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EU-Kommissar Ansip mischt sich in YouTube-Diskussion ein

Erst kürzlich kritisierten Spitzenmanager der internationalen Musikwirtschaft eine Wertschöpfungslücke im Streaminggeschäft. Bei EU-Digitalkommissar Andrus Ansip stoßen die Lobbyisten mit ihrem Vorstoß offenbar auf offene Ohren.

18.04.2016 15:40 • von
Sieht den Wettbewerb im Streamingmarkt zwischen Anbietern wie YouTube und Spotify durchaus differenziert: EU-Digitalkommissar Andrus Ansip (Bild: Europäische Kommission)

Erst kürzlich kritisierten Spitzenmanager der internationalen Musikwirtschaft eine Wertschöpfungslücke im Streaminggeschäft. Bei der Vorlage der IFPI-Jahresbilanz für 2015 verglich CEO Frances Moore die Einnahmen aus der Vermarktung der Musikabos von Streamingdiensten - rund 68 Millionen Abonnenten sorgen hier laut IFPI für Einnahmen von rund 2,9 Milliarden Dollar - mit den im werbefinanzierten Bereich erzielten Erlösen: Hier rechnet die IFPI damit, dass mehr als 900 Millionen Nutzer von Plattformen wie YouTube der Branche Umsätze von hochgerechnet gerade einmal 634 Millionen Dollar bringen. Edgar Berger, der bei Sony Music die internationalen Geschäfte außerhalb der USA verantwortet, nannte das .

Bei Andrus Ansip, bei der Europäischen Union als Kommissar für den Digitalen Binnenmarkt zuständig und derzeit auf internationaler Ebene mit in die Diskussion um die künftige Gestaltung des Urheberrechts involviert, stießen die Lobbyisten mit ihrem Vorstoß ganz offenbar auf offene Ohren:

"Hier geht es nicht nur um die Vergütung von Rechteinhabern und Kreativschaffenden, es geht vielmehr auch um gerechte Wettbewerbsbedingungen zwischen den Betreibern verschiedener Plattformen", sagte Ansip der britischen "Financial Times": "Anbieter von Musikabonnements vergüten die Autoren, andere Dienstebetreiber tun das nicht. Wie können sie im Wettbewerb miteinander bestehen?"

Die Google-Tochter verweist derweil gegenüber der "FT" auf die mehr als drei Milliarden Dollar, die man bislang an die Musikindustrie ausgeschüttet habe - bei signifikanten Steigerungsraten pro Jahr. Auch seien schon früher bloß 20 Prozent der Musikhörer auch bereit gewesen, für Musik zu bezahlen - YouTube helfe der Branche also vielmehr dabei, die Musiknutzung der verbleibenden 80 Prozent zu monetarisieren.

Zudem haben die YouTube-Macher unter dem Namen YouTube Music Foundry ein Programm lanciert, das Musikacts den Weg zur Vermarktung ihrer Videos über die Plattform erleichtern soll, dem Konzern laut "Bloomberg"-Informationen aber zugleich auch Zugriff auf exklusive Inhalte gewähren würde - angesichts des Wettbwerbs im Streamingmarkt derzeit ein für die Betreiber durchaus interessantes Argument.

Auch die aktuelle "Vote & Quote"-Onlineumfrage von MusikWoche widmet sich der Wertschöpfungslücke, die die IFPI als Value Gap beklagte - und dabei Plattformen wie YouTube und die bestehenden Safe-Harbour-Regeln ins Visier nahm. Welche Lösungen sehen Sie: Muss hier der Gesetzgeber handeln, können vielleicht sogar die Einnahmen aus den Premiumdiensten einstmals diese Lücke schließen, wird die Branche noch lange mit diesen Ausnahmeregelungen zu kämpfen haben oder haben Anbieter wie YouTube das Spiel bereits gewonnen? Stimmen Sie mit ab auf den Onlineseiten von MusikWoche.