Unternehmen

Grammy fürs "Best Historical Album" erstmals an ein deutsches Projekt

Als die Recording Academy kürzlich ihre Grammys an Künstler wie Kraftwerk verlieh, ging noch eine weitere Ehrung an ein deutsches Projekt: Denn in der Kategorie "Best Historical Album" hieß der Gewinner "Leonard Bernstein - The Composer".

02.02.2018 17:00 • von Jonas Kiß
Wurden digital überarbeitet: Historische Aufnahmen von Leonard Bernstein (Bild: Sony Music Classical International)

Als die Recording Academy am Abend des 28. Januar 2018 ihre Grammy Awards beim 60. Jubiläum des renommierten Musikpreises an Künstler wie Bruno Mars, Kendrick Lamar oder die deutschen Elektropioniere Kraftwerk verlieh, ging noch eine weitere Ehrung an ein deutsches Projekt: Denn in der Kategorie "Best Historical Album" hieß der Gewinner "Leonard Bernstein - The Composer".

Dabei handelt es sich zwar um die Würdigung des Werks eines weltbekannten US-Komponisten, Dirigenten und Pianisten, der am 25. August 2018 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, die 25 CDs umfassende Box allerdings wurde vor allem in Berlin von Sony Music Classical International und dem Studio b-Sharp erarbeitet. Den Grammy für das Projekt nahmen denn auch Produzent Robert Russ, Martin Kistner und Andreas K. Meyer im Madison Square Garden in New York in Empfang.

Robert Russ ist seit 2009 für die in Berlin ansässige Division Sony Classical International aktiv und fungiert dort als Vice President Strategic Marketing. Die Bernstein-Box verantwortet Russ als Produzent, im Bereich Tontechnik als Mastering Engineers sind zudem der deutschstämmige Amerikaner Andreas K. Meyer von Meyer Media aus New York und Martin Kistner vom Berliner b-sharp Studio mit an Bord.

"Zum ersten Mal in der Grammy-Historie hat ein deutsches Projekt in dieser Kategorie gewonnen", zeigt sich Russ im Gespräch mit MusikWoche stolz auf die Auszeichnung. "Wir haben uns sehr über den Preis gefreut, denn in dieses Projekt und unsere weiteren Arbeiten fließt wirklich sehr viel Energie." Das werde ganz offenbar auf internationalem Parkett honoriert und akzeptiert. So spricht Russ denn auch von "einem warmherzigen und von gegenseitigem Respekt und Anerkennung" geprägten Austausch mit Kollegen und Wettbewerbern im Umfeld der Preisverleihung.

Die Grammy-Auszeichnung sei zudem etwas ganz Besonderes, weil sie zeige, dass man auch aus Europa heraus große Werke aus dem amerikanischen Katalog erfolgreich pflegen könne, streicht Russ heraus.

Wie zum Beweis startete das Team um Robert Russ und Martin Kistner denn auch gleich mit zwei Nominierungen in die aktuelle Grammy-Runde: Neben der Bernstein-Box wurde auch noch eine Edition der 1955er Goldberg-Aufnahmen des kanadischen Pianisten Glenn Gould, "Glenn Gould - The Goldberg Variations - The Complete Unreleased Recording Sessions June 1955", nominert.

Erste Erfahrungen mit dem Grammy hatten die drei bereits zuvor gesammelt, als die Zusammenstellung der unveröffentlichten Liveaufnahmen von Vladimir Horowitz im vergangenen Jahr als Anwärter auf eine Auszeichnung ins Rennen um den renommierten US-amerikanischen Musikpreis ging.

Die nun prämierte Bernstein-Box enthält unter anderem neben Aufnahmen des New York Philharmonic Orchestra unter der Leitung des Komponisten auch eine neu zusammengestellte CD "Bernstein in Jazz" oder die "West Side Story" in der originalen Broadway-Aufführung.

Beim b-sharp-Studio verweist man darauf, dass Martin Kistner, zuständig für das Remastering von historischen Quellen, diese originalen Aufnahmen aus den 60er- und 70er-Jahren "mit neuesten digitalen Bearbeitungswerkzeugen" überarbeitet habe, "um sie auf heutige Qualitätsstandards und Hörgewohnheiten zu bringen". Für das auf Aufnahmen und die Nachbearbeitung von klassischer Musik spezialisierte b-sharp Studio sei die aktuelle Auszeichnung bereits der dritte Grammy Award.