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Frauen in der Musikbranche: Eine Löwin unter den Ladies

In Musikerkreisen heißt sie auch "die Löwin", denn Rita Flügge-Timm setzt sich stets für ihre Acts ein. Seit fast vier Jahrzehnten im Musikbusiness aktiv, ging sie im Herbst 2014 mit eigenem Label DolceRita Recordings unter dem Dach von Warner Music Entertainment an den Start.

14.09.2015 16:51 • von Jonas Kiß
Seit Jahrzehnten für Warner Music im Einsatz: Rita Flügge-Timm (Bild: Bettina Greve)

In Musikerkreisen heißt sie auch "die Löwin", denn Rita Flügge-Timm setzt sich stets mit aller Entschlossenheit für ihre Acts ein. Seit fast vier Jahrzehnten im Musikbusiness aktiv, ging sie im Herbst 2014 mit eigenem Label unter dem Dach von Warner Music Entertainment (WME) an den Start.

Kinder hat sie keine - und doch jede Menge Töchter und Söhne: ihre Künstlerinnen und Künstler, wie sie sagt. In der nach wie vor männlich dominierten A&R- und Marketingwelt hat Rita Flügge-Timm eine bemerkenswerte Karriere hingelegt. "Mit einer Familie zu Hause wäre es schwer geworden", räumt sie ein, dafür hätte die Zeit gefehlt, Feierabend gibt es bei ihr nicht. Manchmal unterbricht sie sogar eine Joggingtour, um sich eine neue Idee ins Smartphone zu diktieren.

"Ich denke ständig an meine Projekte. Und ich liebe meinen Job, weil ich ganz nah an der Musik sein kann", schwärmt die 56-Jährige, die bei seit der Übernahme von eastwest records 2001 in leitender Funktion an Bord gewesen ist. Selbstverständlich unterliege sie auch bei DolceRita Recordings wirtschaftlichen Zwängen, doch sie schätze ihre "eigene Spielwiese mit mehr Freiheiten" sehr.

Die enge Anbindung ans Brand Management des Majors ist geblieben, ihr Team allerdings viel kleiner geworden. In ihrem Loft-Büro gegenüber der Hamburger Speicherstadt, nur wenige Gehminuten von der deutschen Warner- Zentrale entfernt, arbeitet ihr nur die Creative Managerin Jennifer Belger (30) zu. "Damit liegt unsere Frauenquote bei 100 Prozent", bemerkt die Labelchefin schmunzelnd, mehr könne man nicht verlangen.

Tatsächlich wünscht sie sich allerdings, dass generell "mehr Frauen in den Unternehmen mitentscheiden, welche Acts und welche Musik gefördert werden sollen, denn es gibt schließlich ungefähr ebenso viele Männer wie Frauen auf der Welt - und alle hören, viele kaufen Musik." Zudem seien Frauen oft begeisterungsfähiger als Männer. "Klar müssten sie sich manchmal einfach trauen, bei Bedarf die Ellenbogen einzusetzen, doch sie sind meist kommunikativer und gefühlsbetonter, was ein Vorteil ist. Mit Euphorie für eine Sache ist man gleich auf dem richtigen Weg, damit kann man Berge versetzen", lautet ihre Erfahrung.

Ihre bisherige Erfolgsbilanz bestätigt das: Rita Flügge-Timm hat nicht zuletzt für den Millionenseller "Time To Say Goodbye" von Sarah Brightman und Andrea Bocelli verantwortlich gezeichnet (1996 bei eastwest), Nena bei Warner Music zu einem fulminanten Comeback verholfen (2002) und Udo Lindenberg zu den ersten beiden Nummer-eins-Alben seiner Laufbahn (2008/2011). Der Panik-Rocker, den die gebürtige Hamburgerin seit Jahrzehnten kennt und zu dem sie immer Kontakt gehalten hat, ist seiner "Löwin" zu ihrer Unit gefolgt: Im Mai hat er einen Deal über ein neues Album mit DolceRita/Warner geschlossen. Rita Flügge-Timm freut sich darauf, diese "berufliche Love Story" weiter fortzuführen.

Mit ihrer Neuentdeckung Alexa Feser wird sie überdies als geschäftsführende Inhaberin von DolceRita Music + Publishing, ihrem mit Warner/Chappell gegründeten Musikverlag, bei der "Music Publishing Summer School" der Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft (IHM) am 23. September "Off the record" einige Geheimnisse erfolgreicher Künstlerentwicklung verraten.