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O-Ton Andreas Brandis: "ACT steht für konstant hohe künstlerische Qualität"

Zum Oktober 2015 holte Siggi Loch mit Andreas Brandis einen neuen Geschäftsführer in sein Unternehmen ACT Music + Vision. Zum 25. Geburtstag des Labels analysiert Brandis im Gespräch mit Norbert Schiegl und Knut Schlinger die Entwicklung im Jazzgeschäft, spricht über Ziele und Zielgruppen sowie die ACT-Familie.

19.04.2017 15:16 • von Jonas Kiß
Will jedem ACT-Album die verdiente Aufmerksamkeit zukommen lassen: Andreas Brandis (Bild: MusikWoche)

Zum Oktober 2015 holte Siggi Loch mit Andreas Brandis einen neuen Geschäftsführer in sein Unternehmen ACT Music + Vision. Zum 25. Geburtstag des Labels analysiert Brandis im Gespräch mit Norbert Schiegl und Knut Schlinger die Entwicklung im Jazzgeschäft, spricht über Ziele und Zielgruppen sowie die ACT-Familie.

Sie kamen von einem weltweit agierenden Musikkonzern, um die Leitung bei einem inhabergeführten Unternehmen zu übernehmen. Wie fühlt sich das an?

Richtig, meine Station direkt vor ACT war ein internationaler Konzern. Aber auch davor war ich bereits mehrere Jahre bei einem ebenfalls stark inhabergeprägten Label tätig. Ich ging also von einem Indielabel zu einem Konzern und wieder zurück zu einem "unabhängigen" Unternehmen. Es fühlt sich daher auf gewisse Weise vertraut an, auch wenn die Aufgabe heute natürlich eine ganz andere ist. Bezogen auf das Arbeiten im Allgemeinen ist der spürbarste Unterschied sicherlich, abgesehen von der schieren Größe, dass man im Konzern für jede Aufgabe Personen hat, die sich vollumfänglich mit diesem einen Themenbereich beschäftigen. Beim Independentlabel hingegen muss sich zwangsläufig jeder mit mehreren Bereichen befassen und sich in ihnen auskennen. Mir gefällt diese kompakte und relativ flache Struktur.

Was bedeutet das im Tagesgeschäft?

Man betreut mehr Aufgaben und Inhalte, ist dafür aber zugleich sehr viel dichter dran an allen Themen. Das führt zu schnellen und unkomplizierten Entscheidungen, wenn es darum geht, Dinge voranzubringen. Bei ACT haben wir es mit einem noch jungen Traditionslabel zu tun.

Aber was überwiegt, das Junge oder die Tradition?

Seit der Gründung des Labels vor 25 Jahren war es das Ziel von Siggi Loch, neue Talente zu finden und Künstlerkarrieren zu begleiten. Dabei ging es ihm nicht um leere Worthülsen, sondern tatsächlich darum, über einen längeren Zeitraum hinweg als Partner des Künstlers zu agieren und gemeinsam etwas aufzubauen. Das ist das Grundverständnis der ACT-Familie. Ein weiteres Grundverständnis ist es, ein musikalisch weit gefächertes Genre in den Mittelpunkt zu stellen und sich auch mit der Musik zu beschäftigen, die drumherum kreist, ohne in Schubladen zu denken. Deshalb glaube ich, dass bei ACT von Beginn an Entscheidendes richtig gemacht wurde, mit einer klaren Positionierung und der stringenten Umsetzung einer Philosophie. Dieser Ansatz ist meiner Meinung nach zeitlos und kann auch in der Zukunft funktionieren. Quasi eine Tradition, die immer jung hält.

Sie sehen also keinen Anlass, zunächst einmal den ganzen Laden auf den Kopf zu stellen?

Nein, das ganz sicher nicht, wenngleich eine Firma in einem so dynamischen Markt immer wieder an sich arbeiten muss. Auch wir nehmen Veränderungen vor und überdenken unser Tun. Zudem haben wir ein junges operatives Team, und insofern ist das Arbeiten per se geprägt von Offenheit, Neugier und der Suche nach neuen Ansätzen.

Wie sieht es mit der Aufgabenverteilung zwischen den Standorten München und Berlin aus?

Berlin ist unsere neue Keimzelle. Neben dem Vertrieb und anderen kaufmännischen Bereichen, die hier aufgehängt sind, leite ich von dort aus das operative Geschäft. Man ist in Berlin sehr viel dichter dran an einer etwas anderen spannenden künstlerischen Szene und hat zudem noch mehr Möglichkeiten für Kooperationen. Schließlich arbeiten gerade in Berlin viele Leute aus den verschiedensten Bereichen der Musikwirtschaft, was viel Potenzial für Neues bietet.

München wiederum ist für uns ein Traditionsstandort, mit dessen Szene wir eng verbunden sind. Hier wird auch weiterhin unser gut eingespieltes Team sitzen, das die Bereiche Marketing, Produktmanagement und PR/Kommunikation betreut. Auch der KLAWEI Musikverlag von Siggi Loch ist hier ansässig. Es wäre nicht sinnvoll und ist auch aus persönlichen Gründen nicht immer möglich, dies alles zu verpflanzen.

Das vollständige Interview lesen Abonnenten in MusikWoche Heft 14, im Livepaper oder .