Unternehmen

Sony Music stellt AOR Labelgroup neu auf

16.12.2016 10:06 • von Jonas Kiß
Bilden die neu formierte Spitze der AOR Labelgroup (von links): Arndt Sedler, Manfred Rolef und Henrik Gümoes (Bild: MusikWoche)

Zwei frisch besetzte Direktorenposten und künftig zwei statt drei aktive Labelmarken - Manfred Rolef, Vice President AOR Labelgroup, hat bei der Repertoiredivision aus dem Hause Sony Music neue Strukturen eingezogen.

"Wir wollen uns künftig auf zwei Labels fokussieren", sagt Manfred Rolef zu den Ideen und Zielen der AOR Labelgroup. Das Traditionslabel Ariola sieht der Vice President dabei als Marke für Schlager und Volkstümliches, aber auch für modernen Pop-Schlager. "Wir wollen das Ariola-Label in seiner Position als Marktführer im konservativen Bereich weiter stärken", gibt Manfred Rolef vor.

"Darüber hinaus wollen wir das Profil schärfen, für das RCA Deutschland steht, und dafür in den Bereichen A&R und Marketing neue Impulse setzen." RCA Deutschland soll demnach als Labelheimat für Pop- und Rock-Künstler aus dem Mainstream dienen: "Hier gibt es keine Beschränkungen, ob es sich dabei um deutsch- oder englischsprachige Acts handelt", macht Rolef klar. Auch Signings von internationalen Künstlern, die für die GSA-Region interessant sind, seien hier künftig möglich.

"Wir schauen uns nicht mehr nur in Deutschland um, sondern in ganz Europa." Als erstes Beispiel für den erweiterten Fokus auf Mainstream- und Adult-Themen darf gelten, darüber hinaus haben Rolef und sein Team .

Aber auch das Team der rund 20 Mitarbeiter starken Repertoiredivison sortierte Rolef neu: Arndt Sedler kam von Warner Music und übernahm den Posten als Director Marketing. stieß nun zudem Henrik Gümoes als Director A&R zu Team von Manfred Rolef. Er tritt damit die Nachfolge an. Die Differenzierung zwischen den beiden AOR-Labels will Sedler auch im Marketingbereich umsetzen: "Es gibt zwei getrennte Marketingteams", berichtet der Manager, der vor seiner Zeit bei Warner Music auch für Universal Music und RTL aktiv war.

"Drei Produktmanager arbeiten ausschließlich an Themen von RCA Deutschland und zwei im Ariola-Team, die dort an Anne Spille berichten." Diese klare Trennung gebe auch den Künstlern und Managements Orientierung und helfe, "die beiden Labels als eigenständige Marken im Markt klarer zu positionieren", sagt Sedler. Bei Ariola wisse jeder, wofür die Marke stehe, bei RCA ließe sich der Kern noch schärfen. Auch in einem traditionellen Markt wie dem Schlagergeschäft werde man nicht umhin kommen, künftig "noch digitaler" an Themen heran - zugehen. Angesichts von schmalen Budgets und anhaltendem Zeitdruck müsse man seine Marketingaktivitäten immer wieder hinterfragen. "Es geht oft darum, über Jahre gelernte Dinge nicht zu machen, dafür aber neue Wege zu gehen."

So höre zwar jedes Management gern von einer TV-Kampagne, im digitalen Baukasten aber gebe es durchaus Möglichkeiten, Konsumenten zielgerichteter zu erreichen als im TV-Bereich. Im kreativen Segment gibt es keine Teilung der Aufgabengebiete: "Im Bereich A&R haben wir Alleskönner", schmunzelt Henrik Gümoes bei seiner Analyse des Künstlerstamms: "Es gibt auf beiden Labels etablierte Künstler, die über die Jahre einen erfolgreichen Aufbau erlebt haben. Nun geht es darum, zu sehen, wie wir die nächste Ebene erreichen können und dazu mit neuen Acts klar strukturierte, neue Impulse setzen."

Zum Team von Gümoes gehören noch Mathias Schorer als Junior A&R Manager und Maria Niemeier als A&R Coordinator. Neben Elisabeth Angerer hat im Laufe des Jahres auch Andreas Keul das Unternehmen verlassen. "Henrik bringt Erfahrungen und Kontakte aus dem Bereich Pop und Rock mit und ich verspreche mir davon eine strategische Stärkung im Bereich RCA", lobt Rolef seinen neuen Mitarbeiter. "Gerade aufgrund der demographischen Entwicklung der Bevölkerung sehen wir hier großes Potenzial." Im Ariola-Bereich sei man bereits "sehr stark" aufgestellt mit "großen Künstlern und Signings".

Zahlreiche Platin- und Gold-Acts bei AOR

Als wichtiges Signal wertet Rolef zudem die jüngst erfolgte Vertragsverlängerung mit Vanessa Mai: "Vanessa Mai steht für eine völlig neue Generation im Schlager und Pop-Schlager", fasst Rolef zusammen, "Wir haben hier in den vergangenen drei Jahren gemeinsam etwas aufgebaut, was wir bei Ariola so in den Jahren zuvor nicht geschafft haben, nämlich einen Künstler ohne große Plattform beziehungsweise Medienplattform am Markt zu etablieren. Darauf sind wir stolz." Die langfristige Verlängerung mit der Künstlerin, die im vergangenen Jahr zwei Gold-Alben abgeliefert und den Schlager-Echo gewonnen habe, gebe nun "eine tolle Grundlage" für die weiteren Planungen. "Vanessa Mai steht vor einer ganz großen Karriere und zählt für Ariola strategisch und perspektivisch zu den wichtigsten Signings für die kommenden Jahre." Ein weiteres wichtiges Zeichen sei der jüngst erfolgte Vertragsabschluss mit Semino Rossi.

