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EU winkt Sony/ATV-Millionendeal durch

Die Kartellwächter der Europäischen Kommission wollen die Komplettübernahme von Sony/ATV durch den Sony-Konzern ohne Auflagen genehmigen. Der Deal hat ein Volumen von 750 Millionen Dollar.

02.08.2016 10:00 • von
Kann das Ruder bei Sony/ATV künftig ohne die Erben von Michael Jackson führen: CEO Martin Bandier (Bild: Sony/ATV)

Die Kartellwächter der Europäischen Kommission wollen die Komplettübernahme von Sony/ATV durch den Sony-Konzern ohne Auflagen genehmigen. Der Deal hat ein Volumen von 750 Millionen Dollar. Nach Informationen der Nachrichtenagentur "Reuters" sehen die Wettbewerbshüter keine drohenden Beeinträchtigungen für den Wettbewerb im internationalen Musikverlagsgeschäft: Die Transaktion werde die Marktmacht von Sony gegenüber Anbietern im digitalen Musikmarkt im Vergleich zur Lage vor der Übernahme nicht wesentlich verändern, zitiert "Reuters" einen namentlich nicht genannten Sprecher der EU-Kommission. Eine offizielle Bestätigung aus Brüssel stand am Morgen des 2. August allerdings zunächst noch aus.

Update, 13:30 Uh: In ihrem Mittagsnewsletter bestätigte die Kommission die Entscheidung inzwischen.

Bereits hatte Sony die Absicht verkündet, mit der US-Gesellschaft Sony Corporation Of America die Nachlassverwalter von Michael Jackson aus dem seit 1995 als Gemeinschaftsunternehmen geführten Sony/ATV Music Publishing herauskaufen zu wollen. Martin Bandier, der im Juli 75 Jahre alt gewordene CEO von Sony/ATV Music Publishing, wertete die vollständige Übernahme des Musikverlags als "positive Nachricht" für das Unternehmen und alle Mitarbeiter und sprach vom Anbruch einer "spannenden neuen Ära".

Gegen die Übernahme hatten indes neben dem Impala-Verband auch und Front gemacht. Der Impala-Dachverband der unabhängigen Musikunternehmen Europas hatte erst kürzlich eine vertiefte Prüfung der Transaktion .

Im Jahr 2012 hatten die Kartellwächter der EU bereits den 2,2 Milliarden Dollar schweren Kauf von EMI Music Publishing durch ein Konsortium unter Sony-Leitung und unter Beteiligung des Mubadala-Staatsfonds der Vereinigten Arabischen Emirate . Sony musste damals die Virgin- und Famous-Verlagskataloge sowie die Verlagsrechte von zwölf zeitgenössischen britischen und US-amerikanischen Musikautoren wie Robbie Williams, Gary Barlow, Ozzy Osbourne oder Kurt Cobain weiterveräußern.

1995 hatte Sony die Hälfte des späteren Sony/ATV Music Publishing für rund 100 Millionen Dollar von Michael Jackson erworben, der den ATV-Katalog mit unter anderem mehr als 200 Beatles-Titeln 1985 für knapp 48 Millionen Dollar gekauft hatte. Der nun erlöste Verkaufspreis taxiert das Gesamtunternehmen Sony/ATV auf rund 1,5 Milliarden Dollar und liegt somit unter den Schätzungen zum Beispiel des "Wall Street Journal" aus dem Herbst 2015, die den Unternehmenswert von Sony/ATV eher bei rund zwei Milliarden Dollar sah.

Bei der Vorlage hatte der Sony-Konzern den Katalog an Songrechten im Musikverlagsbereich in einer begleitenden Präsentation (pdf, Seite 11) auf rund 4,21 Millionen Titel taxiert.