Unternehmen

Deutscher Musikmarkt 2017 hauchdünn unter dem Vorjahr

Kleine Delle im deutschen Musikmarkt: Die Umsätze im Geschäft mit Recorded Music lagen 2017 um 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das zeigt die Bilanz des Bundesverbands Musikindustrie. Während Streaming weiter kräftig wuchs, geriet die CD stärker unter Druck, stellte aber immer noch das umsatzstärkste Format.

01.03.2018 10:01 • von
Die digitale Zeitenwende steht trotz der dynamischen Entwicklung im Streaming noch aus: mehr als die Hälfte der Umsätze der deutschen Musikindustrie im Bereich Recorded Music stammt noch immer aus dem Verkauf von physischen Tonträgern. (Bild: Bundesverband Musikindustrie; GfK Entertainment)

Kleine Delle im deutschen Musikmarkt: Die Umsätze im Geschäft mit Recorded Music lagen 2017 um 0,3 Prozent unter dem Vorjahreswert. Das zeigen die Zahlen, die der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) am 1. März 2018 vorlegte. Demnach beliefen sich die Einnahmen der Musikunternehmen aus dem Verkauf von CDs, Schallplatten, DVDs und Downloads sowie aus der Vermarktung von Musik über Streamingdienste auf 1,588 Milliarden Euro; nach Endverbraucherpreisen und inklusive Mehrwertsteuer. Im Jahr 2016 lag dieser Wert noch bei 1,593 Milliarden Euro. Beim BVMI sieht man den Musikmarkt 2017 damit "annähernd stabil" und spricht von einem leichten Minus gegenüber 2016.

Allerdings erhielt die Wachstumsgeschichte der vergangenen vier Jahre damit einen Dämpfer: hatte das deutsche Musikgeschäft die Trendwende geschafft und wies erstmals seit 15 Jahren ein Umsatzplus von 1,2 Prozent aus, lagen die Zuwächse bei 1,8 Prozent, ging es um 4,6 Prozent bergauf und immerhin um drei Prozent. Zum fiel ebenfalls noch ein Umsatzplus an.

Die Ursachen für die nun eingefahrene Delle liegen zumindest auf den ersten Blick im physischen Bereich: Denn während Streaming weiter kräftig wuchs, geriet die CD unter Druck - die Stimmung im Markt und im Handel hatte sich im Laufe des zweiten Halbjahres und vor allem im weiterhin bedeutenden Weihnachtsgeschäft merklich eingetrübt - stellte aber dennoch weiterhin das umsatzstärkste Format im deutschen Musikmarkt.

Die digitale Zeitenwende steht derweil hierzulande weiterhin aus: Zwar legte der Digitalmarkt von Anfang Januar bis Ende Dezember 2017 um 22,7 Prozent zu und steuerte übers Jahr 46,6 Prozent zu den Einnahmen der Musikunternehmen bei, damit lag das Geschäft mit Tonträgern und Bildtonträgern aber mit einem Umsatzanteil von 53,4 Prozent auch 2017 noch immer vorn, gab allerdings im Vorjahresvergleich um 14,3 Prozent nach.

Bei den einzelnen Formaten verbuchte das Audiostreaming im Jahr 2017 ein Umsatzplus von 42,8 Prozent und kommt als zweitwichtigster Umsatzbringer hinter der CD inzwischen auf einen Marktanteil von 34,6 Prozent, die Umsätze mit dem Verkauf von Downloads brachen um 19,3 Prozent ein und gingen auf einen Marktanteil von nur noch 9,9 Prozent zurück. Im physischen Bereich wuchs das Vinyl weiter, allerdings nicht längst nicht mehr so stark wie in den Jahren zuvor. Mit einem Plus von noch 5,1 Prozent - vor Jahresfrist lagen die Zuwächse noch bei gut 40 Prozent - steuerten LPs und andere Vinylformate im Gesamtjahr 2017 einen Anteil von 4,6 Prozent der Umsätze bei.

2016 kam die CD als größter Umsatzbringer noch auf einen Marktanteil von 53,8 Prozent; Platz zwei belegte vor Jahresfrist estmals das Streaming mit 24,1 Prozent der Umsätze. Während die CD also im Vorjahresvergleich nach Marktanteilen 8,4 Prozentpunkte eingebüßt hat, steigerte Streaming seinen Anteil um gut zehn Prozentpunkte.

"Wir sehen weiterhin eine starke Zugkraft im Musikstreaming, und das zeigt, dass die Diversifizierungsstrategie der Branche greift", sagte der BVMI-Vorstandsvorsitzende Florian Drücke bei der Vorlage der Jahresbilanz. Die zunehmende Digitalisierung des Marktes bewertet Drücke positiv, streicht jedoch heraus: "Je größer der Digitalanteil wird, desto wichtiger ist aber auch, dass die Refinanzierbarkeit von Inhalten im digitalen Raum sichergestellt ist, das heißt: Jede Form der Onlinenutzung muss an Lizenzen geknüpft sein, die am Markt verhandelt werden."

Und hier zeigt sich, dass die Ursachen für die nun eingefahrene Delle auf den zweiten Blick auch im digitalen Bereich liegen: "Nach Untersuchungen unseres Dachverbandes IFPI findet derzeit knapp die Hälfte des Musikstreamings in Deutschland über Videostreamingdienste wie zum Beispiel YouTube statt, die aktuell zusammen aber nur 1,9 Prozent zum Umsatz beitragen - dem stehen 34,6 Prozent gegenüber, die durch die Premium- und werbefinanzierten Angebote der Audiostreamingdienste erlöst werden", rechnet Drücke vor. "Das ist ein inakzeptables Ungleichgewicht, das wir als 'Value Gap' bezeichnen."

Hier sieht der BVMI-Vorstandsvorsitzende nun die Politik am Zug: "Insofern ist es höchste Zeit und sehr zu begrüßen, dass sich Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag sehr explizit zur Beteiligung der Plattformen an der Refinanzierung bekennen und damit ein Level Playing Field im Onlinebereich schaffen wollen. Ob dieser Koalitionsvertrag zur Anwendung kommt, wird sich bekanntlich in diesen Tagen zeigen. Tatsache ist, dass beim Thema Value Gap auf europäischer Ebene im Interesse der Kreativen und ihrer Partner keine Zeit zu verlieren ist."