"Wir sind glücklich, die neue Labelheimat dieses erfolgreichen Künstlers zu sein und planen, im Sommer 2017 sein neues Album zu veröffentlichen." Das neu formierte AOR-Team kann Erfolge aus dem laufenden Jahr aufbauen, zu denen Rolef bei Ariola neben Vanessa Mai auch die Amigos zählt, die es mit ihrem jüngsten Studioalbum zu dritten Mal in Folge geschafft haben, in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Spitze der Longplay-Charts zu erreichen und in allen drei Ländern Gold zu erreichen, aber auch Fantasy - "ein permanenter Gold-Act, der sich in Richtung Platin entwickelt" - ebenso wie Roland Kaiser, der ebenfalls Gold-Status erreicht hat.

Bei RCA zählte die Nummer eins von Laith al Deen zu den Erfolgen, ebenso wie Matthias Reim oder Eisbrecher mit ihrem Gold-Album - "auch hier haben wir einen mehrjährigen Plan mit dem Künstler und sind sehr stolz, ihn auf dem Label zu haben".

Schwerpunkte fürs Saisongeschäft

Mit Peter Maffay führt RCA zudem die zuletzt mit Platin dekorierte "Tabaluga"-Geschichte fort. Hier entstand jüngst in Dortmund ein Livemitschnitt, der im Frühjahr 2017 kurz vor Ostern erscheinen soll. "Peter Maffay bleibt weiterhin der Flagship-Artist von RCA, schließlich hat er das Label einst beim Echo mit aus der Taufe gehoben", erinnert Rolef. Rund 400.000 Zuschauer hätten bereits die aktuelle "Tabalgua"-Tournee gesehen, die "ein neues Highlight" für die Marke setze.

Für das laufende Saisongeschäft steht bei AOR die "Durchvermarktung" der bereits erfolgten Veröffentlichungen an. Unter anderem mit einer "Geschenk- Edition" des jüngsten Albums von Vanessa Mai, flankiert von mehreren TV-Terminen und einer Fernsehkampagne. Zu den Arbeitsschwerpunkten gehört aber auch eine jüngst veröffentlichte und um neue Songs und ein neues Artwork erweiterte Neuauflage des Weihnachtsalbums von Heino, der kurz vor dem Fest binnen einer Woche unter anderem in den TV-Shows von Florian Silbereisen und Carmen Nebel auftritt: "Dabei erleben wir eine Label-eigene Kollaboration zwischen Heino und Sarah Jane Scott, die gemeinsam 'Rockin' Around The Christmas Tree' aufführen", berichtet Rolef. Das Duett zählt auch zu den neuen Songs auf dem ursprünglich im Jahr 2000 veröffentlichten Album. Till Brönner, obwohl ein Signing der Classics-Division, wird im Bereich Marketing ebenfalls vom Team der AOR Labelgroup betreut, tourt derzeit, hat "im November und Dezember" viele TV-Termine und zählt mit zu den Schwerpunkten der RCA-Strategen.

AOR will mit Schwung ins neue Jahr

Bei AOR stehen auch die ersten Schwerpunkte für 2017 fest. Dazu gehört ein Livealbum von Vanessa Mai, aufgezeichnet bei ihrem Auftritt im Berliner Tempodrom vor fast 3000 Zuschauern. "Die Tournee war ausverkauft, aber Berlin bildete auch stimmungsmäßig ein echtes Highlight", sagt Manfred Rolef. Bei Ariola plant man die Veröffentlichung für Ende der ersten Januarwoche, passend zum "Fest der Besten" am folgenden Tag in der ARD.

Im Februar steht das Album von Melanie C auf der Agenda, im März folgt bei RCA ein englischsprachiges Album der Schauspielerin Natalia Avelon, die an den Single-Erfolg mit "Summer Wine" und Ville Valo aus dem Jahr 2007 anknüpfen will, "Das ist ein sehr gutes Album geworden, unter anderem mit Kooperationen mit Bela B., The BossHoss oder Medina", berichtet Henrik Gümoes, der sich aber auch vom ebenfalls geplanten Album von LaBrassbanda "einen wichtigen Schritt in der Karriere verspricht". Anschließend erscheinen das "Tabaluga"-Livewerk von Peter Maffay und ein "Best Of" von Roger Cicero, für das laut Guemoes auch "unveröffentlichte Schätze" und Liveaufnahmen gehoben wurden.

"Wir sind außerdem sehr froh, den Zuschlag für die Auswertung des deutschen Beitrags zum Eurovision Song Contest erhalten zu haben", berichtet Gümoes. Hier befinde man sich im Austausch mit der Produktionsfirma Brainpool und NDR-Unterhaltungschef Thomas Schreiber. Die Kür des deutschen Kandidaten erfolgt am 9. Februar. Bis zum ESC im Mai wolle man dann ein Album erarbeiten. Hinzu kommen Titel von Newcomern wie Clara Louise, Körner oder Versengold bei RCA sowie bei Ariola von Sarah Jane Scott, Vincent Gross und Jan Smit.