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Ladegaillerie fasst mit Believe weitere Übernahmen ins Auge

"In zehn Jahren wird Digital das einzige Ding sein", sagte Denis Ladegaillerie, CEO Believe Digital, bei seiner Reeperbahn-Keynote am 22. September. Vor allem dank der Entwicklung im Streamingmarkt rechnet er mit weiterem Wachstum im Musikgeschäft. Vor diesem Hintergrund will er nach dem Erwerb des Labels Naïve weiter zukaufen.

22.09.2016 13:14 • von
Bei der Keynote zum Reeperbahn Festival: Thorsten Freese (Managing Director Believe Digital Deutschland, links) mit Believe-Gründer Denis Ladegaillerie (Bild: MusikWoche)

"In zehn Jahren wird Digital das einzige Ding sein", sagte Denis Ladegaillerie, Gründer und CEO von Believe Digital, bei seiner Keynote am 22. September 2016, dem Donnerstag des Reeperbahn Festivals. Den Anstoß dazu lieferte ein Einspieler von "Digital ist besser", dem Song von Tocotronic.

Welche Bedeutung das Digitalgeschäft für den Musikmarkt haben würde, wurde Ladegaillerie, der einst als Anwalt in Diensten des Mischkonzerns Vivendi stand, zunächst in der Napster-Ära und später in seiner Zeit bei MP3.com klar. "Das MP3-Format hat es erstmals möglich gemacht, eine größere Musiksammlung auf einem tragbaren Gerät ständig dabei zu haben." Später gründete er aus dieser Erkenntnis heraus im Jahr 2005 Believe Digital.

Heute gehe es für einen Digitalvertrieb vor allem darum, die Datenströme der Musiknutzung zu analysieren, sagte Denis Ladegaillerie. Dabei könne sich schnell zeigen, welche Tracks die Nutzer schnell überspringen, und welche sie wieder und wieder hören. "Auf der Qualität der Daten und deren Analyse können Musikunternehmen und Künstler heute ganze Karrieren aufbauen", ist sich Ladegaillerie sicher.

Bei Believe Digital habe man auf Basis von Datenanalysen festgestellt, dass es für Künstler abseits der Stars und Superstars zumeist zwei Wochen nach Veröffentlichung brauche, bis ein Titel bei Streamingdiensten größere Aufmerksamkeit erreiche. Dann folge oft eine Wachstumskurve, die nach rund sechs Wochen wieder abflache.

Laut Ladegaillerie müsse das für Labels und Künstler eine andere Strategie bei der Planung von Veröffentlichung bedeuten: "Veröffentlicht keine Alben", riet er. Das eröffnet neue Möglichkeiten, Fans zu gewinnen. "Bringt lieber einzelne Songs heraus, wann immer es möglich ist - möglichst alle fünf bis sieben Wochen - um eure Hörerschaft wirklich zu erreichen." Ladegaillerie ist sich sicher, dass die Entwicklung im Digitalmarkt und die Verfügbarkeit digitaler Dienstleistungen künftig verstärkt dazu führen wird, dass Superstars aus althergebrachten Vertragsmodellen mit den Musikkonzernen ausscheren und verstärkt auf ausgewählte Partnerschaften setzen.

Ladegaillerie rechnet weiter mit massivem Wachstum im Musikmarkt, getrieben von Streaming. Denn schließlich seien Streamingdienste die ersten Plattformen, die die Rolle des klassischen Musikhandels mit dem der Empfehlungsmaschine Radio kurzschließen würden. Dem Musikdownload misst er hingegen keine große Zukunft bei.

Auch zur kürzlich erfolgten bezog Ladegaillerie Position: Sein Ziel sei, es Künstlern umfassende Dienstleistungen anbieten zu können. Dazu zähle eben auch weiterhin die physische Distribution. "Wir wollen beide Bereiche bedienen, den digitalen und den physischen." Für den deutschen Musikmarkt habe Believe dazu .

Außerdem sei der "großartige Katalog" von Naïve in den vergangenen Jahren physisch und vor allem digital nicht angemessen präsent gewesen. Das gelte es nun zu ändern: "Wir wollen den Wert des Naïve-Katalogs heben", kündigte Ladegaillerie an. Allerdings müsse man auch hier bedenken, dass der typische Album-VÖ-Zyklus nicht mehr uneingeschränkt funktioniere. Deshalb will Ladegaillerie auch die Naïve-Künstler, die teils über eigene Studios verfügen, dazu ermutigen, auf regelmäßigerer Basis einzelne Aufnahmen über digitale Plattformen verfügbar zu machen.

"Ja", sagte Ladegaillerie schließlich auf die Frage, ob Believe weitere Zukäufe plane.