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Sony Music kündigt Top-Ten-Offensive an

Sony Music wächst, das war die Botschaft, die sich am 17. Oktober wie ein roter Faden durch Laut in München 2013 zog. Die "Leistungsschau", wie Ina Müller sie nannte, präsentierte aktuelle Zugpferde und Hoffnungsträger aus dem Hause Sony Music. Zirkusambiente war das Leitmotiv der Inszenierung in den Münchner Eisbachstudios - mit Drehleier, Popcorn und Alpakas.

18.10.2013 13:36 • von Knut Schlinger
Das Sony-Team aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei Laut in München 2013 (hinten, von links): Sebastian Hornik, Carolyn Schlak, Dietmar Lienbacher, Stefan Goebel, Michael Brüggemann, Max Göbl, Philip Ginthör, Hein Canibol, André Mühlhausen, Ulli Feldhahn, Julie Born und Roman Rybnikar sowie (vorn) Rald Schalck (links) und Willy Ehmann (Bild: MusikWoche)

Sony Music wächst, das war die Botschaft, die sich am 17. Oktober wie ein roter Faden durch Laut in München 2013 zog. Die "Leistungsschau", wie Ina Müller sie nannte, präsentierte aktuelle Zugpferde und Hoffnungsträger aus dem Hause Sony Music. Zirkusambiente war das Leitmotiv der Inszenierung in den Münchner Eisbachstudios - mit Drehleier, Popcorn, Papageien und Alpakas.

Das Wachstum, so machte CEO Philip Ginthör gleich mit seiner Begrüßungsrede der Handels- und Medienpartner klar, komme vor allem aus dem Aufbau von Newcomern. "Diese Künstler, diese Musik zu finden, ist unsere Aufgabe." Das Thema Nachwuchsaufbau zog sich denn auch durch die meisten Präsentationen der Repertoirebereiche. "Die Marktbedingungen", sagte Ginthör, "sind so positiv wie schon lange nicht mehr." Sony Music könne auf eine "hervorragende Zwischenbilanz" verweisen, darauf ausruhen aber wolle man sich nicht. Weiter vorwärts könne es nur gehen, wenn Inhalte und Qualität stimmen: "Ich weiß: Wir sind auf dem richtigen Weg, wir haben uns die richtigen Ziele gesetzt."

Ginthör sprach auch das Zirkusthema an: "Letztlich ist es wie in einem großen Showzirkus: Wir sind eine Familie." Gemeinsam müsse man für Begeisterung sorgen. "Wir glauben an eine Zukunft der Musik voller kreativer Vielfalt. Die Ausgangssituation für ein nachhaltiges Wachstum der Musikbranche ist gut; wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen." Er appellierte daher an den Handel und die Medien: "Seien Sie mutig! Machen Sie im Handel Platz für Neues, spielen Sie im Radio mehr neue Künstler."

Willy Ehmann sprach anschließend den sich verändernden Markt an, der dafür sorge, dass sich auch ein Unternehmen wie Sony Music ständig überprüfen müsse. Das habe man getan und daher Anfang 2013 eine neue Labelstruktur - mit Columbia, Four Music, Epic, Ariola und RCA Deutschland - geschaffen, "um nachhaltiger, schlagkräftiger und auch erfolgreicher mit und für unsere Künstler arbeiten zu können". Hinzu komme die Zusammenarbeit mit externen Kreativzellen. "Reaktionsvermögen und Flexibilität sind gefragt", sagte Ehmann, "aber auch Gelassenheit und Ruhe."

Ehmann läutete die Reihe der Schwerpunktpräsentationen mit den Highlights der nationalen Repertoiredivisionen Columbia und Epic ein, anschließend stellte Stefan Goebel internationale Schwerpunkte vor, bevor Ehmann mit Four-Veröffentlichungen zu Ralf Schalck überleitete, der wiederum auf das zehnjährige Jubiläum der Spassgesellschaft verwies und später noch einmal mit den Schwerpunkten aus dem Bereich Catalogue & Concept zurückkehrte.

