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Bewegende Momente beim Echo Jazz

Der im März verstorbene Roger Cicero war beim Echo Jazz allgegenwärtig: Ob in den Worten von Staatsrat Carsten Brosda, als Preisträger, in den Dankesreden anderer Echo-Sieger oder bei einem Allstar-Tribute. Weitere Höhepunkte waren der Echo fürs Lebenswerk an Wolfgang Dauner, Benny Greb, der sich als Comedian empfahl, oder die Auftritte von Lars Danielsson, Ibrahim Maalouf oder Tigran Hamasyan. Jetzt mit Fotoshow.

27.05.2016 08:26 • von
Eine Auszeichnung zum Abschied: Der kürzlich verstorbene Roger Cicero erhielt den Echo Jazz als Sänger des Jahres (Bild: BVMI/Sinissey)

Der im März plötzlich und unerwartet verstorbene Roger Cicero war bei der Verleihung des Echo Jazz am Abend des 26. Mai 2016 auf Kampnagel in Hamburg allgegenwärtig: Ob in den einleitenden Worten von Hamburgs Staatsrat Carsten Brosda, als Preisträger, in den Dankesworten anderer Echo-Sieger oder bei einem Allstar-Tribute.

Der Jazz kenne auch die Trauer sagte Brosda, Roger Cicero sei viel zu früh verstorben, "ein großartiger Künstler, der fehlt". Roger Cicero habe den Preis in der Kategorie als "Sänger des Jahres national" dennoch gewonnen, betonte später Götz Alsmann in seiner Ansprache, "er kann ihn bloß nicht mehr persönlich entgegennehmen".

Die verbliebenen Mitglieder der Formation The Roger Cicero Jazz Experience, Schlagzeuger Matthias Meusel, Bassist Hervé Jeanne und Keyboarder Maik Schott, spielten anschließend eine Version des Beatles-Song "The Long And Winding Road", der sich auch auf dem Echo-prämierten Album der Jazz Experience findet. Großartige Unterstützung erhielten sie dabei von den diesjährigen Echo-Siegern Giovanni Weiss an der Gitarre, Schlagzeuger Benny Greb und Nils Wogram, der an der Posaune die Stimme aufgriff.

Roger Cicero hätte den Echo Jazz 2016 wie schon im Vorjahr zusammen mit dem US-amerikanischen Sänger Gregory Porter moderieren sollen. Den deutschen Part übernahm nun Götz Alsmann mit einem gewohnt souveränen und einwandfreien Auftritt.

Weitere Höhepunkte der siebten Verleihung des Echo Jazz waren zum Beispiel der Echo fürs Lebenswerk an Wolfgang Dauner, den Mr. Tagesschau Jan Hofer überreichte. "Ich bin doch sehr überrascht, dass diese Ehrung so früh kommt", sagte Dauner. Sein Werk sei schließlich noch längst nicht abgeschlossen. "Vielen Dank, aber das war's noch nicht", versprach der 80-Jährige: "Ich mache weiter - Jazz und anderen Musik - bis ich den Löffel abgebe."

Bereits zuvor hatte sich Benny Greb in seiner Dankesrede als Comedian empfohlen. Der Schlagzeuger zitierte aus dem angeblich Kleingedruckten im Echo-Kontrakt und aus einem Gesetzentwurf der künftig ausgewählte Sätze - "keine Gage, aber tolle Promotion für euch" - im Umgang mit Musikern und speziell mit Schlagzeugern verbieten soll.

Durch die Bank überzeugen konnten die musikalischen Auftritte beim Echo Jazz: Den ersten und den letzten Titel des Abends steuerte dabei Gregory Porter bei, der am Abend des 27. Mai beim Stadtpark Open Air . Zu beeindrucken wussten aber auch Bassist Lars Danielsson mit Sängerin Caecilie Norby, Trompeter Ibrahim Maalouf und Pianistin Anke Helfrich mit ihren Formationen oder Tigran Hamasyan solo am Piano.

