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Hamburg rückte in Berlin Studie der Musikverbände in den Fokus

Mit ihrer "Reeperbahn Festival Echo Edition" haben die Hansestadt Hamburg und die Veranstalter des Reeperbahn Festivals im Echo-Umfeld ein informatives Networking-Event etabliert. In diesem Jahr diskutierte man über die gemeinsame Studie der Branchenverbände zur volkswirtschaftlichen Relevanz der Musikwirtschaft.

30.03.2015 17:24 • von
Beim vierten Netzwerktreffen unter dem Motto Reeperbahn Festival Echo Edition (von links): Wolfgang Schmidt, Barbara Kisseler, Alexander Schulz, Bernd Dopp (Chairman & CEO Warner Music Central Europe), Benedikt Lökes (Director Corporate Communication Warner Music Central Europe) und Dieter Gorny (Bild: MusikWoche)

Mit ihrer "Reeperbahn Festival Echo Edition" haben die Hansestadt Hamburg und die Veranstalter des Reeperbahn Festivals im Echo-Umfeld ein informatives Networking-Event etabliert. In diesem Jahr diskutierte man über die gemeinsame Studie der Branchenverbände zur volkswirtschaftlichen Relevanz der Musikwirtschaft.

Zur vierten Ausgabe der Reeperbahn Festival Echo Edition hatten die Kulturbehörde Hamburg und die Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund am Vormittag des 26. März eingeladen. Zunächst lobte Gastgeber Wolfgang Schmidt, Bevollmächtigter Hamburgs beim Bund, das Reeperbahn Festival als "eine gelungene Mischung aus Praxis und Konzerten", richtete angesichts der Olympia-Bewerbung der Hansestadt aber auch den Blick nach vorn: Nachdem Großbritannien mit der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2012 in London die Messlatte hochgelegt habe, gelte es nun, tolle Künstler aufzubauen, die 2024 zur Eröffnung der Olympischen Spiele in Hamburg auftreten können.

Als Kultursenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg beglückwünschte Barbara Kisseler zunächst Dieter Gorny zu seinem neuen Posten: Den Vorstandsvorsitzenden des Bundesverbands Musikindustrie hat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel . Das werde "der Sache zu enormem Auftrieb verhelfen", meinte Barbara Kisseler.

Dann leitete die Kultursenatorin über zum zehnten Reeperbahn Festival, das im September über die Bühne geht: Es habe von Jahr zu Jahr an Bedeutung gewonnen, und deshalb dankte sie Alexander Schulz und seinem Team für alles, "was sie für Hamburg erreicht haben". Das gelte auch im Hinblick auf den Hamburger Musikdialog als "Gipfeltreffen der Branche", den es ohne das Reeperbahn Festival in dieser Form wohl nicht geben würde. Eben beim Hamburger Musikdialog fiel 2014 denn auch der Startschuss für die branchenübergreifende Studie, die am 23. September 2015 ebenfalls beim Hamburger Musikdialog und somit zum Auftakt des Reeperbahn Festivals vorgestellt werden soll.

Die Kosten der Studie, die das Institut für Kommunikationswissenschaften an der Universität Jena erstellt und die den Gesamtmarkt transparent erfassen soll, bezifferte Kisseler auf rund 100.000 Euro. Die Hälfte davon tragen die Freie und Hansestadt Hamburg sowie das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, die andere Hälfte die beteiligten Organisationen, also der Bundesverband Musikindustrie (BVMI), der Bundesverband der Veranstaltungswirtschaft (bdv), der Deutsche Musikverleger-Verband (DMV), die Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten (GVL), die LiveMusikKommission, die Society Of Music Merchants (SOMM), der Verband der Deutschen Konzertdirektionen (VDKD) sowie der Verband unahbhängiger Musikunternehmen (VUT).

In der anschließenden Diskussionsrunde bezeichnete es Prof. Wolfgang Seufert als Leiter des Instituts für Kommunikationswissenschaften an der Universität Jena als Ziel der Untersuchung, Kosten- und Beschäftigungsstrukturen der vielfältigen Musikwirtschaft aufzeichnen zu können. Dazu habe man eine umfassende Unternehmensbefragung auf den Weg gebracht, die aber "nur mit Unterstützung der Verbände" gelingen werde. Schließlich sei so eine Studie komplizierter als eine repräsentative Wahlumfrage, bei der die Marktforscher schnell von 2000 befragten auf 50 Millionen Wähler hochrechnen könnten. Für Seufert ist schon jetzt klar, dass die Musikwirtschaft, rechnet man vom Instrumentenbau über den Musikunterricht bis zur Musikindustrie und Veranstaltungswirtschaft alle Bereiche zusammen, größer sei als Kino, Video und angrenzende Felder. "Wir wollen keinen Zahlenfriedhof für Spezialisten produzieren", sagte Seufert. Vielmehr gehe es darum, mögliche Gefahren und Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Laut Dieter Gorny soll die Studie vor allem helfen, "ein bisschen Unwissen" aus der Diskussion um die Kultur- und Kreativwirtschaft, das Urheberrecht und die Auswirkungen der Digitalisierung zu nehmen. Bei der Studie gehe es "um richtige Kulturwirtschaft", nicht "um urban geprägtes Chi-Chi, das gerade mal in ein Startup mündet". Es sei wünschenswert, wenn als ein Ergebnis erkennbar werde, dass Musik einen Wert hat. Gorny sieht die Studie auch als "Pädagogikum", dank derer man zum Beispiel in Brüssel "mit einer Stimme sprechen" könne, um gehört zu werden.

Lars Ingwersen, der als Repräsentant des Deutschen Musikverleger-Verbands an der Runde teilnahm, bezeichnete die Studie als "gemeinsame Währung" für die Argumentation der bislang auf eigene Erhebungen angewiesenen Interessensgruppen der Musikwirtschaft. Daher appellierte Ingwersen denn auch an alle angefragten Unternehmer, sich mit der Studie auseinanderzusetzen: "Davon haben am Ende alle etwas."

Das strich auch Jens Michow heraus, der Präsident des Bundesverbands der Veranstaltungswirtschaft: Viel wichtiger als die Frage, wer die Studie letztlich präsentieren darf, sei es, "dass wir den Begriff 'wir' lernen". Die Untersuchung, da gab sich Michow schon sicher, werde "eine neue Leitstudie".