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Schulterschluss am deutschen Gemeinschaftsstand

Am Nachmittag des 4. Juni stattete Frankreichs Kulturministerin Audrey Azoulay der deutschen Midem-Delegation einen Besuch ab. Bei der offiziellen Eröffnung des deutschen Gemeinschaftsstands standen aber auch YouTube und die Wertschöpfungslücke auf der Agenda.

06.06.2016 12:02 • von
Eröffneten den deutschen Gemeinschaftsstand auf der Midem (von links): DMV-Präsident Rolf Budde, CDU-Bundestagsmitglied Stefan Heck und der BVMI-Vorstandsvorsitzende Dieter Gorny (Bild: MusikWoche)

Am Nachmittag des 4. Juni 2016 stattete Audrey Azoulay der deutschen Midem-Delegation einen Besuch ab. Frankreichs Kulturministerin, die erst zu Jahresbeginn das Amt von ihrer Vorgängerin Fleur Pellerin übernommen hatte, zog zusammen mit dem Bürgermeister von Cannes, David Lisnard, sowiePaul Zilk, dem CEO der Messeveranstalter von Reed Midem, und Jérôme Delhaye, Director der Entertainment Division von Reed Midem, durchs Palais des Festival. Am deutschen Gemeinschaftsstand kam es dabei zu Gesprächen mit der Musikwirtschaft, vertreten unter anderem von DMV-Präsident Rolf Budde, BVMI-Vorstand Dieter Gorny, BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke oder VUT-Geschäftsführer Jörg Heidemann. Mit dabei war aber auch Stefan Heck. Der Rechtsanwalt und CDU-Politiker hat in der Bundestagsfraktion der Union die Rolle als Berichterstatter fürs Urheberrecht übernommen, die zuvor Ansgar Heveling innehatte.

Im Anschluss an den Besuch von Audrey Azoulay stand am zweiten Midem-Messetag schließlich die offizielle Eröffnung des deutschen Gemeinschaftsstands auf der Agenda. Und auch hier spielten die Politik und gemeinsame Lobbyarbeit eine Rolle.

Zwar ging es zunächst um Fragen der Verlegerbeteiligung im Anschluss an das Repobel-Urteil - hier habe die französische Kulturministerin zugesagt, das Thema ebenfalls auf europäischer und nationaler Ebene zu adressieren, sagte Rolf Budde bei seiner Begrüßung. Anschließend aber machte der Musikverleger klar, dass politische Erfolge der Musikbranche wohl nur gemeinsam - also im Schulterschluss zwischen Musikverlegern, Plattenfirmen und Labelbetreibern - zu erreichen seien: "Wir gehen stärker in die Richtung der Content-Allianz", sagte Budde. "Wir haben unseren gemeinsamen Feind inzwischen klar identifiziert", ergänzte Budde mit Verweis auf die Videoplattform YouTube. "Der größte Pirat ist YouTube." Deshalb sei es wichtig, sich nicht untereinander zu streiten, sondern gemeinsam zu agieren.

Dieter Gorny griff anschließend in seinem Beitrag die Probleme im Digitalgeschäft auf: "Unsere Branche, die ein Produkt hervorbringt, das immer noch massiv nachgefragt wird, ist arbeitsteilig organisiert", strich Gorny heraus. "Und die Teile tun gut daran, nicht nur gemeinsam zu arbeiten, sondern das auch zu bekunden. Denn je klarer wir zusammen stehen, desto klarer können wir die Probleme auch adressieren und - was noch wichtiger ist - auch gemeinsam lösen." Wertschöpfung sei schließlich auch in digitalen Zeiten ein Bestandteil der kreativen Ökonomie, es dürfe nicht verwerflich sein, davon leben zu wollen und auch zu können. "Das ist das Stichwort Value Gap, das wir gemeinsam in Europa adressieren."