Für die siebte Verleihung, davon die vierte in Hamburg, kehrten der Bundesverband Musikindustrie und die Deutsche Phono-Akademie mit dem Echo Jazz in die Kulturfabrik Kampnagel zurück, wo die Gala bereits 2014 stattfand. Als Partner waren erneut die Stadt Hamburg, der NDR, der unter anderem am Abend des 28. Mai noch eine Zusammenfassung der Gala zeigt, und Sponsor Skoda mit dabei.

Zwar zeigte sich Hamburg am Echo-Abend nicht von seiner allerbesten Seite ("schiet Wetter, gute Musik", warb ein Hamburger Musikkonzern einst in einer Anzeige in MusikWoche-für den Standort), Staatsrat Brosda aber war sich schon zu Beginn der Echo-Sause sicher: "Hamburg und der Jazz - das passt schon." Das griff Dieter Gorny auf: "Hamburg und der Jazz gehören und passen zusammen", meinte der Vorstandsvorsitzende des BVMI, der aber auch an Gerechtigkeit bei der Verteilung von Erlösen aus der Vermarktung urheberrechtlich geschützter Werke im digitalen Umfeld appellierte. Und auch NDR-Intendant Lutz Marmor machte klar, dass "der Jazz in Hamburg eine Heimat hat, ebenso wie beim NDR".

Alle Sieger beim Echo Jazz 2016

Ensemble des Jahres national

Michael Wollny Trio - Nachtfahrten (ACT)

Ensemble des Jahres international

James Farm - City Folk (Nonesuch/Warner Music)

Sänger/Sängerin des Jahres national

Roger Cicero - The Roger Cicero Jazz Experience (wavemusic/California Sunset Records)

Sänger/Sängerin des Jahres international

Jose James - Yesterday I Had The Blues (Blue Note/Universal Music)

Instrumentalist/in des Jahres national Piano/Keyboards

Anke Helfrich - dedication (enja)

Instrumentalist/in des Jahres international Piano/Keyboards

Tigran Hamasyan - Mockroot (Nonesuch/Warner)

Instrumentalist/in des Jahres national Saxophon/Woodwinds

Rolf Kühn - Stereo (MPS/Edel)

Instrumentalist/in des Jahres international Saxophon/Woodwinds

Kamasi Washington - The Epic (Brainfeeder/rough trade)

Instrumentalist/in des Jahres national Drums/Percussion

Benny Greb - Moving Parts (Herzog Records)

Instrumentalist/in des Jahres international Drums/Percussion

Kendrick Scott - We Are The Drum (Blue Note/Universal)

Instrumentalist/in des Jahres national Bass/Bassgitarre

Dieter Ilg - Mein Beethoven (ACT)

Instrumentalist/in des Jahres international Bass/Bassgitarre

Lars Danielsson - Just The Two Of Us (ACT)

Instrumentalist/in des Jahres national Blechblasinstrumente/Brass

Nils Wogram - Nature (nWog)

Instrumentalist/in des Jahres international Blechblasinstrumente/Brass

Ibrahim Maalouf - Kalthoum (Impulse! (Universal)

Instrumentalist/in des Jahres national Gitarre

Giovanni Weiss - Driving (MPS/Edel)

Instrumentalist/in des Jahres international Gitarre

Philip Catherine - The String Project - Live In Brussels (ACT)

Instrumentalist/in des Jahres Besondere Instrumente

Hamilton De Holanda (Mandoline) - Bandolim (MPS/Edel)

Big-Band Album des Jahres

Sebastian Sternal & Sternal Symphonic Society - Sternal Symphonic Society Vol.2 (Traumton Records)

Newcomer des Jahres

Natalia Mateo - Heart Of Darkness (ACT)

Bestseller des Jahres

Diana Krall - Wallflower (Verve/Universal Music)

Sonderpreis des Jahres

Brad Mehldau - 10 Years Solo Live (Nonesuch/Warner Music)