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O-Ton Alexander Schulz und Detlef Schwarte: "Für einige ist das Reeperbahn Festival mittlerweile Allgemeingut"

04.09.2015 17:03 • von Jonas Kiß
Veranstalten das Reeperbahn Festival: Detlef Schwarte (links) und Alexander Schulz (Bild: Rieka Anscheit)

Ist es leichter oder schwieriger geworden, das Reeperbahn Festival zu stemmen?

Alexander Schulz: Einerseits wird es leichter, weil man das Veranstaltungskonzept auch international nicht mehr erklären muss. Andererseits wird die Erwartungshaltung unserer Besucher immer größer. Vor fünf Jahren hingegen war das noch anders. Da mussten wir erklären, was wir überhaupt machen und begründen, warum es sinnvoll sein könnte, sich hier zu zeigen. Jetzt speist sich die Erwartungshaltung vieler Partner und Besucher auch aus dem Umstand, dass sie uns viele Jahre begleitet haben. Für einige ist das Reeperbahn Festival mittlerweile Allgemeingut.

Detlef Schwarte: Die Erwartungshaltung kommt auch noch von einer anderen Seite her: Es wollen immer mehr Leute Teil der Veranstaltung sein und sich einbringen. Das geht in vielen Fällen sehr gut, in anderen Fällen nicht. Einfacher geworden sind in den zehn Jahren allerdings die Arbeitsabläufe. Bei den Ticketverkäufen ist die Veranstaltung kalkulierbar, wir haben uns dort über die Jahre eine gewisse Erfahrung erworben. Man kann sich mehr auf gewisse Richtgrößen verlassen als noch vor fünf Jahren - und das gilt gerade im Konferenzbereich noch mehr als im öffentlichen Teil des Festivals. Angesichts der Stellung des Reeperbahn Festivals als zentrale Veranstaltung für Deutschland können wir nun damit rechnen, dass sich wieder vergleichbar viele Menschen für das Reeperbahn Festival interessieren wie in den Vorjahren.

Wie kam es zur Absage der MerchMasters-Konferenz, die erstmals im Rahmen des Reeperbahn Festivals über die Bühne gehen sollte?

Schwarte: Das lag am fehlenden Interesse aus diesem Businessbereich, das muss man einfach so sagen. Alle Seiten haben sehr konzentriert an dem Projekt gearbeitet, es wurden sehr viele Gespräche geführt und das erste Feedback suggerierte, dass ein Bedarf dafür vorhanden ist. Doch es zeigte sich, dass das konkrete Commitment dann doch noch einmal etwas anderes ist.

Es gehört eben auch zum Reeperbahn Festival, dass wir in solchen Fällen die Konsequenz ziehen, wenn etwas dann doch nicht zu uns passt. MerchMasters war eine Idee, ein Versuch, der nicht im ersten Anlauf geklappt hat. Wir sehen das als ein beständiges Lernen, um etwas dann im nächsten Jahr besser zu machen. Anders als etwa Eurosonic Noorderslag scheint es zur Philosophie des Reeperbahn Festivals zu gehören, dass sich hier Partner explizit präsentieren könnten.

Schulz: Richtig. In allen Bereichen ist es so, dass wir Partner zulassen und zeigen. In diesem Punkt unterscheiden wir uns von den Kollegen in Groningen deutlich, bei denen ja im wahrsten Sinne des Wortes alles unter einem Dach stattfindet - nämlich im De Oosterport. Bei uns gibt es diese räumliche Einheit nicht, wir geben unseren Partnern die Möglichkeit, sich und ihre Events so zu präsentieren, wie, wo und wann sie möchten -geben allerdings Empfehlungen und bieten Kooperation an. Dadurch hat das Reeperbahn Festival ein dezidiert anderes Profil als Eurosonic Noorderslag, auch wenn beide Veranstaltungen oft in einem Atemzug genannt werden. Es ist sicherlich gut, dass sich die beiden Events durch ihre verschiedenen Profile unterscheiden und anders strukturiert sind.

