Unternehmen

In Extremo: Bereit für die nächsten 20 Jahre

17.06.2016 10:09 • von Janine Koppehele
Auskunftsfreudig auf der MusikWoche-Couch (von links): Van Lange, Das Letzte Einhorn und Specki T.D. von In Extremo (Bild: MusikWoche)

In Extremo haben sich schon während ihres Jubiläumsfestivals die ersten Gedanken zu ihrem neuen Album gemacht. "Wir haben auf der Loreley zwei verschiedene Sets gespielt", erklärt Das Letzte Einhorn beim Besuch der MusikWoche. "Das erste hat die ersten zehn Jahre, das zweite die zweiten zehn Jahre abgedeckt. Und da stand für uns bereits fest: wir freuen uns auf die nächste Platte." Für eine langanhaltende historische Rückschau war also gar keine Zeit.

"Das Konzert auf der Loreley war wie eine Zäsur, wo man kurz über die Schulter zurückblickt und schaut, was hat sich eigentlich in den letzten 20 Jahre ereignet", berichtet Schlagzeuger Specki T.D., "um dann aber mit der Energie, die einem dieses Event verliehen hat, fleißig neue Songs zu schreiben." Diesen kreativen Rückenwind, ausgelöst durch die Jubiläumsshow, verspürt die Band bis heute. Und er hat sicherlich auch die Entstehung des neuen Albums maßgeblich positiv beeinflusst.

"Wir hatten mit dem Songschreiben schon im April 2015 angefangen", erläutert Gitarrist Van Lange. "Nach dem Konzert auf der Loreley haben wir dann recht konstant an neuen Stücken weitergearbeitet." Eine kleine Schrecksekunde gab es während dieses Prozesses allerdings im letzten Dezember, als plötzlich der Proberaum der Band in Flammen stand. "Das hätte uns richtig wehtun können, wenn das Feuer unsere mittelalterlichen Instrumente vernichtet hätte" erzählt Specki T.D. "Wir hatten Glück, das alles noch wo anders verpackt war."

Hoher Hymnen-Faktor

Trotzdem wiegt der Verlust des Proberaums natürlich schwer. "Wir hatten uns dort ein kleines Studio eingerichtet und gerade mal fünf Stunden darin gearbeitet", ergänzt Van Lange. "Wir sind erst am Tag vor dem Brand eingezogen." Trotzdem hat dieses Unglück, das die Band nach eigenen Angaben die eine oder andere Woche zurückgeworfen hat, den Elan der Musiker in keiner Weise bremsen können. "Quid Pro Quo" ist von der ersten bis zur letzten Sekunde ein Album geworden, auf das In Extremo zu Recht stolz sein können. "Der Hymnen-Faktor ist sogar noch deutlich größer als auf den Vorgängerwerken" berichtet Sänger Das Letzte Einhorn.

"Wir klingen hier und da ein wenig rockiger und mehr nach Metal, aber gleichzeitig arbeiten wir mit traditionellen Melodien und es kehren die Fremdsprachen zurück, die es auf ,Kunstraub' nicht zu hören gab." Für die Produktion verpflichtete die Band erneut Jörg Umbreit und Vincent Sorg. "Für uns kam es gar nicht in Frage, das Produzententeam zu wechseln", erklärt Van Lange. "Es war gut, dass wir sie auch diesmal mit dabei hatten."

In ihrer 20-jährigen Karriere klang jedenfalls noch kein Album besser als "Quid Pro Quo". "Wir haben neben dem klassischen Repertoire ein paar neue Mittelalter- Instrumente dazugenommen." Entsprechend vielfältig gestaltet die Gruppe Songs wie "Flaschenteufel" oder "Pikse Palve". Bei zwei Stücken wird diesmal sogar auf Russisch gesungen. "Wir touren sehr viel In Russland", erklärt Das Letzte Einhorn, "und der Großteil der Musiker in der Band ist in der DDR aufgewachsen. Dadurch haben wir sowieso schon eine besondere Beziehung zu dem ehemaligen Bruderstaat. Wir wollten schon immer mal einen Song auf Russisch machen."

Herausgekommen ist dabei eine extrem druckvolle Vertonung der alten russischen Volksweise "Schwarzer Rabe". Erstmals arbeiten In Extremo auf dem neuen Album auch mit einem Moskauer Kosaken-Chor zusammen, der den beiden Liedern eine besondere Aura verleiht. Zu den weiteren Überraschungen auf "Quid Pro Quo" zählen zudem die Gastauftritte von Blind-Guardian- Sänger Hansi Kürsch, der auf "Roter Stern" erstmals auf Deutsch singt, sowie von Markus "Molle" Bischoff und Alexander "Ali" Dietz von Heaven Shall Burn, die dem Titelsong ihre Stimmen leihen.