Playlisten reinzukommen, die Fans dazu zu bekommen, die Tracks in ihre Playlisten zu ziehen, die Track-Links in den sozialen Medien zu teilen oder ein Musikvideo oft abzuspielen. All das generiert auf Dauer die relevanten Umsätze. Auch wenn physische Produkte immer noch die meisten Revenues und den besten Payback darstellen, sind sie nach einer gewissen Zeit entweder ausverkauft, weil sie limitiert sind, oder werden kaum noch gekauft. Streams bleiben bestehen und bilden oft die Basis der Einkünfte für den Künstler, was die Verwertung seines Werks betrifft. Wenn ein Künstler gut etabliert ist, bleiben die Streams über die Jahre auf ungefähr demselben Niveau und steigen idealerweise nach jedem Release.

Sind die Module bei der Music Business Summer School strikt getrennt oder gibt es auch interdisziplinäre Angebote auf dem Stundenplan?

Es soll idealerweise auch einige gemeinsame Module geben, etwa beim Urheberrecht, Datenschutz und den Verwertungsgesellschaften. Wir hoffen, dass das zeitlich dann auch klappt, da jedes Modul natürlich einen eigenen Stundenplan hat und einer eigenen Dramaturgie folgt.

Zur Person

Nach erfolgreichem Abschluss beider Staatsexamen in Rechtswissenschaften begann Marit Posch ihre Laufbahn im Musikgeschäft 2005 als Head Of PR beim Berliner Label BPitch Control. 2008 fing sie als Bookerin bei Magnet Musik an. Zur gleichen Zeit übernahm sie erste Managementaufgaben für das Berliner Techno-Duo Modeselektor. 2009 gründete sie zusammen mit Gernot Bronsert und Sebastian Szary von Modeselektor sowie Raymond Merkel das Label Monkeytown Records. Dort hat sie seither in allen Bereichen des Label-Business wie PR, Verlag, Webshop, Label Management oder Product Management gearbeitet und nebenher die Managementtätigkeit für Modeselektor weiter ausgebaut.