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Dossier Dance & Electronik: "Dance-Musik wird noch stärker"

Beim DJ Meeting @ Reeperbahn Festival eröffnete jüngst ein Panel zum Stand der Dinge in der Dance-Musik das ganztägige Programm. Dabei ging es auch um die Frage, wie Underground-Strukturen sich wirtschaftlich etabliert haben.

18.11.2016 09:40 • von Jonas Kiß
Die Panelisten (von links): DJ Jerome, Dennis Bohn und Friso (Adana Twins) (Bild: MusikWoche)

Beim DJ Meeting @ Reeperbahn Festival eröffnete jüngst ein Panel zum Stand der Dinge in der Dance-Musik das ganztägige Programm. Dabei ging es auch um die Frage, wie Underground-Strukturen sich wirtschaftlich etabliert haben.

"Ich habe das Gefühl, dass die Dance-Musik noch stärker werden kann, auch wenn wir derzeit viele Umbrüche erleben", sagte Friso, einer der beiden Mitglieder des auch international gefragten House-Duos Adana Twins, in der Runde im Arcotel Onyx. Dies sei allerdings von Szene zu Szene verschieden. "Ein Beispiel für den Wandel in der elektronischen Musik ist Australien, wo die EDM-Szene riesig war, diese nun aber extrem geschrumpft ist. Wir bewegen uns in einem schnelllebigen Business, auch wenn weltweit der Trend nach wie vor sehr positiv ist und nach oben zeigt. Gerade die deutsche Musik erfreut sich international großer Beliebtheit."

Dennis Bohn, der einst mit Brooklyn Bounce erfolgreich war, heute das Label Mental Madness führt und als DJ arbeitet, knüpfte daran an. "Es gibt heute nicht zuletzt wegen der sozialen Medien so viele Möglichkeiten für die unterschiedlichsten Stile im Dance-Bereich. Dadurch ergeben sich immer wieder neue Szenen. So erleben wir zurzeit einen Boom beim Hardstyle, während EDM wieder abebbt. Das ist aber auch gut so, weil dieses Genre einfach überproportional groß war. Andererseits finde ich es gut, dass viele Sachen bestehen bleiben, auch die Festivalszene in der elektronischen Musik hat sich etabliert."

DJ Jerome, der 2000 als HipHop-DJ angefangen hat und seit 2008 elektronische Musik auflegt, findet, dass sich eh alles wiederholt. "So erleben wir derzeit, dass R&B und Hip- Hop sehr stark gefragt sind. Aber auch die anderen Szenen sind im Moment sehr stark - ja, ich würde sogar sagen, dass elektronische Musik dominiert. Das sieht man an den Charts, aber auch an Megafestivals wie Tomorrowland, dem weltweit größten Festival. In Deutschland wird derweil der BigCity-Beats World Club Dome immer größer." Allerdings verdiene man Geld, wie Friso einwarf, vor allem über Bookings.

"Im Vergleich mit den Live-Einnahmen sind die Erlöse aus unseren Produktionen klein. Charts spielen für uns im Grunde keine Rolle, allenfalls die Beatport-Charts sind ein Indikator für erfolgreiche Tracks. Aber auch diese haben in den vergangenen Jahren an Aussagekraft verloren." DJ Jerome sieht den Erfolg von Acts wie den Adana Twins als einen Beleg dafür, dass der Underground- Bereich sehr stark sei. "Die Underground-Strukturen funktioniert außerhalb des Mainstreams."

Gleichzeitig hätten die Adana Twins kein Problem damit, wenn ein Song als Beleg für kommerziellen Erfolg in die iTunes-Charts einsteige. "Zwar hatten wir uns anfangs gefragt, was wohl passieren würde, wenn Mainstream-DJs wie Martin Garrix oder Tiesto unsere Tracks spielen würden - was dann ja auch geschehen ist. Aber letztlich sind das Musikstücke, die man der Welt zur Verfügung stellt und auf die man dann keinen Einfluss mehr hat."

Die Szenen vermischen sich zunehmend

"Underground oder Mainstream - ich bin da entspannt", so Friso weiter. "Auch wenn ich bestimmte EDM-Tracks überhaupt nicht mag, so habe ich doch Respekt davor, dass sie gut produziert sind." Die Frage nach der Kommerzialität habe auch für Brooklyn Bounce anfangs keine Rolle gespielt, wie Bohn erzählt: "Wir sind in den Erfolg einfach hineingerutscht. Erst als bei den ersten Auftritten kreischende Teenager vor der Bühne standen, wurde uns klar, dass wir nun wohl zur Kommerzszene gehörten. Damals war die Trennung zwischen Kommerz und Underground viel schärfer, heute hat sich alles vermischt."

Zudem gibt es inzwischen Wechselbeziehungen zwischen den Szenen, zwischen Underground und Mainstream, wie er betont: "Viele Songs aus den Charts sind richtig gut und spannend, zugleich schaffen es immer wieder völlig unbekannte Tracks aus den Clubs nach ganz oben. Und zudem wird einem, wenn man kommerziell erfolgreich ist, auch mehr Respekt gezollt."