Handel

Jens Michow: "Es gab noch nie einen derart prall gefüllten Konzertkalender wie 2016"

23.12.2016 10:37 • von Jonas Kiß
Geht in die Detailarbeit zur Fusion von bdv und VDKD: Jens Michow (Bild: Klaus Westermann)

Ich kann nicht für "das Musikgeschäft" sprechen und reduziere daher meine Antwort auf die durch unseren Verband vertretene Konzert- und Veranstaltungswirtschaft. Herausragende Momente sind ja leider nicht nur positiv, sondern es gibt auch Momente, die aufgrund ihrer Bedauerlichkeit aus dem Üblichen herausragen. Das waren leider die starken Unwetter, unter denen in diesem Jahr diverse Open- Air-Veranstaltungen gelitten haben und von denen einige - wie Southside und Rock am Ring - sogar abgesagt werden mussten.

Als auf der Negativseite herausragend wird Veranstaltern ebenso wie dem Publikum auch das Erfordernis der Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen in Erinnerung bleiben, die seit 2016 nach den grausamen Terroranschlägen in Paris auch bei Konzerten erforderlich wurden. Aber der Live-Entertainment-Markt wurde natürlich auch durch zahlreiche positiv herausragende Ereignisse geprägt. Der Umfang des Konzertangebots dürfte 2016 gegenüber den Vorjahren nochmals zugenommen haben.

Ich habe jedenfalls den Eindruck, dass es bisher noch nie einen mit Auftritten nationaler und internationaler Top-Acts derart prall gefüllten Konzertkalender gab wie 2016. Dass diese ganz überwiegend sehr erfolgreich waren, ist doch trotz der geschilderten Widrigkeiten eine gute Nachricht.

Erfreulich ist auch, dass die Mitglieder des Bundesverbandes sich auf unserer Jahrestagung im November einstimmig dafür ausgesprochen haben, dass der bdv-Vorstand mit dem VDKD den Zusammenschluss beider Verbände vorbereiten möge. Nachdem dafür zwischen den jeweiligen Verbandspitzen in diesem Jahr bereits Eckdaten ausgehandelt wurden, wird es 2017 an die Detailarbeit gehen. Mit Wirkung zum 1. Januar 2019 - also zum Ende der laufenden Legislaturperioden beider Verbände - soll es dann lediglich noch einen gemeinsamen Verband geben. Das ist für unseren Wirtschaftszweig schon eine recht wegweisende Entwicklung.

Herausragend für unseren Wirtschaftszweig ist es auch, dass es mit der 'European Live Music Association' ab kommendem Jahr nun endlich eine europäische Repräsentanz des Live-Music-Sektors geben wird. Der Verband soll in den nächsten Tagen in Brüssel zum Vereinsregister angemeldet werden. Und schließlich ist es für alle Veranstalter von erheblicher Bedeutung, dass die Schiedsstelle des Deutschen Patent- und Markenamts DPMA uns im November mit ihrem Schiedsvorschlag in der aktuellen Tarifauseinandersetzung mit der GEMA bestätigt hat, dass die Tariferhöhung der GEMA auf Vergütungssätze von durchweg zehn Prozent jedenfalls nicht als angemessen zu betrachten ist.

Und auch das bisherige Tarifsystem bedarf nach dem Vorschlag der Schiedsstelle gewisser Korrekturen. Ob nun auf der Grundlage dieses Schiedsspruchs ein den Erwartungen beider Parteien entsprechender Gesamtvertrag geschlossen werden kann, werden die geplanten Verhandlungen zeigen.