Einen starken Auftritt legte Vertriebschef André Mühlhausen hin: "Wir wachsen wieder einmal, stärker und schneller als der Markt", sagte er, und dankte explizit den Partnern aus dem physischen und dem digitalen Musikgeschäft. "Unsere Partnerlandschaft war noch nie so vielfältig und so fokussiert."

Angesichts der demnächst erscheinenden Schwerpunkte wagte Mühlhausen eine Prognose: "Das versprechen wir Ihnen: In den kommenden Wochen bis Weihnachten veröffentlichen wir 20 weitere Top-Ten-Alben." Mit dieser Aussage habe er lange gerungen, "aber die kann man bringen, denn es ist so", sagte Mühlhausen.

Außerdem prognostizierte Mühlhausen, dass Andrea Berg in Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen "mit Ihrer Unterstützung wieder deutlich mehr als eine Million Einheiten verkaufen" werde.

Heinz Canibol kündigte anschließend einen Live-Auftritt von Ina Müller an und strich die Bedeutung der Künstlerin und Moderatorin auch beim Aufbau junger Acts heraus, schließlich gebe sie in ihrer Show immer wieder Newcomern eine wichtige Bühne. "Ina Müller ist der personifizierte Gegenentwurf zu unserer Castingshow-Landschaft." Canibols Kollege bei 105 Music,Roman Rybnikar, zeigte sich sicher, dass das neue Album von Ina Müller, "48", das am 25. Oktober erscheint, einer der ersten der von Mühlhausen prognostizierten Top-Ten-Kandidaten sei.

Für Klassik und Jazz stellte Michael Brüggemann anschließend eine unterhaltsame Typologie der Klassikkäufer auf. Die Aussichten für die Klassik seien gut, meinte er nach einem Blick in den Saal, schließlich kämen nun die geburtenstarken Jahrgänge langsam in ein "klassikkompatibles Alter". Und irgendwann habe jeder "sein Erweckungserlebnis für Klassik". Daniel Kamps und Lars Düysen warfen danach ein Schlaglicht auf die Aktivitäten von Sony Music in den Bereichen Live und Brand Partnerships; Ulli Feldhahn strich die eindrucksvolle Marktführerschaft des Europa-Labels im Bereich der Kinder- und Jugendunterhaltung heraus und meinte salopp: "Mit vollen Hosen ist gut stinken". Manfred Rolef berichtete von den Aktivitäten bei Ariola und den neu gegründeten Labels RCA Deutschland und Ariola Colonia, dankte aber auch Ulli Feldhahn und dem Team des Bereichs Family Entertainment dafür, dass sie Ariola für die Veröffentlichung des "Europa"-Albums von LaBrassBanda das Europa-Label "geliehen" haben.

Einen ganz besonderen Schwerpunkt bildete schließlich ein Interview mit Jean Michel Jarre, der als nationales Signing bei Epic im kommenden Jahr ein neues Album veröffentlicht und auch seinen Katalog, von dem bislang rund 80 Millionen Alben verkauft wurden, mitbringt.

Das Liveprogramm bot spannende Einblicke in das aktuelle Portfolio: LaBrassBanda unterstrichen zum Auftakt, dass der bald erscheinende Livemitschnitt was her machen dürfte; der Auftritt von Mikky Ekko, der den Rihanna-Hit "Stay" geschrieben hat, war der Höhepunkt des Tages. Über die Münchner Band Exclusive wurde im Anschluss wohl am meisten diskutiert; Ina Müller war gewohnt souverän; Revolverheld meldeten sich zurück; Tom Odell und Jan Smit überzeugten auf ihre jeweils ganz eigene Art; Tyler Ward holte sich eine Gesangspartnerin aus den USA zur Verstärkung auf die Bühne; Tim Bendzko rundete den Nachmittag gefühlvoll - und gar nicht so laut - ab, unter anderem im Duett mit Cassandra Steen.

Highlights wie im Vorjahr, als Alicia Keys und die Fantastischen Vier auftraten, fehlten diesmal allerdings. Aber dös passt scho, wie der Münchner sagt. Schließlich gilt: "The Highlight is the future". Diesen Satz von Jean-Michel Jarre griff Philip Ginthör in seinem kurzen Schlusswort auf. Will sagen: Der Kurs ist gesetzt, es geht in München volle Kraft voraus.