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Streaming verändert die HipHop-Szene

Die HipHop-Szene setzt bei der Vermarktung ihrer Künstler auf Premiumprodukte und verstärkt auf Streaming. Mit Erfolg: 2017 landete bereits sieben Mal ein HipHop-Album auf Platz eins der Charts.

31.07.2017 16:52 • von Jonas Kiß
Setzen mit ihrem "Sampler 4" wieder ein deutliches Zeichen: die 187 Strassenbande (Bild: Bobby Analog)

Die HipHop-Szene setzt bei der Vermarktung ihrer Künstler auf Premiumprodukte und verstärkt auf Streaming. Mit Erfolg: 2017 landete bereits sieben Mal ein HipHop-Album auf Platz eins der Charts.

Der deutsche Musikmarkt befindet sich wieder einmal in einer Umbruchphase. Das haben gerade erst die aktuellen Halbjahreszahlen des Bundesverbands Musikindustrie gezeigt. Die Transformation vom physischen Produkt hin zum Digitalen nimmt auch in Deutschland immer mehr Fahrt auf. Diese Entwicklung ist auch in der HipHop-Szene deutlich zu spüren.

Trotzdem ist es vielen Vertrieben und Labels gelungen, sich dieser Entwicklung anzupassen, ohne dabei an Relevanz einzubüßen. Der vor ein, zwei Jahren von einigen Marktteilnehmern noch befürchtete Umsatzeinbruch im Hinblick auf deutschsprachigen HipHop hat bis jetzt nicht stattgefunden. Die Szene ist vielfältiger und stärker denn je, hat sich fest etabliert und bringt jedes Jahr eine Menge neuer Talente hervor. In einer Umfrage wollte MusikWoche wissen, wie die ersten sechs Monate 2017 gelaufen sind und wo die Herausforderungen liegen.

»Wir hatten ein starkes erstes Halbjahr und liegen über Plan«, berichtet Ramin Bozorgzadeh, Label Head von Chapter ONE im Hause Universal Music, zur Entwicklung im bisherigen Verlauf des Jahres. »Darüber hinaus stehen eine Reihe sehr interessanter Veröffentlichungen an«, blickt der Leiter der zu Universal Music gehörenden Division voraus, ohne allerdings schon ins Detail gehen zu wollen. »Für dieses Jahr planen wir noch einiges und gehen definitiv davon aus, unsere Ziele zu erreichen.«

Auch Dennis Kieschke, Labelmanager Soulfood Music Distribution ist mit den ersten sechs Monaten zufrieden: »Mit fünf Top-10-Entries und weiteren drei Top-20-Entries in den deutschen Charts mit unseren HipHop-Künstlern können wir auf ein recht erfolgreiches erste Halbjahr zurückblicken. Auch für das weitere nächste halbe Jahr ist mit einer ähnlichen Anzahl an hohen Chartsplatzierungen zu rechnen. Top-Kandidaten hierfür sind unter anderem Mert, Metrickz und Massiv.«

Jens »Spaiche« Ihlenfeldt, Geschäftsführer/A&R Geto Gold Musikverlag, blickt nicht ganz so zufrieden in die Zukunft: »Erfreulicherweise entwickelt sich im ersten Halbjahr 2017 der positive Trend im Streamingbereich weiter wie im letzten Jahr. Sorgen macht mir die negative Ertragsentwicklung bei YouTube nach der GEMA-Einigung und dem Vermarktungsdesaster im Frühjahr. Hier müsste man endlich wieder etwas dafür bekommen, dass wir mit unserem Content die Plattform füllen. Leider läuft das alles sehr intransparent. Außerdem sehe ich kritisch, dass keine der anderen Streaming-Plattformen mit dem Wachstum von Spotify Schritt hält. Da entwickelt sich ein neuer Fast-Mo- nopolist, der uns in Zukunft gängeln und aussaugen wird.«

Was Timo Pieper (distri), Danny »D-Bo« Bokelmann (Wolfpack Entertainment Family) und Bettina Wohlgefahrt (Believe Germany) zum Thema sagen lesen Abonennten in MusikWoche Heft 30/2017, im Livepaper oder .