Handel

alpha sieht noch Potenzial im physischen Markt

24.07.2017 15:35 • von
Klare Linien: die Logistikhalle (rechts) und das Verwaltungsgebäude von alpha am Standort Erding (Bild: alpha)

Als Firmengründer und Seniorchef Michael Pfeiffer verstarb, war das Feld im Hause alpha längst bestellt. Geschäftsführer Pierre Pfeiffer erläutert im Gespräch mit MusikWoche, welche Herausforderungen der Rackjobber mit seinen mehr als 45 Jahren Branchenerfahrung angeht, welches Potenzial noch im Entertainmentmarkt steckt, und wie alpha sich dafür am Standort Erding aufgestellt hat.

»Neben der Sicherung unseres klassischen Kerngeschäfts ergreifen wir derzeit verstärkt Maßnahmen, um unsere Geschäftsfelder auszuweiten «, sagt Pierre Pfeiffer. Dabei geht es dem Sohn des Firmengründers um die sogenannten Non-traditional Outlets und ums Aktionsgeschäft, »wo wir uns stärker engagieren werden«. Daneben bestehe aber auch die Möglichkeit, im logistischen Bereich mit oder ohne Service durch den alpha-Außendienst vor Ort für weitere Partner aktiv zu werden oder potenzielle Synergien zu prüfen. »Auch angrenzende oder neue Produktbereiche wie Merchandising wollen wir, wo es sinnvoll, machbar und mit den Kunden umzusetzen ist, ausweiten«, gibt Pfeiffer als strategische Ziele für die kommenden Jahre vor.

Umzug in Etappen

Die Basis für all diese Bestrebungen bildet der traditionelle Standort östlich von München: »Seit jeher, also seit 1971, sind wir in Erding«, bestätigt Pfeiffer. Vor Ort aber hat sich viel geändert, zuletzt durch den Umzug der Teams für Einkauf, Marketing und Verwaltung. Diese hatten seit 2009 ihren Sitz in Schwaig in unmittelbarer Nähe zum Münchner Flughafen und residieren nun in einem neu errichteten Gebäude direkt neben der eindrucksvollen Logistikhalle im Gewerbegebiet im Nordwesten Erdings: »Der Umzug erfolgte im Oktober letzten Jahres.« Die Vorbereitungen dazu hätten allerdings zuvor ein- bis anderthalb Jahre in Anspruch genommen. Hinzu kommen weiterhin Räumlichkeiten an der Robert-Koch-Straße in Erding; am ehemaligen alpha-Standort sitzt derzeit unter anderem das Retourenlager.

Für das inhabergeführte Unternehmen war der Umzug in Etappen die beste Lösung: »Ausschlaggebend war, dass wir beim Bau des Logistikzentrums nicht zwei Bauabschnitte auf einmal stemmen wollten«, sagt Pfeiffer. Die Planungen für das neue Verwaltungsgebäude aber wurden schon vor Eröffnung des Logistikstandorts 2008/2009 aufgenommen und später abgeschlossen: »Deshalb stand auch hier der Platz zur Verfügung.« Das erneute Zusammenwachsen sei »absolut wichtig und sinnvoll«, sagt Pfeiffer: »Wenn ich die Ware gleich nebenan sehen kann, vermittelt das einen deutlich besseren Eindruck, als wenn ich nur Zahlen auf dem Bildschirm habe.«

Die alpha-Bauten in Erding sind dabei keine Industriehallen von der Stange: »Ich habe mich hier persönlich voll eingebracht«, sagt Pfeiffer mit Verweis auf Planungen, Materialien und Farbgestaltungen. Das Ergebnis macht auch im Umfeld Eindruck: »Wir haben bereits für die Logistikhalle den Fassadenpreis des Landkreises Erding gewonnen. Nun sind wir auch für das Verwaltungsgebäude für die Auszeichnung vorgeschlagen worden, und haben sie erneut gewonnen - darauf können wir durchaus stolz sein.«

Laut Pfeiffer ist alpha dank der neuen Gebäude, der automatisierten Anlagen und der Warenlogistik im Wettbewerb bestens positioniert: »Mit unseren Sortern und technischen Anlagen sind wir auf dem neuesten Stand und bewegen uns von den Kapazitäten her auf einem guten Level, haben aber jederzeit noch Luft nach oben.«