Gehört auch die neue Zusammenarbeit mit dem Indieverband VUT und der Next-Konferenz in diese Kategorie?

Schwarte: Über beides haben wir uns sehr gefreut. Die Partnerschaft mit dem VUT ist auf drei Jahre angelegt, die mit der Next im Prinzip unbegrenzt. Wir freuen uns auf eine spannende, kollegiale Kooperation. Gerade die Zusammenarbeit mit dem VUT markiert für uns einen wichtigen Neubeginn, und wir wollen auch in den kommenden Jahren sehen, was wir noch alles gemeinsam entwickeln können.

Könnten Sie sich im Konferenzbereich vorstellen, künftig noch mehr große und bekannte Gesichter auf der Reeperbahn zu haben - von Michael Rapino bis Madonna?

Schwarte: Sicherlich wäre es schön, auch Kaliber dieser Größe nach Hamburg zu holen. Wir sind allerdings international gesehen noch kein South By Southwest, bei dem alle kommen, wenn sie gerufen werden. Aber wir arbeiten bis zuletzt daran, spannende Redner für das Reeperbahn Festival zu bekommen. Und manchmal liegt es auch nicht an uns, wenn ein Keynote-Redner zum angefragten Termin einfach nicht kann. Zugleich sind wir aber auch daran interessiert, spannende Menschen bei der Konferenz vorzustellen, die der Branche etwas zu sagen haben - auch wenn sie selber nicht unbedingt Teil der Musikwirtschaft sind.

Wie sieht die Gewichtung zwischen dem Reeperbahn Festival für die Fachbesucher und dem öffentlichen Teil für die Konzertbesucher aus?

Schulz: Das ist schwer zu sagen. Auch wenn es bestimmte Programmbereiche gibt, die nur den Fachbesuchern offenstehen, wie etwa Receptions oder Networking-Sessions, so wird doch ein Großteil des Angebots für beide Besuchergruppen programmiert - eine Symbiose, in deren Mittelpunkt der Künstler steht. Ein gutes Beispiel dafür ist unser Konzertprogramm. Einige Künstler können wir nur aufgrund der Kooperation mit Partnern öffentlich zeigen. Die Künstler und ihre Firmen erleben eine authentische Show vor Fans. Zudem sind unsere Konzerte häufig an eine Bild- oder Tonproduktion und Livestreams gekoppelt. Das bewirkt eine mediale Verbreitung, die ein konventionelles Showcase nicht auslöst.

Wie sieht es eigentlich auf der Reeperbahn aus? Werden die Spielstätten rechtzeitig fertig?

Schulz: Das neue Klubhaus St. Pauli am Spielbudenplatz zwischen Docks und Schmidt Theater wird rechtzeitig zum Reeperbahn Festival fertiggestellt. Wir produzieren an insgesamt sieben Orten unterschiedliche Formate. Das Haus erfährt erstmalig eine solch intensive Bespielung, weshalb sicher nicht alles ganz glatt laufen wird. Wir wollen aber eine ordentliche Generalprobe abliefern.

Wo sehen Sie das Reeperbahn Festival in zehn Jahren?

Schwarte: Es gibt hier keinen Masterplan. Auf Konferenzseite werden wir weiterhin versuchen, der Branche die richtigen Angebote zu machen und gute Partnerschaften zu schmieden, die uns dann möglichst jahrelang begleiten. Die VUT Indie Days, die uns auf alle Fälle die nächsten drei Jahre erhalten bleiben, oder die unbefristete Partnerschaft mit der Next-Konferenz sind gute Beispiele dafür. Schulz: Ich sehe uns weiterhin am Puls der Zeit mit Blick auf die wichtigen Fragestellungen und Themen in der Musikwirtschaft, auf das Besucherverhalten und die Bedürfnisse der Künstler.