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bdv-Mitglieder stimmen Fusion mit VDKD zu

Die Mitglieder des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (bdv) haben ohne Gegenstimme bei nur einer Enthaltung für die Fusion mit dem VDKD gestimmt. Bei der bdv-Mitgliederversammlung in Berlin standen auch Podiumsdiskussionen zur Situation der örtlichen Veranstalter und zur Marktlage von Künstlervermittlungsagenturen auf dem Programm.

17.11.2017 14:31 • von Frank Medwedeff
Zufrieden mit dem Abstimmungsergebnis zur Verbandsverschmelzung und mit der gesamten Tagung: bdv-Präsident Jens Michow (Bild: Daniel Braun)

Die Mitglieder des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft (bdv) trafen sich am 15. November unter dem Motto "Die Weichen sind gestellt" zu ihrer diesjährigen Jahresversammlung im nhow Hotel in Berlin.

Im Fokus stand dabei die Erörterung der mit dem Verband der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD) ausgehandelten Dokumente zur Fusion der beiden Verbände. Die Versammlung beschloss auf dieser Grundlage mit nur einer Enthaltung und ohne Gegenstimmen die "weitere Vorbereitung" der Fusion. bdv-Präsident Jens Michow erläuterte: "Der Vertrag über die Verschmelzung der Verbände im zukünftigen Bundesverband der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft (BDKV) wird von den Vorständen im Laufe des kommenden Jahres aus rechtlichen Gründen bereits mit Wirkung zum 1. Juli 2018 geschlossen werden. Er steht dann nur noch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Mitgliederversammlungen beider Verbände, wobei es sich angesichts der bisherigen Beschlusslagen nur noch um eine Formsache handeln dürfte." Die dann letzten Versammlungen des bdv und des VDKD sollen im Herbst 2018 am zukünftigen Sitz des fusionierten Verbandes in Hamburg stattfinden und "anschließend in eine erste Sitzung des BDKV" münden.

Der bdv-Vorstand sieht zudem mit der im Oktober abgeschlossenen dauerhaften Tarifvertrags-Gesamtlösung mit der GEMA und den von der verbandseigenen Verwertungsgesellschaft GWVR erlassenen ersten beiden Tarifen "maßgebliche Fundamente für die Zukunft der Branche gelegt".

Ein weiteres zentrales Thema in Berlin war nach bdv-Angaben die Diskussion "gebotener Maßnahmen gegen das wachsende Geschwür des illegalen Ticketzweitmarktes". Die Mitglieder beschlossen einerseits, die Politik zu einer gesetzlichen Regulierung des gewerblichen Weiterverkaufs von Eintrittskarten aufzufordern. Andererseits will der bdv "kurzfristig eine öffentlichkeitswirksame Kampagne starten, die dem Konsumenten die Risiken und Auswirkungen des Erwerbs von Eintrittskarten aus zweiter Hand veranschaulichen soll".

Jens Michow erklärte dazu: "Eine gesetzliche Regulierung wird letztendlich durch ein strafrechtliches Verbot erfolgen müssen, wie es ja bereits zum Beispiel in Frankreich existiert, und auch in anderen europäischen Mitgliedsstaaten angestrebt wird."

Wie immer setzte der bdv seine zunächst interne Tagung am Nachmittag mit einem von NDR-Journalist Jan Hendrik Becker moderierten öffentlichen Kongress fort. Höhepunkt war hierbei eine Podiumsdiskussion unter dem Titel: "Der Örtliche - Herausforderungen in Zeiten des Umbruchs". Die Diskussionsrunde mit den bdv-Mitgliedern Matt Schwarz (Live Nation), Dieter Semmelmann (Semmel Concerts), Michael Lohmann (Hannover Concerts), Michael Schacke (undercover) und Christian Doll (C² Concerts) habe deutlich gemacht, dass sich die Situation des Örtlichen Veranstalters in den vergangenen Jahren erheblich geändert hat.

Schwarz und Semmelmann erklärten unisono, dass ihre Unternehmen insbesondere größere Veranstaltungen in den Metropolen zunehmend auch ohne Beauftragung eines lokalen Partners selbst organisieren würden. Die Mehrkosten bei der Einschaltung eines Örtlichen müssten sich durch einen daraus ergebenden Mehrwert rechtfertigen lassen. Matt Schwarz wies darauf hin, dass es problematisch wäre, wenn ein Örtlicher nicht lediglich Dienstleister, sondern parallel auch Tourneeveranstalter und damit Mitbewerber sei. Lohmann, Schacke und Doll zeigten auf, in welcher Weise jedenfalls ihre Unternehmen sich auf diese neuen Herausforderungen bereits eingerichtet hätten.

Eine weitere Podiumsdiskussion beschäftigte sich mit der Marktlage von Künstlervermittlungsagenturen in Zeiten des Internets. Michael Angerer (Nord Süd Programm), Stefan Anowski (Michow Concerts Entertainment), Hilmar Körzinger (Kulturgipfel), Joachim Rudolf (Event Company Nord) und Dieter Schubert (a) berichteten im Ergebnis, dass auch im Eventgeschäft der wirtschaftliche Erfolg davon abhänge, dass man mehr biete, als lediglich den Vertrag mit einem Künstler zu vermitteln. Entscheidend sei, dass man dem Veranstalter ein Rundum-Paket offerieren könne. Auch bei der Künstlervermittlung müsse dem Kunden deutlich gemacht werden, weshalb die Beratungsleistung der Agenturen ihr Geld wert sei.

Weitere Tagungsordnungspunkte waren etwa die Direktlizenzierung von Autorenrechten und die steuerliche Behandlung von Freikartenvergaben.

Jens Michow bilanziert zufrieden: "Das traditionelle bdv-Konzept der Kombination der Abarbeitung üblicher - für Mitglieder häufig lästiger - Verbandsformalia mit weit über den Tellerrand der täglichen Verbandsarbeit hinausgehenden Informationsangeboten zu aktuellen Themen, Vorträgen von Experten und interessanten Podiumsdiskussionen hat sich in diesem Jahr ein weiteres Mal bewährt. Der mit der Anreise zu Mitgliederversammlungen verbundene Zeit- und Kostenaufwand muss sich lohnen. Ich habe den Eindruck, dass wir diese Erwartung auch diesmal wieder erfüllen konnten."