Zum Erfolg des Unternehmens tragen nach wie vor knapp 500 Mitarbeiter bei, davon bundesweit fast 200 im Außendienst: »Während die Verwaltung rund 75 Mitarbeiter zählt, läuft der Logistikbetrieb im Normalfall mit zwei und im Saisongeschäft mit bis zu drei Schichten.« Die Fluktuation sei dabei über alle Bereiche sehr gering, betont Pfeiffer: »Für uns erweist es sich als wichtiger Vorteil, eine gewisse Beständigkeit an den Tag legen zu können, gerade auch in Zusammenarbeit mit unseren Kunden und den Partnern aus der Unterhaltungsindustrie.« Zwar gebe es in anderen Marktbereichen Konzepte, »mit immer wechselnden Mitarbeitern frischen Wind und neue Ideen hereinzubringen«, bei alpha setzt man aber verstärkt auf Kontinuität.

Die Kunden honorieren das ganz offenbar, schließlich arbeitet alpha seit vielen Jahren mit Handelsgruppen wie Metro, Kaufland, Marktkauf/Edeka, famila, Handelshof, Euronics oder der Kaes-Gruppe mit ihren V-Märkten zusammen. »Der Kundenstamm ist über viele Jahre gewachsen«, bestätigt Pfeiffer. »Mit manchen Partnern arbeiten wir bereits ewig zusammen.« Über die bestehenden Kunden im SB- und Lebensmittelhandel hinaus sieht Pfeiffer zudem noch »großes Potenzial« im Aktionsgeschäft bei Non-traditional Outlets von Discountern, Drogeriemärkten und Möbelhäusern bis zur Spielwarenkette. Dabei gehe es weniger um die klassischen Serviceleistungen des Rackjobbers mit seinem Außendienst, sondern vielmehr um die Anlieferung fertig bestückter Aufsteller oder Thekendisplays. »Dabei haben wir den großen Vorteil, dass wir alles aus einer Hand bringen und bei thematischen oder saisonalen Aktionen das Beste aus dem großen Katalog der verschiedenen Anbieter passend zusammenstellen können - und das übergreifend aus den Bereichen Tonträger, Bildträger und Games.« Allerdings sei die Lage im SB-Handel durchaus von Flächendruck geprägt, räumt Pfeiffer ein: »Der Food-Bereich dominiert, im Non-Food-Segment bekommt man nicht unbedingt zusätzliche Flächen zugeteilt.« Auch im Mediengeschäft würden Abteilungsgrößen hinterfragt:

»Mit solchen Produkten sind wir im Handel gefragt.« Pierre Pfeiffer

»Wir können die Digitalisierung nicht wegdiskutieren«, sagt Pfeiffer. »Dennoch sehe ich für die kommenden Jahre ganz eindeutig eine Daseinsberechtigung für das physische Produkt - und damit auch für einen Dienstleister wie die Firma alpha mit ihrer Klientel.« Im Vergleich zum spezialisierten Fachhandel habe man zudem den großen Vorteil, dass die großen Supermärkte ihren Kunden als regelmäßige Anlaufstelle für Einkäufe dienen würden. »Wir erreichen die potenziellen Käufer in den Märkten und haben damit auch weiterhin gute Möglichkeiten, CDs, DVDs, Blu-rays und Games zu vermarkten.«

Für den Rackjobber gehe es dabei darum, seine Sortimente und die Anteile der einzelnen Warengruppen an die Entwicklung anzupassen. »Wir wollen unsere Marktanteile mindestens halten, wenn nicht sogar ausbauen«, gibt Pfeiffer als Marschrichtung vor. Schließlich werde die Situation für andere Marktteilnehmer »auch nicht einfacher«.

