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UK-Musikmarkt im Aufwind

Die britische Musikindustrie generierte 2017 laut der Entertainment Retail Association (ERA) rund 1,2 Milliarden Pfund Umsatz - 9,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die BPI bilanziert bei den Longplayabsätzen ein Plus von 9,5 Prozent.

03.01.2018 12:47 • von Frank Medwedeff
Nicht unwesentlich am Aufschwung des UK-Musikmarkts beteiligt: Ed Sheeran (Bild: Greg Williams)

Die britische Musikindustrie verbuchte 2017 nach Angaben der Entertainment Retail Association (ERA) rund 1,2 Milliarden Pfund Umsatz - 9,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Wachstumsmotor war demnach erneut der Streamingbereich, der gegenüber 2016 um 41,9 Prozent auf 577,1 Millionen Pfund zulegte und damit den physischen Markt als wichtigster Umsatzbringer abgelöst hat.

Das physische Tonträgergeschäft generierte 2017 lediglich noch 459,2 Millionen Pfund an Bruttoeinnahmen und damit 3,4 Prozent weniger als im Jahr zuvor. Der Jahresumsatz im Downloadsegment ging laut der ERA 2017 um 23,1 Prozent im Vergleich zu 2016 nach unten auf noch rund 165 Millionen Pfund.

Die 9,6 Prozent Zugewinn bedeuten ein mehr als verdoppeltes Wachstum im UK-Musikgeschäft als im Kalenderjahr 2016, für das die ERA ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausmachte.

Der Musikbereich legte nach ERA-Angaben auch überproportional zu im Vergleich zu den 8,8 Prozent Wachstum im Entertainment-Markt insgesamt (inklusive Videos und Video-Games) auf einen Allzeitrekord von 7,2 Milliarden Dollar Umsatz 2017.

Auch der UK-Musikdachverband British Phonographic Industry (BPI) hat positive Zahlen für 2017 vorgelegt: Im Albumbereich konstatiert die BPI einen Zuwachs um 9,5 Prozent auf 135,1 Millionen abgesetzte Longplayer (inklusive umgerechneter Streamings). Eine höhere Wachstumsrate habe es zuletzt 1998 gegeben, als die Albumverkäufe um zehn Prozent gegenüber dem Jahr zuvor zulegten.

Auch die BPI benennt den Streaming-Boom als wichtigsten Faktor der positiven Entwicklung: 68,1 Milliarden Audiostreams in Großbritannien 2017 über Dienste wie Spotify, Apple Music oder Deezer bedeuten einen Zuwachs von 51,5 Prozent gegenüber 2016 - und in Relation zu 2012 gar eine Zunahme von 1740 Prozent. Streaming mache mittlerweile mehr als die Hälfte des Musikkonsums im Vereinigten Königreich aus.

Bemerkenswert bleibt auch das anhaltende Vinyl-Revival: So kauften die Briten 2017 immerhin 4,1 Millionen Vinyl-LPs - 26,8 Prozent mehr als im Vorjahr, und gut 20 Mal so viele wie noch vor zehn Jahren.

Ed Sheerans ÷ (Divide)" war 2017 sowohl das am meisten gestreamte als auch das das auf CD wie auf Vinyl und als Download meistverkaufte Album in Großbritannien - und der daraus ausgekoppelte Song Shape Of You" die Single des Jahres. Zum 13. Mal in Folge stellt damit ein britischer Act das erfolgreichste Album des Jahres im Heimatmarkt.

Geoff Taylor, CEO der BPI, konstatiert: "Die Nachfrage nach Musik im Vereinigten Königreich wächst schnell dank brillanter britischer Künstler wie Ed Sheeran, Sam Smith, Rag'n'Bone Man, Little Mix, Stormzy und Dua Lipa und der innovativen Musikindustrie, die sie unterstützt."

Das rapide Streaming-Wachstum und die anhaltende Nachfrage nach physischen Tonträgern "geben uns Zuversicht für die Zukunft", so Taylor, der aber andererseits darauf verweist, dass die Musikindustrie immer noch einen langen Weg vor sich habe, um vollständig zu regenerieren. Es gelte, strukturelle Herausforderungen zu bewältigen, um langfristiges Wachstum zu gewährleisten.

"Zunächst müssen wir fortfahren, die 'Value Gap' zu bekämpfen, so dass alle digitalen Plattformen fair für die Verwendung von Musik bezahlen. Zweitens muss die Regierung unseren Musikern die Möglichkeit zusichern, dass sie frei touren können, auch wenn wir die EU verlassen haben. Schließlich sollten wir das UK zum besten Ort machen, in neuen Content zu investieren, indem wir eine Online-Umgebung schaffen, die sicher für die Konsumenten ist, und wo illegale Sites nicht florieren können. Wenn wir das tun, wird die Zukunft für die britische Musik, die bereits eines unserer wichtigsten Exportgüter ist, sehr hell leuchten."