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Initiative Musik baut Kurztourförderung aus

Die Initiative Musik erhöht zum 1. Juli 2017 die Zuschüsse im Rahmen der Kurztourförderung. Zudem können Musiker aus Deutschland jetzt auch für Konzertreisen nach Australien Fördergelder beantragen.

30.06.2017 15:07 • von Frank Medwedeff
Spricht der Kurztourförderung einen "wesentlichen Anteil" für zunehmende internationale Erfolge von Künstlern aus Deutschland zu: Jens Michow (Bild: Klaus Westermann)

Ab 1. Juli 2017 gelten neue Fördergrundsätze für das Kurztourprogramm der Initiative Musik. Man ergänze die Kernmärkte Europa, China, Japan, und Nordamerika um Australien und zugelich erhöhe man "die maximal möglichen Fördervolumina", wie es aus Berlin heißt.

Für Showcase-Auftritte und Supporttouren ist künftig pro Bandmitglied ein Zuschuss in Höhe von bis zu 600 Euro für Auftritte im europäischen Ausland und 1000 Euro im außereuropäischen Ausland möglich. Dazu kann pro Antrag weiterhin ein unveränderter Marketingzuschuss von bis zu 1000 Euro beantragt werden. Die gesamte Fördersumme darf 50 Prozent der Gesamtkosten nicht übersteigen.

Anträge sind spätestens fünf Wochen vor Antritt der Konzertreise zu stellen. Die Entscheidungen trifft eine Jury, bestehend aus der stellvertretenden Geschäftsführerin des Deutschen Musikverlegerverbands, Birgit Böcher, der Jazzsängerin Réka und Prof. Jens Michow, Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft, zeitnah nach Eingang des Antrages. 2016 wurden 110 Kurztourförderungen bewilligt.

Neben der Künstlerförderung zählt die Initiative Musik die Kurztourförderung zu den Herzstücken ihrer Förderarbeit. Jens Michow, Kurztour-Juror und zudem Aufsichtsratsmitglied der Initiative Musik, sagt: "Das Programm ermöglicht Künstlern die Wahrnehmung von Auftrittsangeboten aus dem Ausland, wenn die Veranstaltungshonorare für deren Finanzierung nicht ausreichen."

Voraussetzung für die Bewilligung eines Förderantrags sei, "dass der Auftritt aus Sicht der Juroren die Chance bietet, den Künstler auf dem jeweiligen Auslandsmarkt zu etablieren und damit seine Karriere insgesamt voran zu bringen. Wir haben mit der Kurztourförderung ein Förderinstrument geschaffen, welches einen wesentlichen Anteil daran hat, dass in Deutschland lebende Künstler auch zunehmend international erfolgreich sind."

Bei der Initiative Musik seien seit Beginn des Programms vor sieben Jahren mehr als 1200 Anträge eingegangen. Über 600 Förderungen habe man demnach gewährt. "Diese Zahlen veranschaulichen überzeugend sowohl den Bedarf als auch die Breite, in welcher sich dieses Programm in der Künstlerszene durchgesetzt hat", so Michow.

Als aktuelles Beispiel, was die Kurztourförderung ermöglichen könne, nennt die Initiative Musik den internationalen Erfolg der Rockband Gurr. "Wir haben das Duo für ihre Auftritte zur SXSW in Amerika und in Großbritannien gefördert. Gurr konnten sich in kürzester Zeit an zwei der größten Musikmärkte einen Namen machen und sowohl Journalisten als auch Musikfans überzeugen", berichtet Birgit Böcher, die die Antragssteller berät.

Die Berlinerinnen haben beispielsweise neben Auftritten in Bristol, Manchester und London eine Session in den berühmten Maida Vale Studios für BBC Radio 1 gespielt. In den USA wurde die Band zur South by Southwest (SXSW) in Austin beim Musikblog Stereogum und im amerikanischen Radionetzwerk NPR als ein Top-Newcomer des Jahres vorgestellt. "Dies wäre nicht möglich gewesen, wenn die Band nicht in den USA gespielt und sie nicht die Förderung durch die Initiative Musik erhalten hätte. Ein schönes Beispiel dafür, dass das Programm nachhaltig wirkt", erklärt Böcher.

Künstler und Bands wie Roosevelt aus Köln oder White Wine aus Leipzig, deren Teilnahme am Eurosonic Festival in Groningen die Initiative Musik förderte, seien weitere Belege für den Erfolg des Programms. "Sie spielen auf zahlreichen größeren europäischen Festivals, die sich aus der im Januar geförderten Auslandspräsenz ergeben haben", verlautet die Initiative Musik.

So sei Roosevelt gerade beim Festival Down The Rabbit Hole in den Niederlanden aufgetreten. Auch die Veranstalter des international renommierten Montreux Jazz Festivals und des OpenAir St.Gallen seien in Groningen auf den Elektropop-Musiker aufmerksam geworden und verpflichteten ihn darsaufhin. Für die Leipziger Avandgarde-Rockband White Wine sei der geförderte Auftritt bei Eurosonic der Auftakt für weitere Engagements im Ausland wie beim Rock For People in der Tschechischen Republik, dem Pohoda Festival in der Slowakei und dem Food For Your Senses Festival in Luxemburg gewesen.

Die Projektmittel für die Kurztourförderung werden der Initiative Musik ebenso wie bei der Künstler-, Infrastruktur- und Clubförderung über den Haushalt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM), Monika Grütters, zur Verfügung gestellt. Die Initiative Musik wird getragen von der Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL) und dem Deutschen Musikrat. Die finanzielle Unterstützung der GVL und der GEMA ermögliche die Betreibung der Geschäftsstelle in Berlin.