»Unser Hauptumsatzträger ist nach wie vor der Filmbereich«, analysiert Pfeiffer. Fast die Hälfte der Umsätze erziele alpha im Geschäft mit DVDs und Blu-rays, die verbleibenden Einnahmen teilen sich in etwa Musik und Games. Mit Verweis auf einen Bestseller wie das jüngste Album von Helene Fischer streicht der Geschäftsführer heraus, dass sein Unternehmen hier bundesweit zum VÖ und an den ersten beiden Tagen einen »äußerst bemerkenswerten Durchverkaufsanteil« an den Absätzen für sich verbuchen konnte. »Das ist in dieser Größenordnung zwar nicht die Regel, zeigt aber dennoch, dass physische Formate nach wie vor attraktiv vermarktet werden können«, sagt Pfeiffer. »Mit solchen Produkten sind wir im gesamten Lebensmitteleinzelhandel gefragt.«

alpha sei weiterhin ein wichtiger Partner bei Neuveröffentlichungen und habe hier noch an Bedeutung gewonnen: »Zum VÖ-Tag spielt die Musik.« Blockbuster wie »Fack Ju Göhte« oder »Shades Of Grey« im Filmgeschäft und Family-Themen seien dabei extrem »gut nachgefragt «, aber auch viele Action-Filme. alpha erreiche schließlich über den Handel eine Klientel, zu der neben jungen Familien und Hausfrauen auch männliche Best Ager gehören sowie Kinder, die teils beim Einkauf mit dabei seien, teils aber auch mit Angeboten aus dem Unterhaltungsbereich beschenkt würden. Auch Sonderauflagen seien eine wichtige Säule für alpha: »Nach wie vor stellen wir in Zusammenarbeit mit unseren Industriepartnern viele interessante Exklusivprodukte zusammen, um uns von anderen Anbietern oder dem Fachhandel absetzen und den Kunden aus dem SB-Handel einen gewissen Mehrwert oder eine Alleinstellung bieten zu können.«

Auch Merchandising- und Fanartikel bietet alpha an: »Hier wollen wir die eine oder andere Geschichte intensiver weiterverfolgen.« Abseits des Kerngeschäfts kann sich der Geschäftsführer zudem neue Allianzen vorstellen, zum Beispiel als Distributionspartner für Entertainmentfirmen: »Hier laufen bereits Gespräche«, sagt Pfeiffer, der alpha für die möglichen Anforderungen bestens aufgestellt sieht: »Wir verfügen über die nötigen Voraussetzungen in Hinblick auf Logistik und Vertrieb und können in der Regel alle von potenziellen Industriepartnern in diesem Segment geforderten Service- und Vertriebsdienstleistungen liefern.«

Das gelte auch für Anbieter von sogenannten Nearby-Produkten, zum Beispiel aus dem Zubehörbereich, aber auch für reine Logistikdienstleistungen. »Wir sind so aufgestellt, dass wir alle Produkte bearbeiten können, egal, ob sie über Sorteranlagen laufen können oder aufgrund besonderer Verpackungen händisch bearbeitet werden müssen.«

Mit der Musicworld in unmittelbarer Nähe zum Firmensitz und der Gamesworld in der Innenstadt von Erding betreibt alpha zudem noch zwei eigene Fachgeschäfte: »Die Musicworld hat uns in den vergangenen Jahren sehr geholfen, Konzepte zu testen und Ideen oder neue Produktgruppen auszuprobieren.« Dabei ging es unter anderem um Fragen zum Bestellwesen, um den Verkauf von Tickets oder um Sicherungssysteme für die Artikel.

Die alpha-Welt in Zahlen

Den Bau des Verwaltungsgebäudes zog alpha »relativ stramm« in gut einem Jahr zwischen Juli 2015 und Oktober 2016 durch, wie Pierre Pfeiffer berichtet. Der Neubau bietet brutto eine Grundfläche von rund 4.200 Quadratmetern, hinzu kommen 18.000 Quadratmeter an Logistikfläche. Das Grundstück der alpha-Basis ist 36.500 Quadratmeter groß. alpha betreut rund 1.500 Märkte über den eigenen Außendienst als Full-Service-Dienstleister und bringt es dabei im Jahr auf mehr als 90.000 Kundenbesuche. Rechnet man das Aktionsgeschäft hinzu, beliefern die Erdinger über 3.000 Outlets. Pro Jahr verlassen 500.000 Pakete die Hallen. Allein 2016 lieferte alpha 16,6 Millionen Tonträger, Bildtonträger und Games sowie begleitende Produkte an den Handel aus - über 70.000 Produkte pro Werktag.