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Umfrage: Hallen glänzen digital

In einem vermeintlich analogen Geschäft, bei dem Künstler live in einer Spielstätte auftreten, hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. MusikWoche fragte die Betreiber ausgewählter Arenen, welche Rolle das Digitale bei ihnen spielt.

16.05.2018 10:37 • von Jonas Kiß
Bietet einem analogen Geschäft ein digitales Zuhause: die von Velomax betriebene Max-Schmeling- Halle (Bild: Fotostudio M2 Ulrich Moeres)

In einem vermeintlich analogen Geschäft, bei dem Künstler live in einer Spielstätte auftreten, hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. MusikWoche fragte die Betreiber ausgewählter Arenen, welche Rolle das Digitale bei ihnen spielt.

»Das Thema Digitalisierung beschäftigt selbstverständlich auch unsere Arbeit in der König-Pilsener-Arena«, sagt Henrik Häcker, General Manager der von SMG betriebenen König-Pilsener-Arena in Oberhausen. Besonders in den vergangenen zwei Jahren habe man sich digital umfassend neu aufgestellt und die Arbeitsweise professionalisiert. »Wenn Sie heute das Foyer der Arena betreten, wird Ihnen auffallen, dass wir die vorhandenen analogen Werbeflächen fast ausschließlich durch digitale Werbeflächen ausgetauscht haben. Mit mehr als 70 Digital Signage Screens im gesamten Besucherbereich der König-Pilsener-Arena haben wir nicht nur die Möglichkeit, unseren Werbekunden eine größtmögliche Flexibilität zu gewährleisten - auch unsere Besucher genießen durch stets aktuelle Besucherinformationen zu dem jeweiligen Event einen verbesserten Service.«

Mit dem Relaunch der Seite www.koenig-pilsener-arena.de habe man zudem einen Fokus auf die Informationssuche für Besucher sowie die Einbindung der eigenen Social-Media-Kanäle gesetzt; gleichzeitig arbeite man derzeit an einem 360-Grad-Blick für die Buchung von Eintrittskarten. »Wir sind sehr stolz darüber, dass die König-Pilsener-Arena die erste Multifunktionsarena in Deutschland war, die für ihre Besucher einen eigenen WhatsApp-Service angeboten hat und diesen bis heute sehr intensiv betreut und pflegt.« Auch arbeite die Halle mit Hochdruck an einer optimalen Lösung für ein frei zugängliches Besucher-WiFi und wolle noch 2018 ein Cashless-Payment- System an den Gastronomieständen einführen. Neben der Einstellung eines eigenen IT-Managers will sich die Kö-Pi-Arena vor allem im Bereich des digitalen Marketings breiter aufstellen.So bildet ab August der Leiter für Marketing & Kommunikation, Florian Wels, erstmals einen Kaufmann/eine Kauffrau für Marketingkommunikation aus. »Somit erschaffen wir uns eigenständig das Führungspersonal von morgen und legen dabei einen besonderen Wert auf die Herausforderungen und Chancen in der Digitalisierung der König-Pilsener-Arena.«

Auch für Andreas Kroll, Geschäftsführer in und zugleich Betreiber eines eigenen Ticketsystems für die von der Gesellschaft betriebenen Spielstätten, ist die Digitalisierung »natürlich schon lange« ein Thema. »Unser Easy Ticket Service hat sich vom einstmals klassischen Ticketvertrieb längst zu einem digitalen Anbieter entwickelt. Egal ob Onlineverkauf, Print-at-Home- Tickets, Mobile-Ticket oder elektronische Einlasskontrollsysteme - die Möglichkeiten sind alle umsetzbar und werden veranstaltungsbedingt eingesetzt.« Und mit den Hallen oder Veranstaltungen sei man online und in den sozialen Netzwerken präsent. »Dazu gehören immer wieder Verlosungsaktionen oder Gewinnspiele, bei denen wir unsere User aktiv einbinden - das gilt ebenso für einen regelmäßigen Newsletter-Versand.«

Eine Besonderheit sei die Kooperation mit der SWR1-Hitparade, wie Kroll erläutert. »Eine Radiosendung wird dabei zum Live-Act in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Rund 8500 Besucher feiern die Präsentation der jährlichen Top-20-Hits quasi digital in der Arena, und die Hitparade geht im Laufe des Abends in ein Livekonzert über mit bekannten Bands und Sängern.« Die Digitalisierung ermögliche neue Spielräume. So sei es durchaus möglich, dass man die Besucher digital über aktuelle Verkehrslagen informiere. »Eine ganz andere Variante setzen wir seit einigen Jahren bei unserem Internationalen Reitturnier Stuttgart German Masters ein. Hier können die Reitsportfans unter dem Motto >Spectator Judging< über eine spezielle App aktiv die Dressurprüfungen bewerten - ein Angebot, das unser Publikum gern annimmt. Die Bewertungen sind oft sehr nahe an den Ergebnissen des offiziellen Richtergremiums.«

Karolin Gramsch, Geschäftsführerin Tempodrom, betont, dass »analog in der Tat fast nur noch die Veranstaltung an sich« sei. »Ein Großteil anderer Prozesse - wie Ticketing, Promotion oder Besucherkommunikation - verlagert sich immer mehr auf die digitale Ebene. Hier ist für uns die große Herausforderung, den unterschiedlichen Wünschen unserer Besucher und Kunden gerecht zu werden - sowohl den jungen Digital Natives als auch den postalischen und telefonischen Anfragen älterer Gäste.«

Was Rainer Appel (CTS Eventim), Sebastian Rüß (Velomax), Uwe Frommhold, (Anschutz Entertainment Group Germany), Andreas Adolph (ÖVB-Arena Bremen), Matthias Kölmel und Philipp Franke (Arena Leipzig), Daniel Hopp (SAP Arena Mannheim), Uschi Ottersberg und Moritz Jaesche (Jahrhunderthalle Frankfurt), Marion Schöne (Olympiapark München) und Christof Strimitzer (Messe Congress Graz) zu berichten wissen, lesen Abonnenten in MusikWoche Heft 19/2018 oder .